Steiner Robert. Selig, wer in Träumen stirbt

Panico Alpinverlag, Köngen 2001. 1

Fr. 19.80

Weniger wäre mehr gewesen. Nicht am Berg, sondern im Buch. Die Heckmair-Führe am Eiger, die Schmid-Route am Matterhorn, der Walkerpfeiler an den Grandes Jorasses – das ist heute fast Standard. Doch wer die drei Nordwände auf der Harlin, der Bonatti und der Colton-McIntyre im Winter durchsteigt, hat das Zeug zum ganz Extremen. Der Deutsche Robert Steiner war einer von ihnen. Ganz oben in der 1976 von den Briten Nick Colton und Alex McIntyre eröffneten Route stürzte er im Januar 1997 schwer – seine drei Begleiter holten Hilfe, und in letzter Minute rettete ihn der Helikopter. Eine dramatische Geschichte also, ein bisschen Sturz ins Leere, ein bisschen Corti-Drama am Eiger. Steiner erzählt flüssig, spannend, zeigt, warum und wie moderne Extremklassiker auf junge Bergsteiger wirken. Aber wenn der 1976 geborene Student der Germanistik und Geografie zum literarischen Höhenflug ansetzt, wie zu Beginn und am Ende seines Erstlings, wird die Absturzgefahr gross. Dem Leser ergeht es wie dem Ich-Erzähler: mühsamer Beginn, spannende Kletterei, Absturz. Gerettet wird nur der Bergsteiger. a

Daniel Anker, Bern

Feedback