Stille Spuren auf Wintertouren Neuauflage «Kodex für Wintertouren»

Der vom SAC in der letzten Wintersaison lancierte «Kodex für Wintertouren» fand ein erfreuliches Echo und wird deshalb auch diese kommende Saison weitergeführt. Sein Ziel: Anbieter und Tourengänger für die empfindliche Winternatur sensibilisieren und zu naturgerechter Planung und rücksichtsvollem Verhalten unterwegs motivieren. Dank mittlerweile 44 unterzeichnenden kommerziellen Anbietern, Broschüren in vier Sprachen sowie Plakaten dürfte die Breitenwirkung noch besser ausfallen.

Angesichts des Schneeschuhbooms erarbeitete das SAC-Ressort Schutz der Gebirgswelt 1999 gemeinsam mit Natur-schutz- und Tourismusorganisationen einen «Kodex für naturverträgliche Wintertouren». 1 Er umfasst den eigentlichen «Kodex» für Anbieter und dazu konkrete Verhaltensregeln und Tipps für Gruppen und individuelle Tourengänger. 2

Die Lancierung des Kodex Anfang 2000 mit rund 30 unterzeichnenden kommerziellen Anbietern löste – vor allem auch in den Medien – grosses Echo aus. Zahlreiche SAC-Sektionen, ausländische Alpenvereine (CAF, DAV, ÖAV usw.), Verkehrsvereine, Gruppen und Privatpersonen bestellten die kostenlose Broschüre; gesamthaft wurden ca. 5000 Exemplare abgegeben. Der Kodex wurde in SAC-Kursen, an Vorträgen und Seminaren zum Thema Natur und Umwelt präsentiert. Eine im Spätsommer durchgeführte Umfrage bei den involvierten Organisationen und Anbietern ergab folgendes Bild: Ca. 30% der Anbieter haben bewusst Faltbroschüren an ihre Gäste verteilt. Mehr als 40% von ihnen weisen in ihrem neuen Jahresprogramm auf den Kodex hin, und über die Hälfte der beteiligten Anbieter geht auf ihren Touren speziell auf die Problematik und die Verhaltensregeln ein. Hingegen wird bezweifelt, dass der Kodex einen zusätzlichen Werbeeffekt gebracht hat.

Auf Grund der positiven Reaktionen und der Aktivitäten der Beteiligten entschloss sich das SAC-Ressort Schutz der Gebirgswelt, das Projekt weiterzuführen und den Kodex auf die Wintersaison 2000/01 hin neu zu lancieren.

Dieses Jahr haben 44 Anbieter den Kodex unterzeichnet, also fast anderthalb Mal so viel wie letztes Jahr. Der Kodex liegt neben Deutsch und Französisch neu auch in Italienisch und Englisch vor, um u.a. auch ausländische Touristen anzusprechen. Der Kodex-Text ist auf verschiedenen Homepages aufgeschaltet (SAC, Naturfreunde, MW, Pro Natura, WWF usw.) Als Ergänzung zu den Ko-dex-Broschüren existiert ein Plakat, das in Verkehrsbüros, in SAC-Clublokalen oder in SAC-Hütten aufgehängt werden kann. Durch die Verbreitung über ganz verschiedene Kanäle erhofft man sich einen Multiplikatoreffekt.3

Die Finanzierung der gesamten Kampagne erfolgt vor allem durch Eigenleistungen des SAC (Arbeitsaufwand, Infrastruktur, direkte Kosten) und in zweiter Linie durch freiwillige Beiträge der Anbieter und Unterstützungsorganisatio-nen. 4 Um einen Teil des hohen finanziellen Aufwands decken zu können, werden zudem neu pro Faltblatt 20 Rp. erhoben. 5

Neben den positiven Rückmeldungen gibt es auch einige negative Aspekte. So wird etwa bemängelt, dass gewisse Anbieter den Kodex lediglich als Werbeplattformnutzen, ohne dass ihre Grundeinstellung und ihr Tourenangebot mit der Philosophie des Kodex – der Durchführung naturverträglicher Wintertouren – übereinstimmen. Eher zweifelhaft erscheinen auch jene Unterzeichner, die den Kodex zwar als gute Idee erachten und sich davon eine gewisse Werbewirkung erhoffen, auf ihren Touren aber nicht darauf eingehen und auch nicht bereit sind, einen bescheidenen Unkostenbeitrag zu leisten. Als «Trittbrettfahrer» können sie ohne Aufwand Werbung unter einem grünen Deckmantel betreiben.

Wir sind uns dieser Problematik bewusst und verstehen enttäuschte Anbieter, die ihr Tourenprogrammnach ökologischen Grundsätzen ausgerichtet haben und deshalb dieWirkung des Kodex kritisch hinterfragen. Eine Lösung könnte ein strengeres Label sein, das beispielsweise von der Swiss Outdoor Association (SOA) ausgearbeitet, vergeben und kontrolliert würde. Es kann und darf nicht die Aufgabe des SAC sein, das Einhalten der Verhaltensregeln der Anbieter zu kontrollieren.Die Kodex-Idee basiert letztlich auf Vertrauen und appelliert an die Selbstverantwortung der einzelnen Anbieter und Tourengänger.

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