Suiza existe. Über die Berge zur Expo.02

Über die Berge zur Expo.02

Das relativ kurzfristig von der Kulturkommission des SAC initiierte Projekt « Suiza existe » ging vom 26. Juli bis 4. August unter grossem Medienecho über die Bühne. Die 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlebten 10 intensive Tage quer durch die Kulturen und Berglandschaften der Schweiz.

Mit « Suiza existe », einer Idee des Kultur-kommissionsmitglieds Pier-Giorgio Baroni, wollten wir – Angehörige aller Sprachgruppen dieses Landes, Ausland-schweizer, Ausländer in der Schweiz, Behinderte – gemeinsam die Vielschich-tigkeit der alpinen Schweiz erleben. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Alpinismus stark verändert. Nachdem die Alpen erschlossen waren, wurden neue Alpin-Aktivitäten gesucht. Dass die Palette heute so breit ist, hängt sicher mit neuen Trainingsmöglichkeiten und Techniken, den Veränderungen im sozio-ökonomischen Umfeld, dem Freizeitverhalten, der Ausrüstung und Ernährung zusammen. Mit « Suiza existe » wollten wir eine weitere Form des Alpinismus aufzeigen: Bergsteigen mit Inhalt. Ziel war, die Mitglieder der Gruppe für kulturelle und naturwissenschaftliche Themen des Gebirges zu sensibilisieren und dabei das Interesse und vor allem die Neugierde für diesen Teil der Schweiz zu wecken. Jeder Trekkingtag war einem Thema gewidmet, zu dem ausgewiesene Referenten eingeladen wurden. Aber auch aus der Gruppe ergab sich spontan eine Reihe von hoch stehenden Beiträgen.

Reise durch die alpine Schweiz Die grosse Reisegruppe wuchs in kurzer Zeit zu einer eigentlichen Familie zusammen. Dazu kamen die bereichernden Begegnungen mit Menschen in zahlreichen Gemeinden und Institutionen. Die Reise war eine ausgewogene Mischung aus sportlichen und geistigen Tätigkeiten. Sie führte vom Val Mustair über den Nationalpark, Vals, Lukmanier, Gotthard, das Wallis und Bern ins Drei-Seen-Land. Und im Rückblick muss man feststellen, dass sogar das Wetter insgesamt gesehen ganz passabel war.

Mustair Das Kloster Mustair, 1983 als « UNESCO-Welterbe » ausgezeichnet, ist eine Gründung Karls des Grossen aus dem 8. Jahrhundert. Als der Kaiser am Umbrail in einen Schneesturm geraten sei, habe er das Gelübde abgelegt, ein Kloster zu gründen, falls er den Gefahren der Berge entrinne. Karolingische Fresken und uralte Gebäudeteile führten uns in eine Zeit zurück, in der die Schweiz definitiv noch nicht existierte. Die gleichen uralten Klostermauern dienten am Abend des ersten Tages als Kulisse für ein erfrischendes Musikfestival, das uns wieder in die Gegenwart zurückholte.

Rheinwaldhorn/Adula Alle Teilnehmer erreichten am 29. Juli 2002 von der Läntahütte SAC aus den Gipfel des Rheinwaldhorns/Adula, 3402 m, und stiegen zur Capanna Adula CAS ab, 1400 Meter im Auf- und Abstieg. Dieser gemeinsam erlebte Gipfelerfolg gab der Gruppe einen grossen Auftrieb und schweisste sie nachhaltig zusammen. Besonders bewunderten wir dabei die Leistungen unseres blinden Mitgliedes Rino Bernasconi und seines Betreuers Fabio Bernasconi, die mit grosser Ausdauer und sichtlicher Freude bei dieser anstrengenden Tour dabei waren.

Toleranz und Sprache Die meisten Mitglieder der Gruppe « Suiza existe » waren mehrsprachig, weshalb die Verständigung eigentlich zu kei-

Die Trekkinggruppe « Suiza existe » stattete auch Lü, 1920 m, der höchstgelegenen politischen Gemeinde der Schweiz, einen Besuch ab. Die Spurensuche « Suiza existe » führte von Müstair quer durch die Schweiz nach Neuenburg. Im Val dal Botsch

nem Zeitpunkt ein Problem aufwarf. Die Gruppe hatte sich von Anfang an stark durchmischt, und es gab keine Berührungsängste. Die gegenseitige Toleranz und die positive Grundeinstellung aller Teilnehmer waren beispielhaft. Und obwohl der Anteil der Romands etwas weniger gross war als erwartet, entpuppte sich das Französische als « la langue du milieu ». Die Bundesräte « Suiza existe » wurde auch auf höchster politischer Ebene wahrgenommen: Bundesrätin Ruth Dreifuss besuchte uns im Tessin, und Bundesrat Pascal Couchepin war im Wallis mit uns unterwegs. Die Begegnungen mit unseren Magistraten gestaltete sich auf eine unerwartet unverkrampfte, fröhliche und kollegiale Art. Während Bundesrätin Ruth Dreifuss in Piora für unser leibliches Wohl sorgte und sehr viel Brot und Käse schneiden musste, schritt Bundesrat Pascal Couchepin im Saastal in forschem Tempo zur Almagellerhütte und tags darauf über den Höhenweg zur Weissmieshütte – auf Grund schlechter Wetterverhältnisse mussten wir auf die Besteigung des Weissmies, des einzigen Viertausenders im Programm, verzichten.

Expo.02 Einen eindrücklichen Abschluss fand das Kulturtrekking auf der Expo.02-Arteplage in Murten mit der Besichtigung

Ziel des Kulturtrekkings « Suiza existe » war, das Interesse für kulturelle und naturwissenschaftliche Themen zu wecken. Informationen im und zum Nationalpark auf Stabelchod, 1958 m Fo to s:

Lu dw ig W eh DIE ALPEN 9/2002

des Monolithen mit dem modernen Video- und dem historischen Panorama und dem SAC-Boulder auf der Arteplage in Neuchâtel. Damit wurde die Brücke geschlagen zwischen dem internationalen Jahr der Berge 2002 und der Expo.02, zwischen Mittelalter und der Schweiz heute und auch zwischen den sich in Tat und Wahrheit nur marginal unterscheidenden Kulturen unseres Landes. Eine einmalige Kulturaktion, die allen Teilnehmenden in Erinnerung bleiben wird. Die Kulturkommission des SAC dankt allen, die mit positivem Geist zum guten Gelingen beigetragen haben. a

Bernhard Rudolf Banzhaf, Präsident Kulturkommission SAC Fo to s:

Lu dw ig W eh Blick von der Läntahütte des SAC auf das Rheinwaldhorn/ Adula, 3402 m, dessen Besteigung einer der sportlichen Höhepunkte war.

Im Aufstieg zum Rheinwald-horn/Adula, 3402 m Bundesrätin Ruth Dreifuss beehrte die Trekkinggruppe nicht nur mit ihrem Besuch, sondern sorgte auch für das leibliche Wohl.

DIE ALPEN 9/2002 « La Sigla », das Lied in den vier Landessprachen, wurde täglich gesungen. Zum letzten Mal erklang es auf der Expo.02-Arte-plage in Neuenburg, dem Ziel des Kulturtrekkings.

Bundesrat Pascal Couchepin war während zweier Tage mit den Trekkern in seinem Heimatkanton Wallis unterwegs.

Unterkunft fanden die « Suiza-existe»-Trekker wo immer möglich in SAC-Hütten, so auch in der Almagellerhütte im Saastal. Fahnen im Wind, ein Zeichen dafür, dass « Suiza existe ». Hier vor der Almagellerhütte des SAC

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