Symposium Historische Verkehrswege der Schweiz (VS)

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Symposium Historische Verkehrswege der Schweiz ( VS )

In der Kartause Ittingen fand am Samstag, 26. April 1997, anlässlich der Hundertjahrfeier der SACSektion Thurgau ein Symposium zum Thema « Historische Verkehrswege - Wiederentdeckung als Kulturgut und zeitgemässe Nutzung » statt. Dabei stellte Prof. Klaus Aerni, Kulturpreisträger des SAC 1996, seine Arbeit über die Inventarisierung der Verkehrswege der Schweiz ( IVS ) vor.

Anlässlich der feierlichen Übergabe des SAC-Kulturpreises an Prof. Klaus Aerni1 im November 1996 im Rathaus in Frauenfeld kam auch der Wunsch zum Ausdruck, das faszinierende Thema der historischen Verkehrswege bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit im Rahmen eines Symposiums für interessierte Kreise vertieft anzugehen.

Für dieses Symposium konnten schliesslich - neben dem Hauptrefe-renten Prof. Klaus Aerni - als weitere kompetente Podiumsteilnehmer noch Beat Haag, Chef des Raumplanungs-amtes des Kt. Thurgau, Jost Bürge, Kantonsarchäologe, Ida Bänziger, Mitglied der Kulturkommission des SAC, Heini Giezedanner, technischer Leiter der Thurgauer Wanderwege, und - für die Gesprächsleitung - Dieter Meile, Gemeinderatspräsident von Weinfelden, gewonnen werden.

Das Bundesinventar Das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz ( IVS ) ist, wie Klaus Aerni einleitend feststellt, ein Bundesinventar, das in Anwendung des Bundesgesetzes über den Natur und Heimatschutz im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft ( BUWAL ) ausgearbeitet wird. Dieses Inventar bildet ein für die Bundesbehörden verbindliches Instrument bei der Ausübung aller Bundesaufgaben und steht gleichzeitig den Kantonen und Gemeinden als Entscheidungshilfe bei Planungsaufga-ben zu Verfügung.

Kulturgüterreicher Thurgau Wie Aerni betont, stiess man bei der Inventarisierung der historischen Verkehrswege im Thurgau auf einen grossen Reichtum an entsprechenden Kulturgütern. Doch vieles ist bereits im Zug des Strassenbaus oder infolge landwirtschaftlicher Bedürfnisse für immer verloren gegangen. Solche Zeugnisse früherer Verkehrswege haben jedoch eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Gerade in den Gemeinden ist das Wissen um die eigenen Kulturgüter nicht nur für die Bewohner von Wichtigkeit, sondern es ist auch für die Einbindung des Fremdenverkehrs von grossem Nutzen. Aerni denkt dabei vor allem an die Berggebiete, die nicht vom Skitourismus profitieren können. Ihnen bietet sich hier die Möglichkeit, durch die Erschliessung neuer Wanderpfade, die historischen Verkehrswegen mit ihrem besonderen kulturellen Gehalt folgen, neue Anreize zu schaffen.

52'Vgl .DIE ALPEN 12/96, S. 52 V.l.n.r: Grossrat Hermann Lei, Prof. Klaus Aerni und Dieter Meile. Leiter der Gesprächsrunde Vielseitige Beziehungen zum IVS Jost Bürge, Kantonsarchäologe, macht auf die soziale Bedeutung dieser historischen Verbindungswege aufmerksam. So lässt sich vor allem aus Münzfunden schliessen, wo und aus welchen Gründen die alten Pfade benützt wurden. Insgesamt hat der Kanton Thurgau ganz besonders von der Inventarisierung profitieren können, da im Lauf der damit einhergehenden Arbeiten auch eine grosse Zahl von Burgruinen entdeckt wurde.

Aus der Sicht der Wanderwegver-einigung erwartet Heini Giezedanner, technischer Leiter der Thurgauer Wanderwege, dass die historischen Wege und Bauten in die Wanderpfade eingebunden werden. Mit ent- Durch die Erschliessung neuer Wanderpfade, die historischen Verkehrswegen mit ihrem besonderen kulturellen Gehalt folgen, können Berggebiete neue touri- sprechenden kulturellen Wanderungen, die im Rahmen des SAC-Touren-programms für die Mitglieder angeboten werden, lässt sich das Interesse in diesem Bereich sicher weiter fördern.

Seitens des SAC wünscht Ida Bänziger aus der Kulturkommission des SAC dem IVS, dass sich unter den rund 80000 SAC-Mitgliedern in Zukunft doch ein paar kräftige Männer und Frauen finden werden, die sich mit Pickel und Schaufel aktiv an der Restauration der alten Kulturpfade beteiligen. Abschliessend stellt sie mit grosser Freude fest, dass mit der Verleihung des SAC-Kulturpreises an das IVS eine kulturell besonders wichtige und wertvolle Arbeit gefördert werden konnte.

Rita Langenauer, Frauenfeld Ziel ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an dieser Wanderung einerseits die geschichtliche Bedeutung des Chrüzlipasses und anderseits die Arbeitsweise des IVS näherzubringen.

Zusammenarbeit SAC-IVS Die Verleihung des SAC-Kulturprei-ses an das IVS und das IVS-Symposium in der Kartause Ittingen vom 26. April 1997 ( vgl. den vorangehenden Beitrag ) trugen viel zur Steigerung des gegenseitigen Interesses bei. Dieses für beide Organisationen bereichernde engere Zusammengehen soll nun mit der geführten Exkursion über den Chrüzlipass einen weiteren Höhepunkt erhalten.

Warum über den Chrüzlipass?

Auch wenn der Chrüzlipass im IVS-Inventar voraussichtlich nur als von regionaler Bedeutung eingestuft werden dürfte, lässt sich aus historischer Sicht doch einiges zu diesem Übergang sagen. So hatte der 2347 m hohe Chrüzlipass zusammen mit dem 1914 m hohen Lukmanier vor der Öffnung der Schöllenenschlucht eine -wenn auch nicht zu überschätzende -Funktion als Gotthard-Umgehungs-route. Als Verbindung zwischen Maderanertal ( bzw. Reusstal/Zentral-schweiz ) und Tavetsch ( Vorderrhein-tal/Graubünden ) besass der Chrüzlipass zudem seit alters her eine eigen-

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