Todessehnen & Lebenssucht

Panico Alpinverlag, Köngen 2009, ISBN 978-3-936740-62-2. Fr. 16.50

Von Tag zu Tag werde ich konjunktiver und imperfekter, schreibt Weiss in seinem am Anfang stehenden Epilog, dem Schlusswort. Die Realität der Gegenwart gleitet mit zunehmendem Alter in die Vergangenheit ab, findet er. Das aktive Machen werde vom passiven « hätte gemacht » verdrängt. Mit diesem leicht wehmütigen Vorwort stimmt Weiss die Lesenden ein auf eine Sammlung von Klettererlebnissen, die es in sich hat: tragische, philosophische, ironische, immer aber pointierte. Anders als viele, die ihre Bergerlebnisse mehr, oft aber auch weniger elegant zwischen zwei Buchdeckel pressen, schreibt Weiss stilsicher, intelligent und oft auch provokativ. Etwa wenn er sich übers Bouldern auslässt, das die komplexe Welt der Berge und des Bergsteigens auf ein simples klar definiertes Problem reduziere. Seine kritischen Beobachtungen sind aber oft wie Bumerangs. Etwa dann, wenn Weiss erkennt, dass seine Geringschätzung des Boulderns, diesem Klettern ganz nah am Boden, daher rührt, dass er bloss neidisch ist auf die Bewegungen der Boulderer, « die jenseits meiner Beweglichkeit liegen ». So gelingt es Weiss, aus dem Speziellen, dem Klettern, aufs Allgemeine, das Menschliche zu schliessen. Tiefgründig, manchmal auch abgründig. Ein Buch, das in der Psyche der Kletterer wühlt und sie so den Nichtalpinisten näherbringt.

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