Tödlicher Unfall wegen mangelhafter Routenausrüstung?

Stellungnahme zum Beitrag in den ALPEN 8/98, S. 13 ff.

In dem unter obigem Titel publizierten Erlebnisbericht zum tödlichen Unfall vom 6.6.98 am Brüggler äussert sich der Autor auch über den schlechten Zustand der Absicherungen. Die dazu gemachten Aussagen veranlassen uns zu einer Stellungnahme.

Wenn der Brüggler als Sanierungsfall und der schlechte Zustand der Routenausrüstung als mögliche Ursache für den tödlichen Unfall bezeichnet wird, sind dies Schlagzeilen, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben.

Der Brüggler mit seiner bis 350 m hohen Südwand hat alpinen Charakter und ist nicht zu vergleichen mit dem Klettern in Hallen oder Klettergärten.

In einer Kletterhalle zahlt man Eintritt und erwartet dafür gut eingerichtete und abgesicherte Routen. Nicht so in den Bergen. Die Routen können zwar gut und sicher ausgerüstet sein, müssen es aber nicht. Und man zahlt keinen Eintritt. Das Klettern erfolgt somit für alle auf eigenes Risiko. Wer sich nicht erkundigt, wie eine Route eingerichtet ist und sich nicht dementsprechend vorbereitet und ausrüstet ( Klemmkeile, Friends usw. ), setzt sich und seine Seilpartner unnötigen Gefahren aus. Auch Routen, die viel geklettert werden, sind nicht automatisch gut ausgerüstet.

Sanieren von Routen mit Bohr-und Klebeankern ist sicher zu begrüssen, solange das Material zur Sicherung und nicht zur Fortbewegung dient. Sanieren ist aber teuer und beansprucht viel Zeit. Wer bezahlt? ' Vignetten oder Eintrittsgeld sind keine Lösung. Sie bringen zwar Einnahmen, aber noch viel mehr Ärger. Die Haftung wäre nämlich auf der Seite der Geldempfänger. Wer will bzw. kann eine solche Haftung übernehmen?

1 Die SAC-Sportkletterkommission hat an ihrer Sitzung vom 15.9.98 einen Unterstützungsbeitrag von Fr. 40O. zur Sanierung des Brüggler gesprochen. ( Die Red. ) Auch wenn der Tod einer hoffnungsvollen Vierzehnjährigen schmerzlich ist, sollten -vor genauer Kenntnis der Ursachen - in der Öffentlichkeit möglichst keine Schuld-zuweisungen vorgenommen werden. Klettern bzw. Bergsteigen soll in der Eigenverantwortung der Betreiber bleiben.

Eine amtliche Untersuchung ist im erwähnten Fall eingeleitet worden. Auch wenn die abschliessenden Resultate noch nicht vorliegen, kann mit Sicherheit gesagt werden, dass die Unfallursache nicht bei den Verankerungen liegt.

Hans Bäbler, Bergführer, Mollis Pankraz Hauser, Bergführer, Mollis

»port- und /ettkampf klettern

Arrampicata libera di competizione

Escalade libre/ Zompétition

Weltcup-Finale im Sportklettern

Grosser Erfolg für Simon Wandeler Anlässlich des vom 13. bis 15. November 1998 in Kranj ( Slowenien ) durchgeführten Weltcup-Finals gelang Simon Wandeler aus Nottwil mit seinem dritten Platz sein bisher bestes internationales Resultat.

In einem spannenden Finale musste er sich lediglich dem Gewinner des Gesamtweltcups 1998, dem Japaner Yuji Hirayama, und dem mehrfachen Weltmeister aus Frankreich, François Legrand, geschlagen geben. Mit diesem hervorragenden Ergebnis rückt Simon Wandeler in der Weltcup-Ge-samtwertung 1998 auf den 4. Gesamtrang. Nach einer kontinuierlichen Leistungssteigerung und intensiver Trainingsarbeit mit dem neuen Nationaltrainer Hanspeter Sigrist aus Bern hat sich Simon Wandeler damit endgültig in der Weltspitze etabliert.

Pech für Anna Tina Schultz Durch einen Konzentrationsfehler vergab die Bernerin Anna Tina Schultz, trotz ausgezeichneter Aus-

Bergdrama am Montblanc

Im vergangenen August sind mehrere Bergsteigerinnen und Bergsteiger auf relativ einfachen Routen am Montblanc tödlich abgestürzt. Offenbar hat eine plötzlich auftretende Vereisung zu diesem Bergdrama geführt.

Diese Tragödie ist ebenso gravierend wie jene vom Mai 1996, als am Mount Everest infolge eines Schlechtwettereinbruchs innert weniger Stunden acht Tote zu beklagen waren. Während die Medien ausführlich über die ferne Himalaya-Katastrophe berichteten - erinnert sei etwa an den Bestseller von Jon Krakauer -, wurde das Drama am Montblanc in der Presse trotz Sommerflaute nur mit wenigen Zeilen abgehandelt. Dies ist absolut unverständlich, denn aus dem tragischen Geschehen am Montblanc sollten für die Zukunft die richtigen Lehren gezogen werden. Es ist doch eher unüblich, dass man auf mässig steilen Flanken mit der richtigen Ausrüstung - die Opfer trugen offenbar Steigeisen - zu Tode stürzt, selbst bei Vereisung. Was ist also geschehen? Eine restlose Aufklärung der Ursachen und eine Orientierung der berginteressierten Kreise ist absolut unerlässtich, um eine Wiederholung eines solchen Dramas zu verhindern.

Ruedi Horber, Niederscherli Damen:

1. LivSansoz, FRA 2. Muriel Sarkany, BEL 3. Stéphanie Bodet, FRA 15. Iva Hartmann, SUI 2O. Anna Tina Schultz, SUI 36. Alexandra Eyer, SUI Damen:

1. Liv Sansoz, FRA 2. Muriel Sarkany, BEL 3. Stéphanie Bodet, FRA 12. Anna Tina Schultz, SUI 15. Iva Hartmann, SUI 39. Maria Rüdisühli, SUI 44. Alexandra Eyer, SUI simon Wandeler, 4. der Gesamtweltcup-wertung 1998 beim Training gangsposition, die Chance, sich im Gesamtweltcup unter den besten fünf Damen zu etablieren. Mit dem 2O. Rang in Kranj plazierte sie sich im Gesamtweltcup 1998 auf dem klar unter ihren Möglichkeiten liegenden 12. Rang.

Gem. Mtlg.

ngliste Weltcup-Finale Kranj/Slowen

Herren:

1. Yuji Hirayama, JAP 2. François Legrand, FRA 3. Simon Wandeler, SUI 39. Urs Schönenberger, SUI 57. Thomas Achermann, SUI

ngliste Gesamtweltcup im Sportklettern 19!

Herren:

1. Yuji Hirayama, JAP 2. Christian Brenna, ITA 3. Yevgeni Krivoshetsev, UKR 4. Simon Wandeler, SUI

»icherheit, Medizin, iettungswesen

Sicurezza, medicina, soccorso in montagna

Sécurité, médecine, isauvetage

Belastung in der Praxis - auch beim grösstmöglichen Sturz - auftreten kann. Trotzdem bekam der Sicherheitskreis vor kurzem von zwei verschiedenen Kletterern je einen gerissenen Anseilgurt zugesandt.

In der Kletterhalle Beide Anseilgurte sind bei Stürzen an künstlichen Kletteranlagen gerissen. Die Sturzbelastung konnte schlimmstenfalls in der Grössenordnung von 3,5 kN ( ca. 350 kp ) gelegen haben. Zunächst dachten wir an Schwefelsäure ( 2 SO4, Autobatterieflüssigkeit ). Dies war deshalb naheliegend, weil sich in den letzten fünfzehn Jahren unter deutschen und österreichischen Kletterern schon mehr Seilrisse durch nachgewiesenen Schwefelsäureeinfluss ( nämlich drei Seilrisse ) als durch Sturzbelastung über Felskanten ( nur ein Seilriss ) ereignet haben. Die Untersuchung der beiden gerissenen Anseilgurte durch das Landeskriminalamt in München erbrachte allerdings ein negatives Ergebnis: keine Schwefelsäure. Was aber konnte dann die Ursache gewesen sein?

Was ist gerissen?

Bei beiden Anseilgurten war die Beinschlaufenverbindung, die tragende, aus mehreren Bandlagen bestehende Verbindung der beiden Beinschlaufen, gerissen. Der Bauchgurt hielt. Glücklicherweise handelte es sich in beiden Fällen um einen kleinen Sturz, so dass die Restfallenergie vom Bauchgurt und den Weichteilen im Bereich zwischen Hüfte und Brustkorb ohne ernstere Verletzungen aufgenommen werden konnte. Und dies gerade im Weichteilbereich, wo der menschliche Körper bekanntlich nicht viel aushält.

Wäre es ein grösserer Sturz gewesen, hätte dies zu Rippenbrüchen

h Gerissene Bein-ie Schlaufenverbindung bei Anseilgurten.1 Anseilen nur mit Hüftgurt?

Anseilgurte sind überdimensioniert, das heisst, sie können bei Sturzbelastung in der Praxis nicht reissen. Jetzt sind aber die ersten zwei gerissenen Anseilgurte aufgetaucht, und jeder fragt sich: Wie konnte das passieren? Ursache war « spezielles » heute vielfach übliches Einbinden, das auch die Hersteller empfehlen.

Die ersten beiden gerissenen Anseilgurte

Die grösste in der Praxis mögliche Belastung liegt nur in der Grössenordnung von 7-8 kN ( ca. 700-800 kp ), also im Bereich der halben Prüfbelastung. Dazu kommt, dass eine qua-sistatische Belastung eine ernstere Prüfung ist als eine dynamische, wie sie beim seilgesicherten Sturzabfan-gen auftritt, da die volle Belastung nur für Bruchteile von Sekunden wirkt. Ein Anseilgurt gilt deshalb als überdimensioniert, d.h. der Gurt hält wesentlich mehr aus, als durch Abb. 1+2 Eine der beiden gerissenen Beinschlaufenverbindungen Abb. 1 führen müssen, und zwar mindestens zu Brüchen der untersten ( « freien » ) Rippen, die nicht am Brustbein angewachsen sind. Bei einem Bruch können sie leicht die Lunge verletzen, was sehr gefährlich ist ( vgl. Zeichnung a ). Wenn ein Hämatopneumo-thorax entsteht, das heisst, wenn Luft und Blut aus der Lunge in den Brust-fellraum austreten und die Lunge kollabiert, ist schnellste Hilfe angesagt, soll der Verletzte nicht innerhalb kürzester Zeit seinen Verletzungen erliegen. Auf Grund einer solchen Verletzung gab es 1980 einen tödlichen Unfall im Yosemite National Park ( USA).2 Daneben besteht auch die Gefahr eines Herzinfarkts durch die stumpfe Stossbelastung auf den Brustkorb. So verstarb ein Kletterer ein Jahrnach einem 6-Meter-Sturz im Elb-sandsteingebirge an den Folgen eines Herzinfarkts, verursacht durch Thoraxkontusion oder -kompression.2 Mikroskopische Untersuchung Nach einer akribischen Untersuchung der Rissstellen unterm Mikroskop, insbesondere auch der Nahtfä-den, konnte schliesslich die Bruchur-sache eruiert werden: Anseilen unter Einbeziehung der Beinschlaufenverbindung!

Allerdings empfehlen gerade alle Hersteller dieses « spezielle » Anseilen, das bei häufigem Gebrauch nachtei- 1 Dieser Beitrag wurde in Deutscher Alpenverein: Mitteilungen, Jugend am Berg, 5O. Jg., Heft 2/98 April, publiziert. Wir danken Pit Schubert, Leiter des DAV-Sicherheitskreises, für die Abdruckbewilligung und das Bildma-terial/Zeichnungen.

2 Quelle: Die Belastung des menschlichen Körpers beim Sturz ins Seil und deren Folgen, Dissertation, Helmut Mägdefrau, Universität München, Dezember 1989 lig ist. Bei jedem Seileinhängen in eine Zwischensicherung muss das Seil von unten nach oben gehoben werden, was heisst, dass das Seil an der Beinschlaufenverbindung schabt. Beim Weiterklettern führt das Seil wieder nach unten, das heisst, das Seil schabt nun in die andere Richtung ( vgl. Zeichnungen bi und b2 ). Dieser Bewegungs- bzw. Schabzyklus wiederholt sich an jederZwischen-sicherung. Man kann sich leicht ausrechnen, wie häufig dies ist. Beschädigungen durch Sturzbelastung im Vorstieg ( Sportklettern !) tragen das ihre dazu bei, da das Seil dann insbesonders unter Fangstossbelastung an der Beinschlaufenverbindung schabt. Und dieses Schaben führt natürlich zu auffallend schnellem Verschleiss der Beinschlaufenverbindung ( vgl. Abb. 1 und 2 ). Wird dies nicht rechtzeitig bemerkt, kann es bei Sturz zum Bruch kommen. Und genau dies ist bei den beiden gerissenen Anseilgurten passiert.

Manche Anseilgurte besitzen im scheuergefährdeten Bereich einen mantelartigen Schutz, der eine Beschädigung jedoch nur hinauszögern kann ( vgl. Abb. 3 ).

Woher kommt dieses Anseilen?

In Amerika sei angeblich vor vielen Jahren die Anseilschlaufe eines wahrscheinlich nicht normgeprüften Hüftgurts gerissen. Daraufhin kam ein kluger Kopf auf die Idee, die Beinschlaufen in das Anseilen miteinzubeziehen. Dies ist zunächst einmal nicht verkehrt, doch auf die Dauer und bei vielfachem Gebrauch und häufigem Stürzen eben doch gefährlich, wenn die Beschädigung nicht rechtzeitig bemerkt und die Beinschlaufen nicht durch neue ersetzt werden. Diese Form des Anseilens hat auch einen Vorteil, der gefühlsmässig geschätzt wird: Der ( Anseil- ) Knoten befindet sich näher am Anseilgurt.

Festigkeit Die Anseilschlaufe von Hüftgurten wird bei der Normprüfung natürlich mitgeprüft und muss die Normfestig-keit ( richtig: Bruchkraft ) von mindestens 15 kN ( ca. 1500 kp ) erreichen, andernfalls darf der Gurt nicht auf den Markt gebracht werden. Und die Hersteller werden sich - schon im Hinblick auf die möglichen Folgen eines Produkthaftungsfalls - hüten, einen Gurt mit unzureichend fester Anseilschlaufe anzubieten. So ist die Zeichnung a Belastung der Weichteile und des Brustkorbs durch Fangstosseinwirkung, wenn die Beinschlaufenverbindung aufgrund zuvor erfolgter Scheuerbe-schädigung bei einem etwas grösseren Sturz reissen sollte Abb. 3 Eine trotz Ummantelung bereits beschädigte Beinschlaufenverbindung Anseilschlaufe, wie ein namhafter Hersteller ( PETZL ) dem DAV-Sicher-heitskreis mitteilte, mit einer Bruchkraft von weit über 20 kN ( ca. 2000 kp ) der sicherste und festeste Teil des ganzen Anseilgurts, also weit mehr als die Normen fordern.

Wir haben im DAV-Sicherheitskreis daraufhin wieder einmal Hüftgurte im Handel erstanden und insbesondere die Anseilschlaufe geprüft. Ergebnis: EDELRID 23 kN ( ca. 2300 kp ), EDELWEISS 19 kN ( ca. 1900 kp ), MAMMUT 33 kN ( ca. 3300 kp ), PETZL 28 kN ( ca. 2800 kp ); wir prüften auch die Anseilschlaufen der beiden gerissenen Anseilgurte: 21 und 22 kN ( ca. 2100 und 2200 kp ). Es besteht also keinerlei Gefahr, wenn man sich nur in der Anseilschlaufe des Hüftgurts anseilt und nicht so, wie dies die Hersteller empfehlen.

Wir haben alle namhaften Hersteller während der Fachmessen, wenn alle greifbar sind, wiederholt nach dem Grund dieser Anseilempfehlung gefragt. Brauchbar waren ihre Erklärungen « das machen doch alle so » oder « das ist vom Gefühl her sicherer » nicht. Lediglich PETZL lieferte eine plausible Erklärung: Bei Nutzern unterschiedlicher Körpergrösse lässt sich der Abstand zwischen der Beinschlaufenverbindung und dem Bauchgurt regulieren.

Gebrauchsanleitung Gemäss EU-Richtlinien muss jedem Ausrüstungsstück - also jedem einzelnen Karabiner, Anseilgurt usw.eine Gebrauchsanleitung beigegeben sein. Soweit dem Sicherheitskreis bekannt ist, gibt es derzeit nur Gebrauchsanleitungen und Angaben in Katalogen, die das Anseilen in der Anseilschlaufe ( also ohne Einbeziehung der Beinschlaufenverbindung ) als falsch darstellen ( vgl. Zeichnung c ). Folglich schliessen viele Kletterer daraus, dass die Anseilschlaufe nicht fest genug ist.

Hier scheint ein Umdenken angebracht, wenn schon nicht bei den Herstellern ( Umsatz ), dann vielleicht bei den Kletterern ( Kostenfrage durch Neuanschaffung ).

Wer sich auch weiterhin aus « Sicherheitsgründen » doch so « speziell » ( mit Einbeziehung der Beinschlaufenverbindung ) anseilen will, kann dies natürlich ruhig tun. Er sollte nur ab und zu die Beinschlaufenverbin- 4 ai Û Zeichnung: Georg Soje Sicherheit, Medizin, Rettungswesen dung überprüfen und bei erkennba-„ rer Beschädigung die Beinschlaufen S auswechseln. Die Hersteller wird es 2 freuen. Doch lässt sich nicht bei allen c Hüftgurten diese Auswechslung be-5 werkstelligen, haben doch einige a, Hersteller ihre Anseilgurte derart raf-ia finiert konzipiert, dass man einen ^m kompletten neuen Gurt kaufen muss. 18 Bei einem Bruch der Beinschlau- fenverbindung wie in den beiden geschilderten Fällen kann der Hersteller nicht belangt werden. Es handelt sich um einen ganz normalen Verschleiss. In jeder Gebrauchsanleitung wird darauf hingewiesen, dass der Anseilgurt von Zeit zu Zeit oder gar vor bzw. nach jeder Benutzung auf Beschädigungen zu überprüfen und, sollten solche aufgetreten sein, auszusondern ist.

Brust- und Hüftgurt oder nur Hüftgurt?

Das ist die Frage. Einerseits sind uns Hunderttausende von Sportkletterstürzen bekannt, die ohne jede gesundheitliche Beeinträchtigung überstanden wurden; andererseits wissen wir von zwei Dutzend Toten aufgrund der alleinigen Verwendung eines Hüftgurts ( Wirbelsäulenver-letzungen und Schleudertrauma ). Was tun?

Sportklettern Beim Sportklettern kann bei der Mehrzahl aller Sturzbelastungen davon ausgegangen werden, dass ein Hüftgurt ausreichend ist, sofern nur kontrollierbare Stürze riskiert werden; das verbleibende Risiko muss als « tolerierbares Restrisiko » eingestuft werden3, wie es andere Risiken beim Bergsteigen und Klettern genügend gibt. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung, dass unter « Sportklettern » das Klettern an gut abgesicherten Routen ( Bohrhaken ) und bei senkrechtem bis überhängendem Fels und entsprechend kurzen Haken-abständenkleine Stürze ) verstanHierin liegt die Gefahr für die Hersteller, solange diese in der Gebrauchsanleitung nicht auf die Gefahren bei der alleinigen Verwen dung eines Hüftgurts hinweisen; sollte es zu einer Querschnittlähmung kommen {wie schon passiert, der Betreffende ist allerdings später bald verstorben ), können Schadener-satzforderungen an den Hersteller in der Grössenordnung von einer halben bis einer Million Mark die Folge sein.

Zeichnung bi und fc>2 Beim Anseilen mit Einbeziehung der Beinschlaufenverbindung wird diese bei jedem Einhängen des Seils in eine Zwischensicherung und bei jedem anschliessenden Weiterklettern vom Seil gescheuert ( Pfeile ).

den wird. Die Sonnenplatten im Sarcatal gehören beispielsweise - auch wenn jetzt gut abgesichert - nicht unbedingt dazu ( der Stürzende wird bei einem grösseren Sturz immer den Fels touchieren, woraus ein unkon-trollierbarer Sturz folgen muss ).

Alpinklettern Beim alpinen Klettern mit oder ohne Rucksack und überall dort, wo die oben angeführten Kriterien nicht erfüllt sind ( das kann auch im Klettergarten sein ), ist ein Brustgurt zum Hüftgurt anzuraten, angeseilt mit Achterschlingen bzw. Achterein-bindung.

Der italienische Delegierte in der UIAA-Sicherheitskommission, Dr. Carlo Zanantoni, hat Fallversuche mit lebenden Personen an künstlichen Kletteranlagen in Italien initiiert, bei denen der DAV-Sicherheitskreis, das DAV-Ausbildungsreferat und der Präsident des Deutschen Bergführerverbandes, Peter Geyer, zugegen waren. Alle Stürze waren freie Stürze, weit überhängend, von geringer Fallhöhe Zeichnung c Die Anseilschlaufe ist zum Anseilen da und damit für jede Sturzbelastung ausreichend fest.

( bis 7 m ) und ohne Gefahr, irgendwo zu touchieren oder anzuschlagen; wo solche Stellen hätten sein können, waren diese mit dickem Schaumgummi abgepolstert.

Die grosse Mehrzahl der Stürze -die Probanden waren gedanklich immer auf den Sturz vorbereitet - verlief problemlos ( Fangstosseinwirkung Kopf oben oder Kopf voran ). Bei einem Sturz allerdings bekam der Proband « die Kurve nicht », es drehte ihn nicht ausreichend mit dem Kopf nach unten/Beine nach oben, so dass er die Fangstosseinwirkung in annähernd horizontaler Lage erfuhr und sich so beachtliche Schmerzen im Lenden-wirbelbereich zuzog; mehr war am Tatort augenblicklich nicht festzustellen. Da es sich um alpine Grenzbeam-te ( « Finanzers » ) handelte, die die Sturzübungen im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit ausführten, dürften die Verletzungen als Berufsunfall einzustufen gewesen sein.

Pit Schubert, München ( D )

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