Tourensnowboarden und Skialpinismus

Nebeneinander oder gegeneinander?

Wenn ich mich recht erinnere, traf man im Winter 93/94 erstmals auch im Tourengelände auf Snowboardfahrer. Da sie mit Schneeschuhen aufstiegen, beschädigten bzw. zerstörten sie ( je nach Schneebeschaffenheit ), ohne sich deswegen wohl gross Gedanken zu machen, oft die bereits von Skitourenfahrern angelegten Aufstiegsspuren. Nachkommende Skitourenfahrer hatten dann - wenn sie nicht gleich eine neue Spur ziehen wollten - ihre Not in den zertrampelten Spuren und ärgerten sich entsprechend. Nun ist ja die Bergwelt auch im Winter allen frei zugänglich, folglich soll jeder mit seinem persönlich bevorzugten Sportgerät selig werden können. Nach diesen ersten Erfahrungen mit Snowboardern hatte ich jedoch ein ungutes Gefühl, vor allem im Hinblick auf die Auswirkungen dieses neuen Trends auf Skitouristen.

Im Winter 1995/96 hat sich das Snowboardfahren mit grossem Schwung weiterentwickelt, und es besteht Anlass zur Annahme, der Boom könnte nun voll auch die Tourengebiete erfassen. Auf einen entsprechenden Hinweis in den ALPEN 10/96 ( S. 44 ), dass J+S von nun an die Ausbildung für Snowboardtouren innerhalb des Faches « Skitouren » fördern will, habe ich mir das angekündigte Merkblatt besorgt, um dort nach einem Hinweis bezüglich der Frage der Spuranlage zu suchen. Im Auszug steht aber lediglich, ohne auf diese Problematik einzugehen: « Steile, direktere Aufstiegslinie ».

Ich befürchte, dass diese Aufforderung nicht genügen wird. Wo sich eine bereits angelegte Skispur anbietet - insbesondere, wenn der Aufstieg durch tiefen Schnee führt - wird man sich kaum daran halten. Ich möchte deshalb die verantwortlichen Ausbildner bei J+S und im SAC mit Nachdruck auffordern, sich beim Tourensnowboarden für die Anlage einer eigenständigen Spur einzusetzen. Das Gelände lässt dies nach meiner Beurteilung in 95 % der Fälle zu. Wenn die Rücksichtnahme auf die Spuren der traditionellen Skigänger nicht gelehrt wird und eine neue Generation im Winteralpinismus heranwächst, die die notwendige Sensibilität gegen- über dem etablierten Skisport nicht aufbringt, dann dürfte es immer öfter zu Konflikten zwischen den zwei Nutzungsformen kommen. Das wäre sicher das letzte, was wir uns in den letzten freien, nicht skitouristisch überbauten Berggebieten noch wünschen würden.

Albert Schmidt, Sissach

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