Trendig: Skitouren und Skitourenrennen In der freien Natur oder auf präparierten Pisten?

Immer mehr Sportler steigen auf Ski aus eigener Kraft einen Berg hoch, bevor sie die Abfahrt geniessen. Fehlt mal der Schnee, scheinen beschneite Pisten das ideale ( Trainings-)Gelände zu sein – nicht zur Freude der Pisten-verantwortlichen und zur eigenen Sicherheit.

Dank dieser Massnahme hat sich die Situation entschärft, aber so ganz glücklich ist der Diavolezza-Direktor noch nicht: « Noch immer gibt es uneinsichtige Leute, die gegen Abend und nachts auf unserem Pistengebiet trainieren und sich dabei gefährden, weil wir zu dieser Zeit oft Lawinen sprengen und Pisten präparieren. » Die Kommunikation mit solchen Sportlern sei schwierig. « Diese Sportler haben oft das Gefühl, sie hätten die Gefahren im Griff. Aber wer sieht in der Nacht schon die Stahlseile, welche die Pistenmaschinen sichern und Lawinen stoppen ?» Der Bergbahnverant-wortliche stellt die Frage mit einem rat-losen Unterton in der Stimme, denn bereits hat es Unfälle gegeben. Auch die teilweise aggressiven Reaktionen der Trainierenden machen den Pistenverant-wortlichen zu schaffen. « Unser Auftrag ist explizit, die Pisten von oben nach unten zu sichern. Ich stelle fest, dass die ausfälligen Leute nicht die gewöhnlichen ‹Skitüreler› sind. Die haben Verständnis für unsere Situation und steigen an den Pistenrändern hoch » – und würden den von den Diavolezza-Bahnen verlangten Obolus von 26 Franken entrichten. Peter Dübendorfer wünscht sich für die Zukunft eine gemeinsame Lösung zusammen mit dem SAC und anderen Bergbahnen. « Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, dass wir eine abgesperrte Aufstiegsspur zur Verfügung stellen, die vom SAC unterhalten wird. » Er hofft auf baldige Gespräche und wünscht die Initiative des SAC. 1

Und wie ist die Situation bei anderen Bergbahnen? In der Lombardei/Italien sei das « Fellen auf Wintersportpisten » von Gesetzes wegen verboten, weiss Dübendorfer. Das sei auch der Grund, dass bis zur Einführung der Diavolezza-Be-nutzungsgebühr die Skialpinisten mit Bussen aus Italien angereist seien. Im bernisch/waadtländischen Gletscherskigebiet Glacier 3000 sind trainierende Skialpinisten und « Skitüreler » ebenfalls anzutreffen – mit den gleichen Problemen, wie der Pistenverantwortliche, Roland Garin, ausführt. « Früher hatte es vor allem aufsteigende Skialpinisten in jenen Jahren, in denen die Patrouille des Glaciers stattfand. Jetzt trainieren immer mehr Leute jeden Winter. Und es werden immer mehr. » Besonders gefährlich sei es, wenn zur Sicherung der Pisten Lawinen manuell ausgelöst würden, so Garin. Nur wenig anders präsentiert sich die Situation im Unterwallis, der eigentlichen Geburtsstätte des Skialpinismus. Betriebsleiter Gilbert Simon von den Bergbahnen Téléverbier SA in Verbier: « Wir haben Hinweistafeln angebracht, dass man die Pisten von 17 Uhr bis 20 Uhr auf eigene Gefahr benutzen darf. » Nachher seien die Pistenmaschinen unterwegs. Leider sei es so, dass sich viele nächtliche Pistennutzer keinen Deut um diesen Hinweis scheren würden. « Wenn man bedenkt, dass die heutigen Pistenmaschinen zur Sicherung an bis zu 1200 m langen Stahlseilen befestigt sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein gravie-render Unfall geschieht. » Gilbert Simon hofft auf das Einsehen der Sportler, aber « ich habe Angst, dass demnächst etwas passiert », gibt er unumwunden zu.

Bereiten Skialpinismustrainings auf den Pisten einige Schwierigkeiten, sind die Skitourenrennen in Wintersportgebieten absolut akzeptiert. Hier arbeiten Bergbahnen und Rennorganisatoren Hand in Hand. Die Rennstrecken sind oft in der Nähe von Pisten und Transportanlagen, das Start- und/oder Zielgelände meist bei Bergbahnstationen. Dies ist sowohl für die Organisatoren als auch für das Publikum von Nutzen und sinnvoll. Die meisten Bergbahnen bieten sogar ermäs-sigte Fahrpreise oder vergünstigte Tageskarten für Begleitpersonen von Skialpi-nismuswettkämpfern an wie die Altiski-Verantwortlichen von Wangs-Pizol: « Die Bergbahnen Pizol AG und wir arbeiten sehr gut zusammen. Dort ist man überzeugt, dass Skialpinismus ein sehr positives Bild von den Bergen vermittelt. Skialpinisten sind für die Pizolbahnen ein attraktives Publikum. » Auch wenn Rennen in der Nähe von präparierten Pisten stattfinden, so sind für Christof Dudli als Rennorganisator die Pisten tabu: « Nur bei äusserst schlechten Wetterverhältnissen würden wir auf der Piste ein Rennen anbieten. Skialpinismus ist ein Sport in der freien Natur und soll es bleiben. » 2 Dieser Philosophie pflichten die Organisatoren vom Unterwallis über das Berner Oberland bis hin ins Tessin alle bei.

Feedback