Übersanieren zerstört das Klettererlebnis in langen Routen

Alle Kletterer, die sich wie ich glücklich schätzen, die meisten Mehrseillängen-Klassiker der Schweizer Alpen im Originalzustand und später als « sanierte » Routen geklettert zu haben, werden nicht zögern, den Erhalt von Klassikern im Originalzustand zu unterstützen. Das intensive Klettererlebnis in einer anspruchsvollen alpinen Kletterroute lässt sich nicht mit dem Durchklettern derselben Route vergleichen, wenn sie nach Plaisirmanier eingebohrt wurde. Meiner Meinung nach verkommt sie damit zu einer Turnübung. Wesentliche Aspekte des Kletterns gehen dabei verloren: die Konzentration auf eine schwierige Einzelstelle und die Wegfindung. Dies bedeutet nicht, dass alte Routen gar nicht saniert werden sollen. An den von den Erstbegehern gesetzten Sicherungen und Standplätzen dürfen meiner Meinung nach Bohrhaken ( allerdings bitte gleich in Inox-Qualität ) ausgetauscht werden, denn es ist sinnvoll, wenn die Haken den Halt nicht bloss vorgaukeln. Ich glaube auch, dass Plaisirrouten ihre Berechtigung haben – wenn es sich um wirklich neue Linien handelt. So ist allen Kletterern freigestellt, die Route mit jener Absicherung zu wählen, die sie auch beherrschen. Zudem: Die plaisirmässige Sanierung lockt klar mehr Seilschaften an. So sind Konflikte mit Naturschützern und Wildhütern vorprogrammiert. Daraus werden Felssperrungen resultieren. Wenn der SAC die Alpen schützen will, sollte er kein Interesse daran haben, dass die Berge und Klettereien immer einfacher erreich- und durchsteigbar werden. Lange Zustiege und Routen mit minimaler Absicherung würden einer übermässigen Frequentierung entgegenwirken – ohne dass neue Gesetze nötig würden. a Stefan Suhner, Kriens

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