Verleihung des SAC-Kulturpreises. Ehrung für Musiker und Choreografin

Ehrung für Musiker und Choreografin

Der vierte Kulturpreis des SAC wurde am 22. November im Schweizerischen Alpinen Museum in Bern verliehen. Zum ersten Mal teilen sich zwei Personen den Preis: Der Musiker Albin Brun erhielt ihn für die Komposition « Pilatus », die Jazz und Folklore miteinander verbindet, während die Bündner Choreografin Erika Engler ihn für ihre langjährige Aufbauarbeit mit der Tanztruppe « Danse Verticale » im Grenzbereich Tanz/Klettern entgegennehmen konnte.

Zum Zeitpunkt, in dem die Stadt Bern beschlossen hat, dem Alpinen Museum die Subventionen zu streichen, zeigte die Verleihung des SAC-Kulturpreises anlässlich der Vernissage zur Ausstellung « Panoramen – Augen reisen », dass die Tage der Kultur noch nicht gezählt sind. Die Besucher fanden nämlich in Scharen den Weg ins Museum,um den beidenAn-lässen vom 22. November beizuwohnen. Der SAC fördert Kultur und alpine Kunst Dieser Zulauf unterstrich nur die Worte von Zentralpräsident Franz Stämpfli, der daran erinnerte, dass der SAC Personen, die sich für die Berge interessieren, nicht nur mit sportlichen Aktivitäten anzieht, sondern auch mit kulturellen und wissenschaftlichen. « In den Statuten hat sich der SAC dazu verpflichtet, kulturelle und künstlerische Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Bergwelt zu fördern – und der SAC hält sich an diese Verpflichtung », meinte Franz Stämpfli mit Blick auf die beiden Ereignisse, die zu feiern waren. « Panoramen – Augen reisen » ist nämlich die 22. Ausstellung alpiner Kunst, die der SAC, diesmal zusammen mit dem Schweizerischen Alpinen Museum, organisierte. Der Kulturpreis seinerseits, der als Anerkennung für bedeutende kulturelle oder wissenschaftliche Leistungen verliehen wird, welche die Bergwelt ganz allgemein zum Thema haben oder von ihr inspiriert worden sind, wurde zum vierten Mal vergeben. Bisherige Preisträger waren der Schriftsteller Emil Zopfi 1993, der Journalist und Fotograf Peter Donatsch 1995 und Dr. Klaus Aerni, Beauftragter für das Inventar der historischen Verkehrswege in der Schweiz im Jahre 1996.

39 hoch stehende Projekte Dieses Jahr stand die Kulturkommission des SAC vor der schwierigen Aufgabe, aus 39 qualitativ hoch stehenden Projekten auswählen zu müssen, welche die ganze Palette des künstlerischen Ausdrucks repräsentierten: Fotografie, Malerei, Literatur, Bildhauerei, Musik, Tanz und Theater. Die überwiegende Mehrheit der Projekte entsprach den

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Die te r S pinnle r Die Verleihung des vierten SAC-Kulturpreises fand im grossen Saal der Schulwarte in Bern vor zahlreichem Publikum statt.

Erika Engler ( l. ) und Albin Brun ( r. ), die mit dem SAC-Kulturpreis Geehrten, in angeregter Diskussion. John Ammann, Mitglied der SAC-Kulturkommission, und Zentralpräsident Franz Stämpfli hören im Hintergrund aufmerksam zu.

Kriterien des Preises: Das Werk muss sich aus der Fülle ähnlicher Produktionen abheben, neuartig und richtungsweisend sein und neue Massstäbe setzen. Die Auswahl war schwierig, so schwierig, dass die Kommission schliesslich beschloss, zwei Projekte zu berücksichtigen, die – auf jeweils ganz unterschiedlicher Ebene – die Jury begeisterten. Bis jetzt war der Preis, der mit 10 000 Franken dotiert ist, noch nie geteilt worden.

Albin Brun, ein Komponist der Avantgarde Indem er den Preis an das Stück Pilatus 1

verleiht, eine Komposition des Luzerner Musikers Albin Brun, streift der SAC das Image eines konservativen Vereins ab. Die ausgezeichnete Komposition, die vom Pilatus, dem Luzerner Hausberg, inspiriert wurde, ist ein gewagtes, ja sogar irritierendes Werk, das eine sehr persönliche Annäherung an die volkstümliche Musik darstellt. Albin Brun erweitert den Jodel, indem er ihn Harmonien und verschiedensten Einflüssen, vor allem des Jazz, öffnet. Alphorn und Handorgel vereinigen sich mit Saxophon, Klavier und Didgeridoo in kleinen Stücken, in denen man glaubt, das Murmeln eines Bergbachs, das Pfeifen des Windes, das Lachen eines Dämons, den Schrei eines Vogels oder das Surren von Insekten zu hören. John Amman, der das Werk vorstellte, meinte, Albin Brun habe ein geniales musikalisches Panorama komponiert, wo die Ohren auf ihre Weise auf Reisen gehen.

Erika Engler, Meisterin des Tanzes in der Senkrechten Die Jury war ebenfalls fasziniert vom Weg der Erika Engler, einer Choreografin aus Landquart, die seit zehn Jahren mit ihrer Tanzgruppe Danse Verticale die Grenzen zwischen Tanz und Klettern auslotet. 2 Erika Engler entdeckte in Frankreich die neue Dimension, welche das « Tanzklettern » der Choreografie eröffnete. Seither hat sie immer wieder mit der Wand gespielt: Die Tänzer zeichnen einen Tango an die Kletterwand, einen Todestanz, imitieren eine Spinne, die ihr Netz webt, drehen sich wie ein Rad oder jagen einander nach, lebhaft wie spru-

1 Albin Brun, Edizione Musicali, 6962 Viganello. LC 0504, Fr. 3O.–. Die CD ist auch beim Komponisten erhältlich: Albin Brun, Bauenstrasse 1, 6010 Kriens, Tel. 041/310 67 94. 2 Vgl. Véra Luck, « Vertikaler Tanz, eine neue Dimension », DIE ALPEN 9/1998

delndes Wildwasser. Ida Bänziger, Mitglied der Kulturkommission, beschrieb die Auftritte der Truppe mit begeisterten Worten: « Auf der Bühne verbinden sich Bewegungen, Beleuchtung, Farbe und Musik zu einer magischen Atmosphäre, die alle Zuschauer in ihren Bann schlägt. »

Preisverleihung in Bern Die Geehrten empfingen den Preis aus der Hand von Zentralpräsident Franz Stämpfli. Ida Bänziger hatte für beide eine Überraschung bereit: An Albin Brun überreichte sie einen Kristall aus dem Kanton Graubünden, während sie Erika Engler eine CD mit dem Stück Pilatus übergab und damit beide dazu einlud, sich vom jeweils anderen Universum inspirieren zu lassen. Vielleicht dient ja tatsächlich einmal die Musik von Albin Brun als Grundlage für einen Danse Verticale, und vielleicht übersetzt einmal der Luzerner Komponist die Schönheiten des Kantons Graubünden in ein Mu-sikstück. a

Aline Wenziker ( ü ) Eine der Kreationen von Erika Engler und ihrer Truppe Danse Verticale – ein atemberaubendes Spektakel Fo to :P et er Don ats ch

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