«Vier-Stern-Klausen» oder die Quadratur des Kreises der «Neuen Hüttenpolitik»

Editoriale

Editorial

« Vier-Stern-Klausen » oder die Quadratur des Kreises der « Neuen Hüttenpolitik »

Der SAC ist nicht nur ein Sportverband, sondern mit seinen 152 allgemein zugänglichen Hütten und Biwaks auch ein Beherber-gungsunternehmen, das sich dem Wandel der Ansprüche nicht entziehen kann. An der Abgeordnetenversammlung vom Juni 1998 wurde über Vorschläge aus einem Grundsatzpapier zur neuen Hüttenpolitik abgestimmt. Diese Vorschläge bilden die Basis des neu zu erarbeitenden Hüttenreglements, das mithelfen soll, die Zukunft der traditionsreichen SAC-Hütten zu sichern.

Veränderte Ansprüche Viele SAC-Hütten wurden in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts errichtet, als die Anforderungen an eine alpine Unterkunft bescheiden waren: Ein Dach über dem Kopf, eine warme Suppe vom Holzherd und eine Strohpritsche waren die Regel. Die Ansprüche der meisten heutigen Alpinisten sind um einiges höher. Zwar sind für viele Mitglieder die SAC-Hüt-ten immer noch ein Symbol für eine einfache Gebirgsunterkunft mitten in wilden Berglandschaften, doch nur wenige möchten nach dem schweisstreibenden Aufstieg zur Hütte auf ein kühles Bier, auf eine ausgiebige Mahlzeit mit frischem Salat verzichten. Eine geräumige Waschgelegenheit darf nicht fehlen, und mit einem übelriechenden Plumps-Klo kann sich heute niemand mehr anfreunden. Diese Tendenz zu minimalen Kom-fortansprüchen zeigt sich auch bei SAC-Mitgliedern, enthalten doch die Clubnachrichten der Sektionen häufig Berichte von wunderbaren Skitourenwochen mit Unterkunft in gepflegten Hotels. Im Kurs- und Tourenprogramm des Zentralverbands sind die mit Unterkunft in SAC-Hütten durchgeführten Kurse heute in der Minderzahl.

Das neu zu erarbeitende Hüttenreglement soll mithelfen, die Zukunft der traditionsreichen SAC-Hütten Öffnung der Kostenschere Diese Entwicklung und die gleichzeitig herrschende wirtschaftliche Rezession führten dazu, dass die Übernachtungszahlen in den SAC-Hütten stagnierten oder sogar leicht zurückgingen. Damit sanken auch die aus den Übernachtungstaxen stammenden Abgaben an den Hüttenfonds des Zentralverbands. Das zunehmende Alter der Hütten, die für heutige Bedürfnisse ungenügende Infrastruktur sowie gesetzliche Vorschriften erfordern für viele Hütten umfassende Renovationen mit beträchtlicher Ko-stenfolge. Ohne die nötigsten Erneuerungen der Schlafräume, ohne Modernisierung der Küchen, der Waschräume und der Toiletten verlieren die SAC-Hütten ihre Gäste - und die Sektionen und der Zentralverband das für die Erneuerungen notwendige Geld.

zu sichern. Im Bild die kürzlich renovierte Baltschiederklause Formulierung einer neuen Hüttenpolitik Aus diesen Gründen erarbeitete eine vom Zentralvorstand beauftragte Arbeitsgruppe Vorschläge zu einer neuen Hüttenpolitik. Ein Grundsatzpapier wurde, nach der Vernehmlassung in den Sektionen, an der Abgeordnetenversammlung im Juni 1998 diskutiert und mehrheitlich angenommen. Die Arbeitsgruppe erarbeitet nun ein auf den genehmigten Vorschlägen des Grundsatzpapiers abgestütztes neues Hüttenreglement. Dabei werden sich die zum Teil gegensätzlichen Meinungen und Bedürfnisse nicht alle unter einen Hut bringen lassen. Das neue Hüttenreglement wird sich nicht revolutionär vom alten unterscheiden, wird aber doch einige wesentliche neue Aspekte enthalten.

Entwurf des neuen Hüttenreglements Für die Hütten sind weiterhin primär die Sektionen verantwortlich. In Fragen des Marketings, der Wer- Editorial

Leserbriefe

e a a bung und der Bewartungsverträge wird sich aber ein gewisser Zentralismus zugunsten einer erhöhten Transparenz nicht umgehen lassen. Um die Hütten für die Mehrzahl der heutigen Gäste attraktiver zu gestalten und sie auch langfristig erhalten zu können, wird der SAC in naher Zukunft mehr Geld aufwenden müssen. Damit die für den Unterhalt und die Umbauten übliche Subvention von 40% an die Sektionen beibehalten werden kann, sollen die Abgaben aus den Übernachtungstaxen an den Zentralverband angehoben werden. Dies wird zu einer leichten Erhöhung der Übernachtungstaxen führen müssen, damit die Hüttenbudgets der Sektionen ausgeglichen bleiben. Ausserdem sollen die Sektionen mit dem Hüttenwart einen nach einheitlichen Kriterien abgefassten Bewartungsvertrag abschliessen, der für gut besuchte Hütten mit hohen Übernachtungszahlen oder mit vielen Tagesgästen eine Abgabe aus dem Restaurationsbetrieb einschliesst. Diese Abgabe soll zum grössten Teil der Sektion, zu einem kleinen Teil der Zentralkasse zukommen. Ergänzt werden sollen diese auf dem Verursacherprinzip beruhenden Abgaben durch jährliche Solidaritätsbeiträge der Mitglieder, wobei Sektionen, die keine Hütten besitzen, einen höheren Beitrag leisten.

Für die Verbesserung der Bewartung sollen die Anforderungen an die Hüttenwarte klar definiert und für deren Aus- und Weiterbildung vermehrt Kurse angeboten werden. Die Hütten sollen je nach Lage und Ausstattung in verschiedene Betriebsmodelle eingeteilt werden, um sowohl für die Gäste als auch für die Hüttenwarte klare Verhältnisse zu schaffen.

Alle diese Massnahmen werden sich mit dem neuen Hüttenreglement nicht von heute auf morgen verwirklichen lassen. Das neue Hüttenreglement, das Stoff für Diskussionen liefern wird, bewirkt, dass der SAC der Zukunft seiner traditionsreichen Hütten zuversichtlicher entgegensehen kann.

Für die Arbeitsgruppe « Neue Hüttenpolitik » Thomas Tschopp, Ressort Natur/ Infrastruktur im ZV

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