Vom Langlauf inspiriert

Die Stöcke sind für Skitourenfahrer, was die Flossen für die Taucher. Modelle mit Teleskopstangen sind zwar sehr praktisch, aber nicht ideal. Wettkämpfer setzen auf ­­modifizierte Langlaufstöcke.

Gibt es den perfekten Skitourenstock? Das Modell, das einem sofort vorschwebt, hat oben einen Griff und weiter unten am Stock eine weitere Greifzone, zwei oder gar drei Teleskopstangen sowie einen Teller, der gross genug ist für weichen Schnee. Teleskopstöcke haben zweifellos ihre Vorteile: Sie lassen sich während der Tour verstellen und finden im Rucksack Platz, wenn man sie nicht braucht – besonders für Snowboarder ein Plus. Doch sind sie auch gleich gut wie feste Stöcke aus einem Stück? «Nein», meint Bruno Hasler, Bergführer und zuständig für die Ausbildung im SAC, der lieber einen Stock in einem Stück hat: «Ein Skistock mit drei Elementen ist schwerer und auf jeden Fall weniger solid. Ein guter Stock muss so einfach wie möglich sein und etwas aushalten.» Er weist auf ein nicht zu verachtendes Risiko eines Teleskopstocks hin: «Man stelle sich die Konsequenzen vor, wenn sich ein solcher Stock an einer heiklen Stelle zusammenschiebt!»

Leicht, steif, fest

Muss man den idealen Stock also in der Abteilung «Langlauf» suchen? Fast. Mit seinem Griff aus Kork, dem eigentlichen Stock aus Carbon und seinem nach hinten geneigten, körbchenartigen Teller, der sich besser in den Schnee gräbt, hat sich der Langlaufstock bei den Skialpinismus-Wettkämpfern weitgehend durchgesetzt.

Yannick Ecoeur, Mitglied des Swiss Team des SAC, sieht darin einen Kompromiss zwischen Leichtigkeit, Steifigkeit und Festigkeit. «Im Wettkampf muss ein Stock optimal funktionieren und in der Abfahrt etwas aushalten», erklärt er. Für eine Skitour montiert er einfach einen für weichen Schnee geeigneten Teller. «Man denke daran, ein Ersatzteil mitzunehmen, für den Fall der Fälle», ergänzt Ueli Mosimann, Bergführer und Mitglied der Expertengruppe Sicherheit in Bergsportarten.

Gefährliche Schlaufen

Was den Griff angeht: Eine Griffzone unterhalb des Griffs ermöglicht das Greifen des Stocks in steilen Hängen, ohne dass man sich am Metall die Finger abfriert. «Die Griffzonen, die von den Herstellern angeboten werden, sind meistens zu kurz», bedauert Bruno Hasler. Er empfiehlt, diesen Nachteil mit Lenkerband (für die Umwicklung von Rennvelolenkern) zu beheben.

Bleibt die Schlaufe – ein entscheidender Teil für die Wettkämpfer, die sie einsetzen, um sich nach vorne abzustos­sen. Für Ueli Mosimann und Bruno Hasler ist sie auf einer Skitour überflüssig, denn da dienen die Stöcke hauptsächlich dem Gleichgewicht. Aus­serdem kann sie gefährlich werden, wie die beiden Bergführer meinen: «Wenn der Skifahrer nicht aus den Schlaufen kommt, können die Stöcke bei einem Sturz Verletzungen verursachen oder den Skifahrer in einer Lawine nach unten ziehen.»

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