Von « Aletsch » über « Jungfrau – Aletsch – Bietschhorn » zu « Schweizer Alpen Jungfrau–Aletsch»

Walter Däpp (ALPEN 4/2010) stellt vieles richtig dar, allerdings nicht die Ursprünge des zweiten UNESCO-Flächenwelterbes der Alpen. Die Idee zum Eintrag in die Welterbeliste entstand im Rahmen des «Man and Biosphere»-Programms in den 1970er-Jahren. Federführend waren damals Bruno Messerli von der Universität Bern und Raymond-Pierre Lebeau seitens der Bundesverwaltung. Geplant war, das Aletschgebiet vorzuschlagen. Das Interesse der Walliser Vertreter war nicht genügend gross, und für die Berner war es auch kein Thema. Ich übernahm im BUWAL das Dossier 1995, und wir lancierten die Diskussion mit dem KantonWallis neu. Die Gespräche verliefen eher schleppend. Unser Vorschlag, das Bietschhorngebiet einzubeziehen, war ­obsolet. An die Nordseite war so nicht zu denken. Als dann Andrea Cova mit seiner Idee des «Jungfrau-World-Monument» – und nicht des UNESCO-Welterbes – kam, war das die Gelegenheit, die Diskussion über einen Einbezug der Nordseite zu führen. An einer Sitzung mit einer Reihe von Gemeindepräsidenten sowie Tourismusvertretern wurde über das UNESCO-Welterbe und den Einbezug der Nordseite des bestehenden BLN-Objekts diskutiert. Als klar wurde, dass innerhalb nützlicher Frist allenfalls eine Erweiterung um die Nordflanke vomMättenberg bis zum Gspaltenhorn in­frage käme, schwenkte Andrea Cova voll auf das UNESCO-Projekt. Auf der Walliser Seite brauchte es noch Diskus­ sionen, Zeit und auch sanften Druck seitens des Bundes. Nachdem der Kanton Bern einemAntrag zur Aufnahme in die Welterbeliste zustimmte, wurde aus dem Projektnamen «Aletschgebiet» nun «Jungfrau-Aletsch». Völlig überraschend hat dann der KantonWallis, als er endlich so weit war, beantragt, auch das Bietschhorngebiet einzubeziehen, womit das Projekt zu Jungfrau – Aletsch – Bietschhorn wurde. Mit der Aufnahme in die Welterbeliste 2001 ging die Diskussion über den Perimeter erst richtig los, was letztlich zu einer Erweiterung des Gebiets imOsten und imWesten führte, verbunden mit einer in meinen Augen sinnlosen Namensänderung.

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