Waibel, Max: Walser Weisheiten. Sprichwörter und Redensarten

Verlag Huber & Co., Frauenfeld 1998, Fr. 36. Der wichtigste identitätsbildende Faktor der Walser ist ihre Sprache. Nicht nur das Wissen über Siedlungs-und Hausbautechniken, Viehzucht und Ackerbau und das Überleben im Gebirge wurde mündlich von Generation zu Generation weitergegeben, auch die Geschichten, die der Neni am Sonntag auf der Ofenbank erzählte, gehören zu den mündlichen Überlieferungen. Gegen tausend Sprichwörter, Redensarten, Weisheiten und Sprüche der Walser aus der Schweiz, Italien, Liechtenstein und Vorarlberg hat Max Waibel gesammelt. Das Buch zeigt eindrücklich, dass es für viele grosse Weisheiten keine umfangreichen Romane braucht: « Kes lotz Schwein het nji areit khes woarmsch », sagen die Leute aus dem italienischen Walserdorf Macugnaga: Kein langsames Schwein erreichte je eine warme Tranksame. Walser Weisheiten sind bodenständig, schollenverbunden, praxisorien-tiert. Ewig Wichtiges wurde in die Sprache der Bauern gepackt, diese Gleichnisse haben sehr oft Bilder aus der Natur zum Inhalt.

Für Walserfreunde interessant sind natürlich auch die Unterschiede im Dialekt. Vieles ist leicht verständlich, bei den Sprüchen aus Issime im Lystal, einem Seitental des Aostatals in Italien, ist man aber über die schriftdeutsche Übersetzung froh: « Is varfoat mia ehennun den heen » bedeutet: Es ist besser zu sein, als zu haben.

Max Waibel gibt die Walser Weisheiten zuerst im Dialekt des jeweiligen Ortes, dann in der deutschen Schriftsprache wieder. Es ist eine vergnügliche und lehrreiche Lektüre: « War lang huaschtat, würd olt » ( Wer lange hustet, wird alt ).

Peter Donatsch, Maienfeld

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