Wege zum Pik Stalin. Sowjetische Alpinisten, 1928–1953

Chronos Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-0340-0977-5. Fr. 78.–

Es mag kaum einen Gipfel geben, dessen Name von so viel politischer Geschichte geprägt ist wie dieser. Eva Maurer nimmt den Pik Stalin zum Anlass, ein Fundament zu legen: die erste verlässliche, die erste wissenschaftliche Gesamtschau des sowjetischen Alpinismus unter Stalins Herrschaft. Wahrlich, das Buch bringt Licht ins Dunkel. Bislang gab es kein vergleichbares Werk, nicht einmal in russischer Sprache. Maurer legt dar, dass der Aufschwung, den das Bergsteigen in der Sowjetunion erfuhr, weniger die Folge staatlicher Anordnung war als der Verdienst einiger weniger engagierter Bergsteiger, die ihre Positionen in gehobenen Stellungen nutzten, um eine Basis für den Sport zu schaffen – als « Akteure in eigener Sache ». Für die Bergsteiger war es wohl stets ein Spiel mit vielen Für und Wider. Ihr Sport gab ihnen Freiheiten, die sonst nur wenigen vorbehalten waren. Er verlangte aber auch oft genug Unterwerfung unter das Monopol des Staates. Die Entwicklung zum Massensport mit den grossen Alplagern und den « Alpiniaden » genannten Wettkämpfen ist in « Wege zum Pik Stalin » neben vielem anderem genauso nachgezeichnet wie der alpine Spitzensport, der jedoch nie die Beachtung fand, die sich die Bergsteiger gewünscht hatten. Sicher, oft merkt man dem Buch an, dass es aus einer Dissertation entstanden ist. Auch die Detailfülle mag hin und wieder erschlagend sein. Etwas mehr Bilder hätten dem Buch gutgetan, genauso wie ein Ausblick auf die Jahre nach 1960. Für allerhand Unterhaltsames und vor allem Groteskes ist in den « Wegen zum Pik Stalin » aber dennoch immer wieder gesorgt.

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