Weihnachten auf dem Titlis

An Weihnachten 1866 wollen zwei junge Schweizer Naturforscher, die sich Anfang der 1860er-Jahre an der ETH kennengelernt haben, auf besondere Art feiern: der gebürtige Sachse Armin Baltzer (1842–1913), ab 1869 Professor für Chemie, Mineralogie und Geologie in Zürich (einer seiner bekanntesten Schüler war Albert Heim), ab 1884 Ordinarius für Mineralogie und Geologie an der Uni Bern, sowie Jules Piccard (1840–1933) aus Lausanne, ab 1868 Professor für Chemie an der Universität Basel – und Urgrossvater des Ballonweltfliegers Bertrand Piccard. Um zehn Uhr abends wandern sie in Engelberg (1000 m) los. «Der Mond war ihr Begleiter, Leodegar Feierabend ihr Führer», schreibt Eduard Osenbrüggen im vierten Band seiner Wanderstudien aus der Schweiz (1874). «Ohne Unfall wurde die stille Nacht durchwandert und das Ziel erreicht, wo die Umschau entzückend war.» Beim Abstieg vom Titlis (3238 m) stützen sich die drei Alpinisten auf die Alpenstöcke und rutschen die Schneehänge hinab. Einziges Problem: Die Sennhütte auf Ober Trüebsee, wo sie kurz rasten wollen, ist im Schnee vergraben. So klettern sie kurzerhand durchs Dach ein. Die Wintererstbesteigung des Titlis am 25. Dezember 1866 war zugleich die erste eines hohen Alpengipfels.

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