Wer zu spät kommt, den straft die Lawine

Bei Frühlingsverhältnissen ändert sich die Lawinen­gefahr im Tagesverlauf. Dann heisst es: zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Doch wann und wo ist das?

Tragfähig gefroren im Aufstieg, leicht angesulzt auf der Abfahrt: ein purer Genuss. Kurz darauf bricht man mit den Ski in die nasse Schneedecke ein. Auf einen Schlag wird es mühsam und gefährlich. Bei Frühlingsverhältnissen ändern die Verhältnisse schnell. Im Lawinenbulletin werden dann zwei Gefahrenkarten publiziert, eine für den frühen Morgen, die zweite für den Nachmittag: Die Gefahr von Nassschneelawinen unterliegt einem Tagesgang.

Schmelzwasser entsteht an der Schneeoberfläche und dringt von dort in die Schneedecke ein, je mehr Wasser entsteht und je wärmer (also näher bei 0 °C) die Schneedecke bereits ist, desto tiefer dringt es ein. Kritisch ist die erste tiefe Durchfeuchtung der Schneedecke, ganz besonders wenn die Schneedecke schwach aufgebaut ist, also weiche Schichten aus groben, kantigen Kristallen enthält.

Die Bedingungen «warme Schneedecke» und «vorher noch nie nass» sind an einem bestimmten Tag nur in gewissen Höhen und Expositionen gegeben. Diese werden im Lawinenbulletin jeweils so genau wie möglich beschrieben. Normalerweise trifft es bei schönem Wetter zuerst tiefere, im Verlauf des Frühlings dann immer höher gelegene Sonnenhänge. Die Nordhänge folgen etwas später im Jahr, und dies oft bei eher bewölktem Himmel, weil dann die Wolken die Wärmeabstrahlung reduzieren.

Bei Frühlingsverhältnissen ist die Zeitplanung wichtiger als ein paar Grad Hangneigung. Als Faustregel für günstige Verhältnisse gilt eine tragfähig gefrorene Schneeoberfläche.

{f:if(condition: label, then: label, else: header} Tipps und Tricks für sichere Frühlingstouren

• Am frühen Morgen sind die Verhältnisse nur günstig, wenn es genügend kalt war. Noch wichtiger ist, dass der Himmel klar war. In klaren Nächten strahlt die Schneeoberfläche nämlich Wärme ab und gefriert tragfähig bis etwa 1300 Meter 
unter die im Wetterbericht angegebene Nullgradgrenze der Luft.

• Mit der tageszeitlichen Erwärmung und der Sonneneinstrahlung taut die Kruste auf, und die Gefahr von nassen Lawinen steigt an. An Nordosthängen 
kann das schon am Morgen sein, an hoch gelegenen Westhängen gibt es mehr Spielraum. Wichtig ist, unterwegs die Verhältnisse zu beobachten: Einsinken 
in den Nassschnee gilt als Gefahrenzeichen.

• Manchmal muss man in der Höhe in steinhartem Schnee losfahren, 
damit es weiter unten nicht schon zu spät ist. Vorsicht vor grossen 
Spontanlawinen bei Hüttenaufstiegen.

• Mit aufziehendem Schatten ist die Gefahr noch nicht gebannt. Erst eine gut gefrorene Schneeoberfläche bedeutet Entwarnung.

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