Wettkampf auf entspannte Art Augenschein am Climbmania-Contest

Auch Hobbykletterer lieben es, sich zu messen. In der ­Westschweiz zum Beispiel im Rahmen der Climb­mania-Serie. Wichtig ist nur, dass diese mehr Spiel als Ernst bietet.

Bussigny, 17 Uhr, an einem Samstag im Herbst. In der Boulderhalle Le Cube packt Xavier zwei Griffe und kämpft sich durch ein Problem an der überhängenden Wand. Nach ein paar Zügen muss er das Handtuch werfen, trotz den Ermunterungsrufen seiner Kollegen. «Ich habe keine Kraft mehr», erklärt er atemlos und lässt sich auf den Teppich am Boden sinken. Wie auch für all die anderen Kletterer in der Halle gibt es für ihn nur ein Ziel: die grösstmögliche Anzahl von Problemen zu knacken, um das Finale des Climbmania-Wettkampfs zu erreichen. Eine Stunde vor Ende der Qualifikation ­mobilisieren viele noch einmal ihre Kräfte, um letzte Versuche zu wagen. Aber nach zwei Kletterstunden macht sich die Müdigkeit deutlich bemerkbar. Andere wiederum lehnen an der Bar. Die einen, weil sie sich ihrer Finalqualifizierung sicher sind, die anderen, weil sie glauben, der Zug sei für sie abgefahren. In beiden Fällen herrscht eine heitere Stimmung. Weder Enttäuschung noch Anspannung ist in den Gesichtern zu lesen.

Auch für Anfänger

Es ist fast 17.30 Uhr, als die Organisatoren beginnen, die Finalrouten ein­zurichten. Zwischen zwei Griffen hält Arthur Veenhuys inne, um sich über die lockere Wettkampfatmosphäre in der Halle zu freuen. Genau um dieses spielerisch Leichte ging es ihm, als er und sein Kollege Thibaut Mauron 2012 Climbmania ins Leben riefen. «Unsere Philosophie ist es, sich von der elitären Wettkampfatmosphäre wegzubewegen, eine gute Zeit zu verbringen und zusammen zu feiern», erklärt der gebürtige Freiburger. «Sogar Anfänger können teilnehmen», versichert er. Insgesamt haben sich mehr als 160 Personen für die diesjährigen Serie gemeldet. Die meisten Teilnehmer sind so entspannt unterwegs wie Xavier: «Wenn man an den Climbmania-Wettkämpfen teilnimmt, geht es zwar um die persönliche Herausforderung, aber auf eine sympathische Weise. Du triffst Leute, kletterst und hast Spass», sagt er. Die wettkampferprobte Mallika bestätigt: «Der Anlass hier ist wirklich toll. Es herrscht nicht so ein Druck wie bei den Swiss-Cups.»

2016 umfasst die Climbmania-Serie neun Contests. Die lokalen Organisatoren profitieren von der zentralen Struktur, was die Durchführung und die Klassifizierungen erleichtert. Aus­serdem werden so auch Terminüberschneidungen mit anderen regionalen Wettkämpfen vermieden.

Alles geben in drei Minuten

Lukas, der Wettkampfleiter, kündigt den Beginn der Finaldurchgänge um 18 Uhr an. Das Publikum versammelt sich vor einer überhängenden Wand, alles ist bereit für das Spektakel. Wie im Kino gehört Popcorn dazu. Die Finalisten bereiten sich in einer separaten Zone vor. Die einen machen Aufwärmübungen, andere diskutieren oder reissen Witze. Einer nach dem anderen wird aufgerufen, um sich am finalen Problem zu versuchen. Funkmusik schallt vom DJ-Pult herüber, und die Kletterer beginnen mit ihrer Show. Es geht darum, in drei Minuten alles zu geben, um möglichst hoch zu kommen. Die Zuschauer rufen, ermutigen und kommentieren: «Warum hat sie den Griff nicht andersrum angefasst?», echauffiert sich einer unter ihnen, als er sieht, wie eine Teilnehmerin sich abquält. Andere wiederum schliessen vergnügt Wetten auf den potenziellen Gewinner in der Männerkategorie ab.

Gute Werbung für die Halle

Es ist beinahe 19 Uhr, als sich die Finalrunden dem Ende zuneigen. Die Preisverleihung folgt sogleich. Bei den Männern hat Xavier den neunten Platz erreicht. Mallika ihrerseits holte sich den dritten Platz bei den Frauen. «Ich bin nicht enttäuscht, dass ich nicht auf den ersten Platz gekommen bin», versichert sie, «das war zu erwarten, da die Gewinnerin wirklich stark ist.» Hinter der Bar verpflegt Laurent Grandjean, einer der drei Betreiber des Cube, Sportler und Zuschauer mit Getränken. Er hält kurz inne und zieht kurz Bilanz. Mit der stattlichen Anzahl von 161 Teilnehmern lohnten sich für ihn und seine Kollegen die vier Tage Vorbereitungszeit. «Diese Art von Veranstaltungen ist ein wunderbares Aushängeschild für uns. Es kommen nicht nur unsere Stammgäste, sondern auch Leute, die unsere Halle bisher kaum oder gar nicht gekannt haben. Sie entdecken den Ort in bester Stimmung.» Eine Stimmung, die sich noch weit in den Abend hineinzog, an der Bar oder beim Bouldern.

Wettkämpfe für Hobbykletterer im 2016

Climbmania

24.09. | B | Gland, Totem

08.10. | L | Sottens, Gecko escalade

05.11. | B | Bussigny, Le Cube

12.11. | L | Bulle, Laniac

19.11. | L | Genf, Queue d'Arve

26.11. | B | Chavornay, Escalade Chavornay

17.12. | B | Saxon, Vertic-Halle

www.climbmania.ch

Bäre Cup

29.10. | L | Langnau, Climbox

19./20.11. | B | Meiringen, Kletterhalle

27.11. | B | Adelboden, Freizeit-/Sportarena

10.12. | L | Sumiswald, Forum

http://sac-regionalzentrum-bern.ch

Kids-Boulder Berner Oberland (6–10 Jahre)

20.11. | B | Meiringen, Kletterhalle

27.11. | B | Adelboden, Sportarena

http://rzklettern-berneroberland.ch

Zürcher Klettermeisterschaften

27.09. | S | Zürich, Züspa

12.11. | B | Zürich, Minimum

26.11. | L | Winterthur, 6aplus

10.12. | B | Bassersdorf, Grindelboulder

www.regionalzentrum.ch

Regiocup Nordwestschweiz

10.09. | B | Pratteln, B2 www.rzsk-nws.ch

Rheintal Cup

03.12. | L | Dornbirn (A) | Finale

www.k1-dornbirn.at

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