Winterferien in den Nordwänden

Winterferien in den Nordwänden

Jri Smid vollbringt originelles « Nordwand-Enchaînement »

Unbeachtet von der Öffentlichkeit, still und bescheiden, wie es seine Art ist, verwirklichte sich der bekannte Alpinist Jri ( Georg ) Smid, der aus der früheren Tschechoslowakei stammt und in Niederdorf ( BL ) wohnt, im März 1996 einen alten Traum: Er reihte die Besteigung der drei grossen Alpen-Nordwände Eiger, Matterhorn und Grandes Jorasses aneinander und verzichtete dabei beinahe durchwegs auf die Verwendung von nicht mit Menschenkraft betriebenen Fortbewegungsmitteln für die Anmarsch-und Verbindungswege.

Auf das Konto von Jri Smid gehen zahlreiche, meist nicht nachgeahmte Erstbegehungen in verschiedenen Nordwänden der Alpen. Seine Winterferien und seine Geburtstagsfeier pflegt der 48 Jahre alte Bergsteiger jeweils in diesen ungastlichen Wänden zu verbringen. Seine vorletzte Tat war die erste Winterdirettissima vom 1.18. März 1993 von Stechelberg über den zuvor noch nie über seine direkte Nordkante begangenen « Mönchspüffel » am Schwarzmönch; von dort stieg Smid mit seinen Begleitern Tomas Bradac und Peter Stepan weiter zum Gipfel der Jungfrau.

Erfolg trotz miserablen Verhältnissen Seine « Grosse Alpentraversierung » vom 8.März bis zum I. April 1996 ging Smid wie folgt an: An seinem Geburtstag, dem 8. März 1996, steigt Jri Smid um 2 Uhr morgens mit Peter Speck ( Tschechien ) in die Eigerwand ein. Dort sind die Verhältnisse « nicht besonders gut », d.h. miserabel! Nach zwei Biwaks erreichen die beiden am 1O. März den Eigergipfel und im Laufe des Tages durch tiefen Schnee via Mönch das Jungfraujoch. Hier hält ein Helfer, der auch für den Strassentransport der Fahrräder und eines Teils des Materials besorgt ist, die Ski bereit, mit denen die beiden Alpinisten noch am gleichen Tag bis Blatten gelangen. Geschlafen wird im Zelt, und weiter geht es per Velo nach Zer- Auf dem Gipfelgrat des Eigers nach Durchsteigung der Nordwand matt. Am 16. März erreichen sie die Hörnlihütte und steigen am folgenden Morgen in die Nordwand des Matterhorns ein. Auch hier sind die Verhältnisse sehr schlecht. Nach zwei Biwaks werden Smid und Speck von unaufhörlich niedergehenden Trieb-schneelawinen gezwungen, die Wand auf der Höhe der Solvay-Hütte zu verlassen und auf der Normairoute zum Gipfel aufzusteigen.

« Strafrunde » auf dem Velo Nach der Rückkehr zur Hörnlihütte geht es mit den dort deponierten Ski hinunter nach Cervinia ( Italien ) und, nun wieder auf dem Fahrrad, weiter nach Chamonix. Den Montblanc-Tun-nel dürfen die Alpinisten allerdings nicht mit dem Velo hinter sich bringen, und so muss hier leider doch noch das Auto benützt werden. Als « Strafe » wird in Chamonix die entsprechende « Zusatzrunde » auf dem Rad absolviert, und anstelle von Peter, der nach Hause muss, begleitet Tomas Bradac Smid am 22. März zur Leschaux-Hütte.

Hier treffen die beiden auf ein bestens ausgerüstetes und betreutes amerikanisches Zweierteam, das die genau gleiche Tour im umgekehrten Sinn zu verwirklichen beabsichtigt. Smid und Bradac müssen zuerst einmal eine Spur durch den hüfthohen Neuschnee zum Wandfuss der Grandes Jorasses stapfen, bevor sie am 24. März einen Versuch über das sogenannte « Petit linceul » ( Kleine Leichentuch ) starten. Die Verhältnisse sind jedoch derart schlecht, dass der Versuch abgebrochen werden muss. Tomas hat genug vom tiefen Neuschnee, steigt nach Chamonix ab und fährt nach Hause. Auch die Amerikaner geben auf.

Die Nordwände sind « so scheen » Am 25. März versucht es Smid mit einer tschechischen Seilschaft noch einmal, dieses Mal über den Walkerpfeiler, doch auch dieser Versuch scheitert. Die Wettervorhersagen lassen nur noch für die zwei letzten Märztage hoffen, und Smid sieht die Verwirklichung seines Traums entschwinden, bleibt er doch ohne Partner in der Leschaux-Hütte zurück. Er

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