Zur Geschichte des Kreuzklemmknotens

Der Kreuzklemmknoten zählt zu den einfachsten Bergsteigerkno-ten, aber seine Geschichte ist etwas verwickelt. Nachstehend wird erstmals darüber berichtet.

Abb. 1 1 Prusik, Karl: Der Knoten Gérards und der Wellenschlick, in: Österreichische Alpenzeitung, Mai 1932, S.156 bis 157 2 Bilgeri, Georg: Zu den Neuerungen auf dem Gebiete der Seiltechnik, in: DIE ALPEN, November 1932, S.281 bis 286 3 Eidenschink, Otto: Richtiges Bergsteigen. München 1951, S. 46 bis 47 Abb.1 bis 3 Bilgeris Kreuzknoten Abb. 2 Knotens waren in seiner Abhandlung dargestellt ( vgl. Abb.1 bis 3 ). Zwei dieser Formen sind im heutigen Alpinismus in Gebrauch - die dritte hatte aus Herstellungs- und Funktionsgrün-den weniger praktischen Wert -, und aus « Kreuzknoten » wurde, wohl um Verwechslungen mit dem gleichnamigen Verbindungsknoten auszuschliessen, « Kreuzklemmknoten » ( vgl. Abb. 4 und 5 ).

Eidenschinks « Klemmknoten » Otto Eidenschink aus Uffing am Staffelsee erwähnte den Kreuzklemmknoten im Text seines Lehrbuches von 19513 im Unterschied zu den oben genannten Quellen unter der Bezeichnung « Klemmknoten », was auf eine andere Herkunft hinweisen Abb. 4 und 5 Der heutige Kreuzklemmknoten Abb. 3 könnte. Da er den Knoten während des Zweiten Weltkriegs an der Hee-reshochgebirgsschule Fulpmes kennengelernt hatte,. " " .4 ist ein Zusammenhang mit der militärischen Adjustie-rung ( Uniform ) vorstellbar. Die deutsche Wehrmacht kannte nämlich eine Art, das Portepee - ein Band mit Quaste - um den Griff der Seitenwaf-fe ( Degen, Säbel oder Dolch ) zu schlingen, die dem Kreuzklemmknoten entspricht. Anders als Bilgeri, der drei Ausführungsformen des Knotens Abb. 5 unterschieden hatte, spricht Eiden-schink4von zweierlei Belastungsrich-tungen ( vgl. Abb. 6 und 7 ). Ob eine oder beide verwendet wurden, ist ihm entfallen.

Amerikanische Entwicklungen Anfang der fünfziger Jahre begann die Klemmknotentechnik, in amerikanischen Höhlenforscherkrei-sen verwendet zu werden und den traditionellen Gebrauch von Draht-seilleitern in Schachthöhlen zu verdrängen. Die Länge der Anstiege verlangte möglichst leicht verschiebbare Klemmknoten. Auf der Suche nach Alternativen zum Prusikknoten fand Chet Hedden5 eine einfache Lösung, für die sich in den USA die Bezeichnung « Hedden knot » eingebürgert hat ( vgl. Abb. 8 ). Dieser Knoten war nicht neu, sondern eine der beiden Versionen des Kreuzklemmknotens. Die andere, von Hedden schon damals verworfene - bei späteren Autoren « upside-down Hedden knot » oder « Headon knot » genannt -, lehnt er auch heute noch aus Sicherheitsgründen ab.6 Abb.6 und 7 Eidenschinks Klemmknoten Englische Namen des Kreuzklemmknotens Bill March7, einer der bekanntesten Lehrbuchautoren des englischen Sprachraums, nannte eine Form des Kreuzklemmknotens « Klemheist knot » und die andere « Kreuzklem » ( vgl. Abb. 9 und 10 ). Viele Autoren haben diese rätselhaften Bezeichnungen übernommen. Teilweise wurde die Vermutung geäussert, « Kreuzklem » von « cross clamp » und « Klemheist » von « clamp hoist » ableiten zu können. In Wahrheit wurden diese Knotennamen nach Auskunft von Mi-litärexperten aus Grossbritannien Abb. 8 Hedden knot Abb. 7 " Ders.: Persönliche Mitteilung 5 Hedden, Chet: A New Climbing Knot, in: COG Squeaks, November 1959, S. 3 6 Ders.: Persönliche Mitteilung 7 March, Bill: Modern Rope Techniques in Mountaineering. Manchester 1976, S. 38 bis 41 Alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen Abb. 10 Kreuzklem und Deutschland von britischen Soldaten nach einem Erfahrungsaustausch mit der deutschen Gebirgstruppe in den bayerischen Alpen auf die Insel gebracht, wobei es auf Grund von Sprachproblemen Verständigungsschwierigkeiten gegeben hatte. Die Entwicklung war nicht abgeschlossen. In den USA wurde aus « Klemheist » « Kleimheist»8 und « Kleimhiest»9. « Kliemhiest » wird wohl auch noch kommen.

Frankreich Serge Machard, ein junger Bergsteiger aus Marseille, publizierte 1962 im Bulletin der Section de Provence des CAF einen « noeud-spirale » ( vgl. Abb.11 ). Da der Knoten streng- genommen eher die Form einer Schraube als die einer Spirale aufweist, wurde von der Redaktion der Name « noeud Machard » vorgeschla-gen.10 Der Knoten war nicht neu, er ist ein Seemannsknoten, und so wie Bilgeri mag auch Machard von der Lage seines Wohnortes auf der Landkarte profitiert haben. In einem späteren Entwicklungsstadium wurde auch eine karabinerlose Variante des « nœud Machard » zum « nœud Machard » erklärt ( vgl. Abb.12 ). Widerstände gegen diese Bezeichnung führten zu einer Umbenennung in « nœud français ». "

Abb. 12 Noeud Machard, umbenannt in nœud français So wie der « Hedden knot » ist auch der « nœud français » eine Ausführungsform des Kreuzklemmknotens, die schon Bilgeri in seiner Publikation von 1932 in DIE ALPEN dargestellt hatte. Das einzige Neue an diesem Knoten war die Behauptung, in der Belastungsrichtung Heddens nicht zu klemmen.

" Smith, Bruce/Padgett, Allen: On Rope. Hunts-ville 1996, S. 355 9 US Army: Military Mountaineering. Washington DC 1989, S.2-68 bis 2-69 10 Anon.: Le Noeud Machard, in: CAF Bulletin Section de Provence, 3. Quartal 1962, S.17-125 bis 23-131 11 CAF Section de Provence: Persönliche Mitteilung 12 Faarlund, Nils: Persönliche Mitteilung Abb. 13 und 14 Vikingknute

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