Zweiter Swiss-Cup-Kletterwettkampf 1997

Auf einen Tag konzentriert fand am 19. Oktober 1997 im Kletterzentrum MAGNET in Bern-Nieder-wangen der zweite Swiss-Cup-Wettkampf der Saison 1997 mit 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt.1 Nach bewährtem Europacup-Modus konnte man sich in den verschiedenen Kategorien über zwei Qualifikationsrouten direkt für die Finaldurchgänge qualifizieren. In diesen haben sich mehrheitlich die Favoritinnen und Favoriten durchgesetzt.

Gute Organisation schafft gute sportliche Rahmenbedingungen Das Beispiel dieses Berner Swiss-Cup-Wettkampfs beweist, dass ein solcher Anlass innerhalb von wenigen Stunden und mit nur kurzen Wartezeiten für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer planmässig durchgezogen werden kann. Das verlangt allerdings zum einen eine entsprechende organisatorische Vorbereitung, zum andern eine Leitung, die willens und fähig ist, den vorgegebenen Zeitplan einzuhalten. Klare Strukturen mit präziser Aufgabenzuweisung, eine geschickte Ausnützung der bestehenden Infrastruktur und eine optimale Routenvorbereitung sind weitere Punkte, die die Voraussetzungen für gute sportliche Rahmenbedingungen schaffen. Dies ermöglichte dann auch, in den Qualifikationsrunden auf fünf Routen gleichzeitig zu klettern, ohne dass sich die Teilnehmer/innen irgendwie behinderten, und in den Finals wurde ebenfalls zum Teil gleichzeitig in zwei Kategorien geklettert.

Es bleibt zu hoffen, dass andere schweizerische Veranstalter diesem Beispiel folgen und ihrerseits die notwendigen organisatorischen Anstrengungen unternehmen. Nur dann kann den Bedürfnissen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer entsprochen, aber auch dem Publikum die notwendige Unterhaltung geboten werden.

Erste Höhepunkte Diese ergaben sich zweifellos aus dem überzeugenden Sieg von Anna Tina Schultz bei den Damen und Roman Felix bei der Jugend. In den sehr anspruchsvollen Routen konnten beide ihre Konkurrentinnen bzw. Konkurrenten deutlich distanzieren, und beide kletterten sie bis zum Ausstieg.

Bei den zwei Kategorien Junioren und Herren 2 gab es an der Spitze interessante Zweikämpfe, wobei sich Raphael Lâchât vor Matthias Müller und Andreas Schmidweber vor Michael Guggisberg setzte.

Das Herren finale — eine spannende Geschichte!

Das Herrenfinale, ausgetragen auf einer überaus komplexen und mit über 40 Zügen recht langen Route, vermochte Kletterer wie Publikum restlos zu begeistern.

Nach wenigen Zügen wurde den Finalisten klar, was sie erwartete. Ein schwieriger Untergriff im unteren Wandteil, den es mit der linken Hand' Die Wettkampfrouten wurden nach dem Wettkampf nicht abgebaut, so dass interessierte Kletterinnen und Kletterer sich noch längere Zeit daran versuchen und sich damit einen Eindruck vom heutigen Leistungsniveau verschaffen können.

Anna Tina Schultz ( I.. " " .Rang bei den Damen ) in der Finalroute Raphael Lâchât ( I.. " " .Rang bei den Junioren ) in der Finalroute zu nehmen galt, wirkte auf die meisten fast wie ein « Schock », der ihren Bewegungsfluss abrupt unterbrach. Diese erste heikle Passage liess sich entweder mittels eines fusstechni-schen Tricks oder über eine Kraftva-riante lösen. Mit Ausnahme von Simon Wandeler bevorzugten alle die zweite Variante, was für Moritz Schmid und Matthias Trottmann leider schon ein frühzeitiges « Aus » bedeutete.

Die anschliessende ansteigende Rechtsquerung meisterten die übriggebliebenen Teilnehmer bis zum Punkt, wo sich die Wand weiter auf-steilte und in eine Dachpassage über-leitete. Hier fand Robert Marti keine stabile Position, um die nächste Zwischensicherung einzuhängen, und auch Reto Hartmann verlor wenig höher die Übersicht über seine Füsse und stürzte aus dem Dach ins Seil.

Zwei Züge weiter kletterte der Überraschungsmann dieses Wettkampfs, Thomas Achermann aus St.. " " .Gallen. Bereits in den Qualifikationsrunden hatte er eine beeindruckende Leistung gezeigt, und in diesem stark besetzten Finale gelangte er bis an den Punkt der Route, wo diese mit einem spektakulären Rechtsquergang an der Dachkante weiterführte. Während Urs Schönenberger diesen mit einem dynami- sehen, aber nicht mehr ausreichend kontrollierten Zug gerade noch beginnen konnte, wehrten sich Johnny Schelker und Yves Philipona in dieser Passage hartnäckig gegen die schwindende Kraft und den damit drohenden Sturz.. " " .B.eiden gelang es nicht, den richtigen Bewegungsablauf zu erkennen und in die hier ansetzende, absteigende(l)Linkstraverse hineinzuklettern. Fast an der gleichen Stelle mussten sie sich schliesslich entkräftet aus der Wand fallen lassen.

Erst dem als zweitletzter gestarteten Pascal Gisler gelang es, den Quergang an der Dachkante in der richtigen Bewegungssequenz zu klettern und anschliessend in die absteigende Linkstraverse zu gelangen. Dabei liess er sich nicht von der Tatsache irritie- ren, dass an dieser Stelle praktisch keine Tritte vorhanden waren. Geschickt kletterte er den nun wieder ansteigenden Quergang mittels eines entschlossen durchgezogenen Kreuz-zuges zu Ende und gelangte zum einzigen - nicht besonders guten -«Ruhepunkt » an zwei besseren Griffen. Erst jetzt war auch den Zuschauern klar, dass die Route von hier aus gerade aufwärts bis zum grossen Schlussdach und durch dieses in einer spektakulären Traverse bis zum Schlussgriff führte. Mit bewunderungswürdigem Kampfgeist kletterte Pascal Gisler weiter bis in dieses Dach und weiter zu dem von der Decke herabhängenden Stalaktiten. Damit schien der Durchstieg der gesamten Resultate Swiss Cup Bern Damen 1. Anna Tina Schultz, Bern 2. Maria Rüdisühli, Buchs 3. Alma Frutig, Zürich Jugend 1. Roman Felix, Rothenbrunnen 2. Cédric Lâchât, Porrentruy 3. Tristan Cordonnier, Chavannes Junioren 1. Raphael Lâchât, Porrentruy 2. Matthias Müller, Reichenbach 3. Roland Peretti, Maladers Herren 2 1. Andreas Schmidweber, Uster 2. Michael Guggisberg, Boningen 3. Arnfinn Vigerust, Basel Herren 1 1. Simon Wandeler, Nottwil 2. Pascal Gisler, Sion 3. Yves Philipona, Rossens Simon Wandeler ( I.. " " .Rang bei den Herren 1 ) im mittleren Teil der Finalroute nach der fallenden Linkstraverse Route in der Luft zu liegen. Doch irgendwie konzentrierte sich Pascal Gisler zu stark auf den Stalaktiten, verlor etwas die Orientierung und musste schliesslich völlig entkräft drei Züge vor dem Ausstiegsgriff kapitulieren.

Es folgte nun noch Simon Wandeler. Sehr kontrolliert und technisch einwandfrei gelangen ihm alle Passagen im unteren Teil. Die absteigende Traverse bot anscheinend keine nennenswerten Probleme, und am erwähnten Ruhepunkt wurde klar, dass er wahrscheinlich noch sehr weit, vielleicht bis zum Top klettern würde. Doch im Dach kam auch er plötzlich in unerwartete Schwierigkeiten. Ohne den Stalaktiten miteinzubeziehen, hangelte er sich verzweifelt noch drei Griffe weiter, bis hin zu einer Strukturscheibe, von der aus der Ausstiegsgriff zu erreichen gewesen wäre. Mit dem Berühren dieses Struk-turelements siegte Simon Wandeler hauchdünn vor Pascal Gisler. Beiden war damit der krönende Ausstieg trotz einer überaus beindruckenden Leistung nicht vergönnt.

Hanspeter Sigrist, Oberbalm e a.

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