Corona macht Skitouren populärer Der SAC ruft zu Sicherheit und Rücksicht auf Wildtiere auf

Ausrüster und Ausbildner im Bergsport erwarten, dass diesen Winter mehr Leute abseits der Pisten unterwegs sein werden. Der Verkauf von Ski- und Schneeschuhtourenausrüstung ist gut angelaufen, Kurse und Einsteigertouren sind gefragt. Der SAC ruft zur Sicherheit im Umgang mit der Lawinengefahr und zur Rücksicht auf Wildtiere auf.

Diesen Sommer zog es die Menschen zahlreich in die Berge. Wandern, klettern oder an einem Bergsee übernachten waren beliebter denn je. «Die Menschen suchen vermehrt Erholung und Ausgleich in den Bergen, indem sie wandern, klettern oder mountainbiken», schreibt die Internationale Alpenschutzkommission Cipra in einer Medienmitteilung. Diese Entwicklung werde durch die Corona-Krise noch verstärkt.

Jetzt steht der Winter an - die Lust in der Natur zu sein und sich zu bewegen bleibt vermutlich. Skitourengehen erfreut sich schon länger zunehmender Beliebtheit, Schneeschuhlaufen erlebte vor ein paar Jahren einen Boom. Auch in der aktuellen Sportstudie «Sport Schweiz 2020» kommt dies zum Ausdruck. In den letzten sechs Jahren ist der Anteil der Bevölkerung, der diese Sportarten ausübt um 2,6 Prozent gestiegen. Die Erfahrungen vom Sommer legen nahe, dass Corona auch dem Skitourengehen und Schneeschuhlaufen im Winter zusätzlichen Schub verleiht.

Die ersten in der Kette, die das zu spüren bekommen, sind die Importeure von Bergsportartikeln. Ueli Arnold ist Bergführer und Geschäftsführer vom Generalimporteur ACE alpine & climbing equipment AG.

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Ich habe die Situation beobachtet und wir haben das schon im Frühling diskutiert: Skitouren, Schneeschuhlaufen und Langlaufen werden zunehme.
Ueli Arnold
Bergführer und Geschäftsführer vom Generalimporteur ACE alpine & climbing equipment AG

Im Kletterbereich hätten die Bergsportgeschäfte noch nie so gut verkauft wie diesen Sommer. Die Erwartungen für das Wintergeschäft sind entsprechend gross. «Für den Winter erwarten wir eine Steigerung von 20 bis 30 Prozent», sagt Ueli Arnold. Skitouren war früher ein Nischenbereich, doch bereits in den letzten Jahren hätten die Verkaufszahlen im zweistelligen Bereich zugenommen. Bei den Einsteigern rechnet er vor allem mit Umsteigern: Die Alpinskifahrer seien unsicher, was diese Saison überhaupt möglich sei. «Viele sind auf der Kippe wegen dem Anstehen und dem Rummel, die jetzige Situation ist nur noch das Zünglein an der Waage», sagt er.

Auch Schneeschuhe wieder im Trend

Obwohl der November mild war und der grosse Schneefall ausblieb, lief der Verkauf von Skitouren- und Schneeschuhtourenausrüstung auch im Fachhandel gut an. «Der Einstieg in die Wintersaison war beeindruckend, die Leute wollen raus und Skitourenlaufen scheint echt populärer zu werden», sagt Jan Maurer, Marketingleiter bei Bächli Bergsport AG. Der Bergsportspezialist verzeichnet «ein gutes zweistelliges Wachstum zum Vorjahresstart». Im Gegensatz zu den Skitourenausrüstungen, die seit Jahren linear ansteigen würden, liegt der Boom der Schneeschuhe schon ein paar Jahre zurück. «Es gab einen stark ansteigenden Trend in den Nullerjahren, der um 2010 seinen Höhepunkt erreichte», sagt Jan Maurer. Danach stagnierte der Verkauf bei Bächli Bergsport oder wurde rückläufig. «Seit zwei bis drei Jahren zieht der Trend wieder an, und im aktuellen Winter zeigt er coronabedingt erfreulich nach oben.»

Ein etwas zurückhaltendes Bild zeichnet Ruedi Bergsport in Zürich, schliesslich verzeichnet der Ausrüster bereits seit über zehn Jahren jährliche solide Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. «Sobald der erste Schnee bis in die Niederungen fällt und die Skisaison richtig startet, erwarten wir aber tatsächlich nochmals einen Schub Skifahrer, die aufs Tourengehen umsteigen wollen», sagt Urs Odermatt, Inhaber und Geschäftsführer von Ruedi Bergsport. Das Unternehmen bietet nicht nur Ausrüstung an, sondern hat auch ein Angebot an Touren und Kursen. Da es beim Skitourengehen nicht damit gemacht ist, sich eine Ausrüstung zuzulegen, sondern es für die Ausübung auch Wissen und Erfahrung braucht, spürt man auch in diesem Bereich die Nachfrage. «Wir sehen eine stark überdurchschnittliche Steigerung bei den Buchungen für Lawinenkurse und Anfängertouren», sagt Urs Odermatt. Aufgrund von deutlich mehr Buchungen als im Vorjahr wagt auch Michael Wicky von der Bergsportschule bergpunkt AG eine positive Prognose: «Es gibt einen Rekordwinter, falls es genügend Schnee gibt und es die Coronamassnahmen erlauben, Skitouren zu unternehmen.»

Nicht alleine gehen

Der Trend zum Skitourengehen freut Ausrüster und Ausbildner - einschliesslich des SAC. «Die drei neuen Schnupperkursangebote Skitouren waren schnell ausgebucht, und wir haben noch weitere Kurse aus dem Boden gestampft», sagt Martin Schmid, Bereichsleiter Kursorganisation. Zusätzlich habe man aufgrund der Buchungssituation noch zusätzliche Einführungskurse ins Angebot aufgenommen.

Allgemein geht man beim SAC davon aus, dass der Schneesport abseits der Pisten gerade in diesem Winter zunehmen wird. Gerade an die Adresse der Einsteiger richtet der SAC deshalb zwei wichtige Botschaften: Sicherheit und Rücksicht. Wer zum ersten Mal eine Ski- oder Schneetour unternimmt, geht nicht allein, so die Botschaft.

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Die Lawinengefahr ist abseits der Piste immer präsent, es braucht viel Erfahrung und Wissen, um das Risiko richtig einzuschätzen.
Bruno Hasler
Bereichsleiter Ausbildung und Sicherheit SAC

Er empfiehlt Einsteigern deshalb, sich erfahrenen Kolleginnen und Kollegen oder einer Sektionstour anzuschliessen, einen Einführungskurs beim SAC-Zentralverband zu buchen oder mit einem Bergführer zu gehen.

Ebenso wichtig ist die Rücksicht auf Wildtiere. Denn für sie ist der Winter die härteste und entbehrungsreichste  Zeit des Jahres, und viele Wildtiere überleben den Winter nicht. Für die wichtigsten Regeln verweist der SAC auf die Kampagne «Respektiere deine Grenzen»: Wildruhezonen und Wildschutzgebiete beachten, im Wald auf Wegen und Routen bleiben, Waldränder und schneefreie Flächen meiden und Hunde an der Leine führen. Dass die Schweizer Berge diesen Winter total überlaufen sein werden, wie man dies in Deutschland befürchtet, erwartet Philippe Wäger, Ressortleiter Umwelt und Raumentwicklung beim SAC, nicht. Dort wo immer viele Leute unterwegs seien, dürfte es noch mehr geben. Insbesondere könnten die Kapazitäten der Parkplätzen in nahe gelegeneen Tagesausflugszielen erschöpft sein. «Umso wichtiger ist es, wo immer möglich mit dem öV anzureisen», sagt Philippe Wäger.

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