149. Abgeordnetenversammlung AV. Bedenkfrist für ALZ, grünes Licht für neue Hütte

149. Abgeordnetenversammlung AV

Drei Themen prägten die 149. Abgeordnetenversammlung in Biel Anfang Juni: die neue SAC-Hütte auf der Alp Sprella im Val Müstair, die Reduktion der Abgeordneten pro Sektion und die für das Projekt Alpenlandschaft Zukunft gewünschte einjährige Denkpause. Die Abgeordneten nahmen alle drei Vorlagen an, letztere mit überraschend grosser Mehrheit.

Das Umweltprojekt Alpenlandschaft Zukunft ( ALZ ) des SAC bekommt eine Denkpause: Die Abgeordnetenversammlung ( AV ) hat mit 149 Ja zu 61 Nein für ein Jahr Bedenkzeit gestimmt. Das klare Abstimmungsergebnis ist überraschend, weil sich im Vorfeld eine Reihe von Sektionen aus den Kantonen Bern, Wallis und der Romandie gegen die Fortführung des Projektes ausgesprochen hatte. 149. Abgeordnetenversammlung AV in Kürze Ort 6. Juni 2009 im Kongresshaus in Biel Anzahl Tei1230 Abgeordnete aus 97 Sektionen ( 15 Sektionen entschuldigt/abwe- nehmende send ). Einfaches Mehr: 116 Stimmen. HauptthemenNeue SAC-Hütte Alp Sprella: grosses Mehr bei 11 Nein und 5 Enthaltungen Begrenzung AV-Abgeordnete: grosses Mehr bei 10 Nein und 4 Enthalt ungen Alpenlandschaft Zukunft: 149 Ja zu 61 Nein, 5 Enthaltungen Wahlen in ZV und GPK: Einstimmig wiedergewählt in den ZV sind Frank-Urs Müller ( SAC-Präsident ) und Brigitte Holderegger-Müller ( Ressortleiterin Bergsport & Jugend ). Neu in die GPK gewählt ist Pierre-André Kolly.

Ressortinfos ARS: Neuer Stiftungsratspräsident der Alpinen Rettung Schweiz ist Franz Stämpfli. Er war SAC-Präsident von 1999 bis 2005. Hütten: An der Präsidentenkonferenz 2009 werden Umbauprojekte der Dom-, Dossen- und Rotondohütte zur Genehmigung präsentiert. Die Sektion Bern hat die Berglihütte an die Sektion Grindelwald abgetreten. Heliskiing: SAC-intern findet vor den Verhandlung mit dem BAZL Ende Juni mit den Berner Oberländer Sektionen ein runder Tisch statt. Kleines Jubiläum: 30 Jahre Fusion SFAC und SAC ( Frauen und Männer ) Nächste Präsidentenkonferenz ( PK ) 7.11.2009 im Stade de Suisse in Bern Termine Abgeordnetenversammlung ( AV ) 5. Juni 2010 Mit einer Tanzshow « weckten » Jugendliche die Abgeordneten nach der Mittagspause. Unter dem Patronat von Swiss Olympic touren sie im Rahmen der « Cool & Clean»-Kampagne durch die Schweiz. Ziel des Projektes ist eine Karte, auf der der SAC schützenswerte Landschaften der Schweiz über 1500 m ausweist ( siehe auch ALPEN 5/09 ). Die Karte soll SAC-intern als Grundlage für Einsprachen bei neuen Bauvorhaben im alpinen Raum dienen. In zwei Pilot regionen haben je rund 15 Sektionen an ersten Kartenver sionen gearbeitet.

Das Projekt läuft seit eineinhalb Jahren und hätte eigentlich der diesjährigen AV zur definitiven Annahme oder Ablehnung vorgelegt werden sollen. Doch kamen während der Pilotphase etliche Fragen auf, die die Verantwortlichen klären möchten, bevor sie den Abgeordneten ein definitives Projekt vorlegen. Zum Beispiel: Wie lange hat die Karte Gültigkeit, wer kann sie anpassen, wie sind die Kompetenzen bei der Beurteilung von Bauprojekten zwischen den Sektionen und dem ZV verteilt? Der ZV beantragte deshalb eine einjährige Pause, die – so Christian Gysi, Ressortleiter Umwelt im Zentralvorstand – keine Mehrkosten verursachen werde. Berner Oberländer Sektionen hingegen beantragten den Projektabbruch.

Bergtour nicht vor der Hütte abbrechen

Die Gegner beurteilten das Projekt als nicht konstruktiv, zu schwammig, rechtlich auf wackligen Füssen und mit geplanten Kosten von rund einer halben Million Franken viel zu teuer. « Gebt der Projektleitung nicht noch mehr Hafer, sonst können sie das Projekt noch zu Ende führen !», mahnte ein Votant der Berner Oberländer Sektionen eindringlich. Einige warnten auch vor der Bildung eines neuen Röstigrabens – gemeint war eine Verschärfung der Konflikte zwischen Unterland- und Bergsektionen betreffend Gleichgewicht zwischen Schützen und Nützen. Erstere möchten oft möglichst wenig Eingriffe in die alpine Natur, für Letztere steht vielfach die Wirtschaftsförderung im Vordergrund. Befürworter äusserten sich positiv zum partizipativen Ansatz. Sie freuten sich über « Konversation statt Konfrontation » und über die Gelegenheit, unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen. Viele meinten auch, dass es gut war, dass « wir Unterländer die Perspektive der Bergsektionen kennenlernten und viele kritische Voten hörten ». Mit fünf Enthaltungen und 61 Gegenstimmen setzten sich schliesslich jene klar durch, die « eine gut geplante Bergtour nicht schon vor dem Erreichen der Hütte abbrechen wollen, nur weil sich Wolken am Himmel zeigen », wie es eine Rednerin formulierte. Es wird nun an der AV 2010 liegen, das Projekt ALZ definitiv zu beurteilen.

Wahlen und Finanzen

Während die Diskussion um das Projekt ALZ den Grossteil des Nachmittags in Anspruch nahm, war sich die AV über die morgendlichen Traktanden rasch einig. Zwei Mitglieder des Zentralvorstandes stellten sich zur Wiederwahl für eine zweite Amtsperiode: Frank-Urs Müller, Zentralpräsident, und Brigitte Holderegger-Müller, Ressortleiterin Bergsport & Jugend. Bei beiden ging das Hatte keinen leichten Stand: Christian Gysi, Ressort Umwelt im ZV, plädierte für eine Verschnaufpause für das Projekt « Alpenlandschaft Zukunft ». Etliche Sektionen waren aber für einen sofortigen Abbruch des Projektes. Dennoch votierte die AV klar für eine Pause.

Zwei bekannte und ein neues Gesicht: Auf weitere vier Jahre im Zentralvorstand freuen sich Frank-Urs Müller ( l. ) und Brigitte Holderegger-Müller ( M. ). Neu in die GPK gewählt ist Pierre-André Kolly ( r. ).

Fotos: Dieter Spinnler vereinte Hochhalten der roten Abstim-mungszettel über in einen herzlichen Applaus. Werner Frick trat aufgrund der Amtszeitbeschränkung zurück. Er war acht Jahre lang Mitglied der Geschäftsprüfungskommission ( GPK ), im letzten Jahr sogar deren Präsident. Für ihn wählte die AV einstimmig Pierre-André Kolly in die GPK. 1 Der 47-Jährige ist Direktor für Wirtschaft am Kantonsspital in Fribourg und seit diesem Jahr Präsident der Sektion Gruyère. Die GPK konstituiert sich selber und hat als Nachfolger von Werner Frick bereits Franz-Xaver Dettling aus Brunnen zu ihrem Präsidenten bestimmt. Ebenfalls einstimmig wurden Jahresbericht und Mehrjahresplanung angenommen. Werner Frick warnte allerdings, die hohe Dienstleistungsqualität könne nicht mehr lange ohne Erhöhung der Finanzbasis geleistet werden. Die Warnung hatte dann aber keinen Einfluss auf das nächste Abstimmungsresul-tat – zum Glück für deren Initianten.

Neue SAC-Hütte auf Alp Sprella

Es ist 25 Jahre her, seit der SAC-Zentral-verband zum letzten Mal eine Hütte in sein Portfolio aufgenommen hat. Nun ist es wieder so weit: Die Sektion Engiadina Bassa hat von der AV mit überragendem Mehr grünes Licht für die Umnutzung der Alpgebäude auf der Alp Sprella zu einer SAC-Hütte erhalten. Sie plant dort auf Basis der bestehenden Infrastruktur die 154. SAC-Hütte. Die Alp Sprella liegt im Val Mora, einem parallel liegenden Seitental des Val Müstair. Die Alpgebäude werden nicht mehr genutzt, weshalb die Gemeinde Müstair nach einer neuen Lösung suchte. Sie schlug der Sektion die Übernahme vor. Mit der Hütte würden in einer Randregion zwei bis drei Arbeitsplätze geschaffen, und das Münstertal erhielte endlich auch eine SAC-Hütte, so Gianna Rauch, Präsidentin der Sektion. Wegen der Hütte erwarten die Umweltverbände aber gerade im Winter ein stark erhöhtes Besucheraufkommen. Dem stehen sie skeptisch gegenüber, weshalb das Geschäft auch an der AV nicht ganz unumstritten war. Andri Lansel, Kassier der Sektion, betonte denn auch mehrmals, dass die Sektion den Hüttenbau nur im Einvernehmen mit den Umweltverbänden anpacken wolle.

Maximal 224 Abgeordnete an AV

Vom positiven Geist, der an der Versammlung herrschte, profitierte wohl auch der Antrag auf Reduktion der Anzahl Delegierter, der an der AV 2008 in anderer Form noch abgelehnt worden war. Bislang durfte jede Sektion pro 500 Mitglieder einen Abgeordneten entsenden. Dank dem stetigen Wachstum des SAC nahm die Zahl der Abgeordneten fast jährlich zu. Dies verursachte aber zunehmend logistische Probleme. Nicht zuletzt deshalb war man nach Biel ausgewichen, weil in Bern kein geeigneter Versammlungsort gefunden werden konnte. Neu nehmen 224 Abgeordnete an der Versammlung teil. Das entspricht der doppelten Anzahl der Sektionen. Die Verteilung geschieht gemäss dem System des National rates. Die Änderung der Statuten nahm die AV mit einem überragenden Mehr an.

Info zum Heliskiing: SAC verhandelt

Seit mehreren Jahren sitzt der SAC mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt ( BAZL ) und anderen Anspruchsgruppen ( Fliegerei, Naturschutz ) am Verhandlungstisch und diskutiert über neue Regelungen betreffend Gebirgslandeplätze und namentlich das Heliskiing. Frank-Urs Müller ergriff an der AV die Gelegenheit, über den Stand der Dinge zu informieren ( siehe Artikel S. 35 ). Sie zeigen exemplarisch, wie viel Sprengstoff im Spannungsfeld « Schützen und Nützen » innerhalb des SAC steckt, wenn es um konkrete Verhandlungsposi-tionen geht, da sich Sektionen und Zentralverband nicht immer einig waren und sind. Dies zeigt aber auch deutlich die Notwendigkeit, gerade in dieser Frage innerhalb des SAC den ständigen Meinungsaustausch zu fördern. Nur so wird der Verband längerfristig glaubwürdig bleiben, für Externe, aber auch für seine Mitglieder. a Alexandra Rozkosny, Chefredaktorin Die Erleichterung ist ihr anzusehen: Gianna Rauch, Präsidentin der Sektion Engiadina Bassa, freut sich über das klare Ja der Abgeordneten zur neuen SAC-Hütte.

Foto: Dieter Spinnler Foto: Chasper Alexander Felix Grünes Licht für die 154. SAC-Hütte: Die Abgeordneten haben sich dafür ausgesprochen, dass die Sektion Engiadina Bassa die Hütten auf der Alp Sprella beim Münstertal zu einer neuen SAC-Hütte umbaut. 35

Berge und Umwelt

Montagne e ambiente

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