150 Jahre «Alpine Club» Geburtstag der alpinistischen Elite

Der erste Bergsportverein in der Geschichte des Alpinismus feiert in diesem Jahr seinen 15O. Geburtstag. 1857 mit elf Mitgliedern gegründet, hat der britische Alpine Club heute deren 900, und geniesst seit je grossen Einfluss – auch dank dem « Alpine Journal », der ältesten alpinen Zeitschrift.

Englischer Sturm auf Schweizer Gipfel

Die Engländer waren im 19. Jahrhundert weltweit führend: als Kolonialherren, in der Industrialisierung, in der Begeisterung für die alpine Welt und vor allem in der Eroberung derselben. William Windham und Richard Pococke hatten bereits 1744 das Tal von Chamonix und seine Gletscher « erobert ». 1787, nur ein Jahr nach der Erstbesteigung, gelang Mark Beaufoy die erste englische Besteigung des Montblanc. Es sollten ihm zahlreiche Landsleute folgen. « Mountaineering » wurde salonfähig, der englische Adel hatte Zeit, Geld, und eine Erstbesteigung in den Alpen war doch günstiger und Erfolg versprechender als eine Expedition nach Afrika. Kurz: Am 1. August 1855 erreichten John Birbeck, Charles Hudson, Christopher Smyth, James Grenville Smyth und Edward John Walter Stevenson mit ihren Führern Ulrich Lauener, Foto: Daniel Anker Johannes Zumtaugwald und Matthäus Zumtaugwald als Erste die Höchste Spitze ( 4634 m ), die spätere Dufourspitze, und fügten den britischen Annalen eine weitere alpinistische Glanztat hinzu.

Bergsport gab es schon vor den Briten

Umtriebig waren die Briten, aber sicher nicht die Ersten und Einzigen, die sich sportlich an den Bergen massen. Vielfach unerwähnt bleiben die Meyers aus Aarau und ihre Führer, die 1811 und 1812 die Jungfrau ( zweimal ) und das Finsteraarhorn erstmals bestiegen. Sie waren ebenso Alpinisten wie der Disentiser Klosterbruder Placidus a Spescha, der Erstbesteiger des Rheinwaldhorns ( im Juli 1789 ) und des Oberalpstocks, um nur zwei seiner Pioniertouren zu nennen. Der Genfer Horace-Bénédict de Saussure, Sponsor der ersten Besteigung des Montblanc und Hauptperson der dritten Besteigung ( 1787 ), war nicht nur Naturforscher, sondern auch Alpinist. Rudolf Meyer sprach vom Reiz der Gefahr in den Bergen, Topograf Johann Coaz, Erstbesteiger des Piz Bernina ( 1850 ), schreibt, wie er und seine Führer die wissenschaftlichen Instrumente zurückgelassen hätten, um schneller und unbelasteter den Gipfel doch noch zu erreichen. Kurz: Sportlicher, alpinistischer Ehrgeiz ist hierzulande seit über 200 Jahren zu finden. Doch dass die Leistungen der Briten vieles überstrahlten, was bereits gelungen war, mussten sogar die Schweizer Alpinisten zugeben. Der britische Alpine Club 1864, wenige Jahre nach der Gründung, in Zermatt: die Siebner-gruppe im Vordergrund ( v.l. ): John Ball, William Mathews, E. S. Kennedy, T. G. Bonney, Ulrich Lauener, John Tyndall und Alfred Wills. Die einzige erkennbare Dame ist Lucy Walker.

Mit der Erstbesteigung des Matterhorns 1865 fand das « goldene Zeitalter » des Alpinismus seinen Höhepunkt und zugleich sein Ende. Denn damit war einer der schwierigsten Alpengipfel bestiegen worden.

Quelle: The Alpine Centenary 1857–1957, ed. F. H. Keenlyside, Alpine Club, London 1957

SAC-Clubgründung als Gegenbewegung

So bildete die Erstbesteigung der « höchsten Spitze » 1855 auch für die Schweizer einen Meilenstein: « In der kurzen Spanne Zeit, die von da bis 1863 verstrich, ist verhältnismässig mehr und Grösseres geleistet worden als in den 55 vorangehenden Jahren », urteilte Heinrich Dübi 1 in der Denkschrift Die ersten fünfzig Jahre des Schweizer Alpenclub. « Es ist dessen besonders durch die seit 1856 mit elementarer Wucht einsetzende Arbeit der Engländer unter der Führung von John Ball und der Gebrüder Mathews so viel », erläutert Dübi weiter.

Die Gründung des SAC geht denn auch auf diese Invasion von jenseits des Ärmelkanals zurück. « Es ist Ihnen nicht unbekannt, dass der englische Alpenclub infolge seiner Organisation den schweizerischen Touristen starke Conkurrenz macht », schrieb Rudolf Theodor Simler, Privatdozent der Chemie und Geologie an der Universität Bern, am 12. Oktober 1862 im « Kreisschreiben an die Bergsteiger und Alpenfreunde der Schweiz ». Das Kreisschreiben war eigentlich mehr ein Hilferuf und löste ein positives Echo aus – der SAC wurde gegründet.

Britisches Rauschen im Blätterwald

Die Konkurrenz der Briten war nicht nur am Berg zu spüren, sondern auch im Blätterwald. Gründungsmitglied und dritter AC-Präsident Alfred Wills kletterte 1854 auf einer bekannten Route als erster Engländer aufs Wetterhorn; der 1 Heinrich Dübi war auch Redaktor des SAC-Jahrbuchs von 1911 bis 1923. Erstes Titelblatt der ältesten periodischen Alpinismus-Zeit-schrift Quelle: Peaks, Passes and Glaciers « Ein grosses Prisma von Granit oder Gneiss bildete den Abschluss des Grates und von ihm lief ein messerbreiter Grat von weissem Schnee zu einem kleinen Punkte. Wir gingen am Kamm entlang, betraten den Punkt, und augenblicklich überflog unser Auge den ganzen Horizont. Wir standen auf dem höchsten Gipfel des gefürchteten Weisshorns », schrieb John Tyndall 1872 über die Erstbesteigung von 1861. Foto: W. F. Donkin 1880 aus: The Alpine Centenary 1857–1957, ed. F. H. Keenlyside, Alpine Club, London 1957 Bericht darüber geriet indes so fulmi-nant, dass seine Wetterhorntour fälschlicherweise noch immer als Beginn des « Golden Age of Mountaineering » angesehen wird. Der Ire John Ball, erster Präsident des Alpine Club, verfasst mit seinen Alpine Guides ab 1863 die ersten alpinistischen Führerwerke. Zudem war er Herausgeber von « Peaks, Passes, and Glaciers », der ersten periodischen Alpinismuszeit-schrift, die « excursions by members of the Alpine Club », also Tourenberichte von AC-Mitgliedern, versammelte. Titelbild in Band 1 von 1859 zeigt – wenig überraschend – das Finsteraarhorn. Nachfolger dieser Publikation ist seit 1863 das « Alpine Journal » 2; Volume 112 wird im Jubiläumsjahr 2007 erscheinen. Ein solch riesiges Werk ist nicht frei von Fehlern. Legendär ist die Behauptung von AC-Präsident und Herausgeber Edward Strutt Ende der 1930er-Jahre: « The Eigerwand may be said to possess little or no ‹mountaineering› value » – die Eiger(nord)wand besässe wenig oder 2 Das « Alpine Journal » ist in der Zentralbibliothek des SAC in Zürich und im Schweizerischen Alpinen Museum in Bern vollständig vorhanden.

John Ball ( 1818–1889 ) war der erste Präsident des Alpine Club.

Foto aus: The Alpine Centenary 1857–1957, ed. F. H. Keenlyside, Alpine Club, London 1957 Die Briten waren nicht die ersten Alpinisten: Schon vor ihnen wagten sich Menschen nur wegen der Freude am Bergsteigen in die Alpen. Einer von ihnen war der Disentiser Klosterbruder Placidus a Spescha, unter anderem Erstbesteiger des Rheinwaldhorns im Juli 1789.

Quelle: Jahrbuch des Schweizer Alpenclub. Bern 1869 Einer der Initianten, Gründungsmitglied und späterer Präsident des Alpine Club: Edward Shirley Kennedy ( 1817–1898 ) Foto aus: The Alpine Centenary 1857–1957, ed. F. H. Keenlyside, Alpine Club, London 1957 William Mathews ( 1828–1901 ) war zusammen mit Kennedy einer der Initianten des Alpine Club. Zudem ist er der Erstbesteiger von Castor, Grande Casse und Monviso.

Foto aus: The Alpine Centenary 1857–1957, ed. F. H. Keenlyside, Alpine Club, London 1957 C. E. Mathews, ein Bruder von William Mathews, zusammen mit Melchior Anderegg, einem der grossen Führer um 1880. Sehr oft waren es Schweizer Führer, mit denen die Briten die Erstbesteigungen ausführten.

Foto aus: The Alpine Centenary 1857–1957, ed. F. H. Keenlyside, Alpine Club, London 1957 Die Erstbesteigung nahm ein tragisches Ende: Vier der sieben Erstbesteiger stürzten beim Abstieg tödlich ab. Der Gipfel hat wenig von seiner Gefahr verloren – jährich verunfallen am « Horu » vier bis sechs Alpinisten tödlich. Nach wie vor gewal- tiges Panorama: Der Schatten des Matterhorns fällt auf die Monte-Rosa-Gruppe.

Ehrentafel in der Mauer des Hotels Mont Rose in Zermatt: Neben Edward Whymper standen noch weitere drei Briten, zwei Schweizer und ein Franzose am 14. Juli 1865 auf dem Gipfel des Matterhorns.

Matterhorn-Erstbesteiger Edward Whymper hatte nicht nur das Glück, den Abstieg zu überleben. Der 1911 verstorbene Engländer gehört inzwischen auch fest zur Geschichte von Zermatt.

Fotos: Daniel Anker Feierlichkeiten zum 15O. Geburtstag des Alpine Club Der Alpine Club feiert sein Jubiläum mit der « 150th Anniversary Alpine Extrava-ganza » vom 22. zum 24. Juni 2007 in Zermatt – natürlich in Zermatt, wo das vom Club geprägte goldene Zeitalter des Alpinismus mit der Erstbesteigung des Matterhorns durch Edward Whymper und Gefährten seinen Höhepunkt und zugleich sein tragisches Ende fand. Denn vier der Bergsteiger waren beim Abstieg abgestürzt. Das 150-Jahr-Jubiläum des britischen Alpine Club nahm Schweiz Tourismus zum Anlass, unter dem Slogan « 150 Jahre Alpinismus. Erlebnis Bergsport – gestern und heute » mit Erstbesteigungen, Hütten, Bahnen, Gipfelhotels und -spaziergängen aufzuwarten. So verdienstvoll damit bekannte und unbekannte Sehenswürdigkeiten der Schweizer Bergwelt vermarktet werden, so irreführend ist der Slogan. Denn den Alpinismus, auch als sportliche Heran-gehensweise, gab es – wie im Bericht auch erwähnt – schon früher. Weitere Informationen zu den Feierlichkeiten und Anlässen rund um das Jubiläum gibt es unter www.alpine-club.org.uk oder unter www.myswitzerland.com, Stichwort 150 Jahre Alpinismus.

überhaupt keinen alpinistischen Wert. Eine Einschätzung, die die spätere Geschichte Lügen strafte.

Die abschätzige Bemerkung rührte vielleicht auch daher, dass sich der elitäre Alpine Club zu jener Zeit bedrängt fühlte. Den meist gut betuchten Mitgliedern jagten immer öfter aus der Unterschicht stammende, furchtlose Bergsteiger aus Deutschland, Österreich und Italien die Erfolge ab, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie neue Ausrüstung wie Eis- und Felshaken clever einsetzten Zudem hatte der Club seine Vorreiterrolle im weltweiten Alpinismus eingebüsst, unter anderem wegen der Niederlagen am Everest, zuletzt als 1924 George Mallory und Andrew Irvine auf 8500 m verschwanden. 1953 holte man Ehre und Ruhm aber mit der Erstbesteigung des höchsten Gipfels der Welt souverän zurück. Auch wenn die Everesterstbesteiger Edmund Hillary und Tenzing Norgay eigentlich ein Neuseeländer und ein Nepalese waren: Die Expedition unter englischer Flagge konnte in der Öffentlichkeit den Erfolg klar für Grossbritannien verbuchen. Seither sorgen britische Alpinisten immer wieder für aufsehenerregende Taten in den Bergen der Welt; es seien nur Dougal Haston, Chris Bonigton, Mick Fowler und Stephen Venables genannt. Letzterer ist übrigens der aktuelle Präsident des AC, würdiger Nachfolger von Ball. a Daniel Anker, Bern

Literatur

George Band: Summit – 150 Years of the Alpine Club, The Alpine Club & The Ernest Press, London 2007.

Peter Mallalieu: The Artists of the Alpine Club. A Biographical Dictionary, The Alpine Club & The Ernest Press, London 2007. « The Alpine Journal 2006 », Edited by Stephen Goodwin, The Alpine Club & The Ernest Press, London 2006. Arnold Lunn: A Century of Mountaineering 1857–1957. A Centenary Tribute to the Alpine Club, George Allen & Unwin Ltd, London 1957.

« Alpine Centenary 1857–1957 », The Alpine Journal No. 295, Vol. 62, 1957.

Fabrice Lardreau/Michel Tailland: « Alpinisme d' outre-Manche. Le style et l' ethique », in: La Montagne & Alpinisme, 1/2007.

Euphorie auf dem Matterhorn: Edward Whymper ( links ) ruft seinem Führer Michel Croz; soeben hat er die Italiener entdeckt, die – noch weit unten – das Rennen um die Erstbesteigung verloren haben. Bild: Holzstich von Edward Whymper aus: Edward Whymper, Matterhorn – Der lange Weg auf den Gipfel, AS Verlag 2005.

Für den Skitourenfahrer, Bergsteiger und -wanderer

Per l' alpinista, lo sciatore e l' escursionista

Pour l' alpiniste, le skieur et le randonneur

Mit GPS und Internet auf Schnitzeljagd

Schatzsuche in den Bergen

Erinnern Sie sich an Schnitzeljagden? « Geocaching », die Kombination aus den englischen Worten « Geography » wie Geografie und « Cache » wie Versteck ist die moderne Version der Schnitzeljagd. Die Satellitennavigation ersetzt Papierfetzen, das Internet liefert die notwendigen Informationen.

Das Abenteuer beginnt zu Hause am Computer. Eine Onlinelandkarte zeigt die Berner Alpen und darauf verteilt rote Punkte. Ein Mausklick auf einen der Punkte, und im Bildschirm wird die Infor-mationsseite eines Verstecks mit Namen « Sunrise » angezeigt, es befindet sich oben auf dem Wildstrubel. Der Text informiert über die genauen Koordinaten, die wir auf dem Gipfel brauchen, über die Schwierigkeit der Tour und gibt Hinweise für die Vorbereitung.

Schon 3000 Verstecke in der Schweiz

Ein Versteck oder Cache besteht in der Regel aus einem wasserdichten Behälter mit einem Logbuch und ein paar Gegenständen. Eine Musik-CD zum Beispiel oder ein Sackmesser, oft sind es Spielsachen, manchmal ein Souvenir, eine Kerze oder ein kleiner Kristall.

Infos im Internet Sämtliche Geocaches finden sich unter www.geocaching.com, die « Konkur-renz»-Adresse ist www.navicache.com. Die Schweizer Geocaching-Website mit Onlinediskussionsforum und Hinweisen lautet www.swissgeocache.ch. Eine Übersicht zum Thema findet sich unter www.wikipedia.ch, Stichwort « Geocaching ».

Vor sechs Jahren in den USA lanciert, gibt es inzwischen mehr als 300 000 Caches in 222 Ländern. In der Schweiz sind es gegen 3000, einige in den Voralpen, auf Pässen, in der Nähe von Gletschern oder gar auf Dreitausendern.

Die Spielregeln sind einfach. Wer ein Cache findet, trägt sich im Logbuch ein und tauscht die gefundenen Gegenstände gegen solche, die er mitgebracht hat. Wieder zu Hause wird der Besuch des Cache auf der Informationsseite im Internet mit einem zweiten Eintrag registriert. Ein paar Hürden gibt es aber trotzdem: Geocaching setzt Kenntnisse in der Satellitennavigation voraus. Der richtige Umgang mit dem GPS-Empfänger ist nicht ganz einfach, die verschiedenen Koordinatensysteme verwirren, die Geräte funktionieren im Wald und bei Regen anders als im flachen Gelände. Wer Mühe mit der englischen Sprache hat, kann am beschreibenden Text im Internet scheitern. Darum lohnt es sich, mit einfachen Caches zu beginnen oder zunächst einen erfahrenen Geocacher zu begleiten.

« Sunrise » auf dem Gipfel

Am nächsten Tag erreichen wir gegen Abend die Lämmerenhütte oberhalb von Leukerbad. Während des Nachtessens planen wir über eine Karte gebeugt die Route und legen Rastplätze fest. Beim Aufbruch am nächsten Morgen ist es noch dunkel, nur ein paar Sterne leuchten. Das Rauschen des Bachs im Lämme-renbode, im Osten eine schwache waagrechte Linie aus Licht, davor die Umrisse markanter Gipfel, der Tag kündigt sich an: Die Vorfreude auf Gipfel und Cache sind gross.

Nach einer Stunde tauchen die ersten Sonnenstrahlen den Gipfel des Schneehorns links über uns in rotes Licht. Später erreichen wir auf knapp 3000 Meter Höhe den zweiten Rastplatz. Der GPS-Empfänger misst die Distanz zum Ziel, noch 844 Meter Luftlinie. Der dritte und schwierigste Teil liegt vor uns. Der Schnee, der in den letzten Tagen gefallen ist, verdeckt die Spalten. Kurz nach neun Uhr erreichen wir das Gipfelkreuz. Einmal verschnaufen und schon beginnt die Suche nach dem Cache. Wir lesen noch einmal die Beschreibung und studieren die Fotos, die andere vor uns gemacht haben. Dann folgen wir dem roten Pfeil unseres GPS-Gerätes. Diesmal finden wir den Plastikbehälter schon nach ein paar Minuten. So einfach ist es aber nicht immer. Auch wenn der GPS-Empfänger genau arbeitet, kann die Suche eine Stunde und länger dauern. Im Log-Buch schreiben wir alle unsere Namen, das Datum und die Uhrzeit auf, einer zusätzlich eine kurze Geschichte über die Umstände, unter denen wir « Sunrise » gefunden haben. Jeder Cache hat seinen eigenen Namen, « Let it be » Ankunft in der Lämmerenhütte: Bis hierhin verlief die Suche auf ausgetretenen Pfaden.

oben am Finsteraarhorn beispielsweise, « Fenêtre d' Arpette » zuhinterst im Val Ferret oder « Calanca 2400 » unterhalb des Torent Alto.

Viele Schatzsucher

Nicht wenige der inzwischen über 1000 in der Schweiz registrierten Geocacher verbringen einen grossen Teil ihrer Freizeit mit der Schatzsuche. Dabei spielt es keine Rolle, was sich in einem Behälter befindet. Wichtiger sind die Erlebnisse draussen in der Natur. Das Spannendste: Geocaching motiviert zum Besuch von Orten, die oft nirgends beschrieben sind. Wer sich anstecken lässt, wird früher oder später ein eigenes Versteck installieren, er wird zum « Cache-Owner » oder Inhaber eines Verstecks in einem abgelegenen Tal, in einer Höhle oder an einem Waldrand, ein paar Meter neben einem Gipfelkreuz oder in der Nähe einer Hängebrücke. Dabei übernimmt der Inhaber Verantwortung, weil er andere zu Touren motiviert. Wer mit seinem Cache gegen die Spielregeln verstösst, beispielsweise die Natur belastet, Menschen einem unkalkulierbaren Risiko aussetzt oder den Lebensraum wilder Tiere stört, erhält schlechte Kritiken in seinen Logein-trägen. Schlecht gemachte Caches werden ignoriert. Inhaber wollen aber vor allem eines: anderen etwas Spezielles zeigen und gute Erlebnisse vermitteln. So kontrolliert sich das weltweite Spiel selbst.

Schatzfieber: Am Abend geht es an die detaillierte Planung der Route bis zum Versteck. Nun kommen die Infos aus dem Internet zum Zug. Für die Suche nach dem Versteck Namens « Sunrise » müssen zwei Tage investiert werden. Das erste Etappenziel, die Lämmerenhütte, lässt sich noch ohne GPS anpeilen.

Karte, GPS-Empfänger und die ausgedruckten Zusatzinfos aus dem Internet: Nur so lässt sich der Geocache « Sunrise » finden.

Fotos: Paul Christener

Geocaching-Kategorien

Wie bei allen Spielen, gibt es auch beim Geocaching Schwierigkeitsstufen und Variationen. Bei der einfachsten Version, dem « Traditional Cache », werden die Koordinaten des Verstecks angegeben. Sie entsprechen der Grundidee von Geocaching, weshalb sie als « Traditionals » bezeichnet werden. Oft dauert es nicht lange, bis sie gefunden sind. Wer Routine im Umgang mit Koordinaten und Landkarten hat, braucht zudem nicht unbedingt einen GPS-Empfänger. Insbesondere bei Kindern beliebt sind « Nacht-Caches »: Der GPSEmpfänger führt zu einem Punkt, der sich in der Regel an einem Waldrand befindet. Danach geht es nur noch mit Stirnlampen weiter. Kleine an Tannen und Bäumen befestigte Reflektoren weisen den Weg zum Ziel, das bei Tageslicht nicht gefunden werden kann.

Komplizierter sind « Mystery-Caches »: Zwar wird der Ausgangspunkt durch Der Geocache « Sunrise » stellt eine über das Bergwandern hinausgehende Anforderung, denn er ist ohne Gletscherausrüstung nicht erreichbar.

Trotz fieberhafter Suche nach dem Schatz schweift der Blick umher: Ein gewaltiges Panorama mit dem Walliser Weisshorn ( Mitte ) belohnt für die Mühen.

Fotos: Paul Christener Cache-Bewertungen Jeder Cache hat zwei Bewertungen. Die eine gibt Auskunft über das Gelände, die andere über die Schwierigkeit des Verstecks. Ein Stern steht für einfach, am schwierigsten sind Caches mit fünf Sternen. « Sunrise » hat einen Stern für die Lage des Verstecks und fünf für das Gelände. Piktogramme informieren zudem über spezielle Dinge, die zu beachten sind.

Koordinaten bestimmt, der Cache befindet sich jedoch an einer anderen Stelle. Um dorthin zu gelangen, ist ein Rätsel zu lösen. Dazu müssen beispielsweise schon zu Hause Informationen über das Gebiet gesucht, unterwegs eine Aufgabe gelöst oder die Koordinaten über wissenschaftliche Formeln berechnet werden. Fast schon Agentenhauch verströmt das « WebCamCache ». Dabei gilt es, eine bestimmte, öffentlich aufgestellte Kamera zu finden. Stellt man sich vor diese, muss eine Person zu Hause am Computer zeitgleich jenes Bild speichern. Dieses Bild dient als Nachweis, dass der « WebCamCache » gefunden wurde.

Jedes Versteck ein Abenteuer

Inzwischen ist es Abend geworden, wir sind wieder zu Hause. Der Bildschirm des Computers zeigt die Informations-seite des besuchten Caches. Wir tragen unseren Erfolg im Onlinelogbuch von « Sunrise » ein und ergänzen den Bericht mit Fotos. Einen Mausklick später erscheint die Übersichtsseite mit den Caches, die in den letzten Tagen lanciert wurden. Einer befindet sich am Ende eines Klettersteigs. Keine einfache Sache, trotz Müdigkeit erwacht aber die Lust an einem neuen Abenteuer. Schon jetzt ist klar, dass der nächste Geocaching-Aus-flug nur noch vom Wetter abhängt. a Paul Christener, Bern Die letzte Etappe vor dem Gipfel: Irgendwo dort oben muss sich das Versteck befinden. Geocache « Sunrise » gefunden! Ein leuchtendroter Plastikkoffer ist das Ziel. Seinen Inhalt tauschen wir gegen einen neuen aus – und verstecken den Koffer wieder. Auf dass es auch für die kommenden Schatzsucher spannend bleibt.

Der Weg ist das Ziel: Sonnenaufgang hinter Altels, Balmhorn und Rinderhorn

Berge und Umwelt

Montagne e ambiente

Montagnes et environnement

Vom Alpentäler-Bus zur « IG Bus Alpin »

Nach der erfolgreichen ersten Phase mit Alpentäler-Bus-Angeboten in vier Pilotregionen wird das Projekt ausgebaut – weiterhin mit Unterstützung durch den SAC.

Etliche bei Bergsportlern beliebte, entlegene Bergregionen sind nur ungenügend mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen. Deshalb haben die SAB 1 und der VCS zusammen mit dem SAC das Projekt « Alpentäler-Bus » ins Leben gerufen. 2 Der Busbetrieb läuft seit Sommer 2006 in vier Pilotregionen. Erste Auslas-tungszahlen weisen darauf hin, dass es sich lohnt, die Busbetriebe zum Wohl der Umwelt weiter zu betreiben. Zudem tragen die Busse zur regionalen Wertschöpfung bei. 3

« Bus Alpin » – schweizweite Plattform

Ermutigt vom Erfolg, plant die Projektleitung eine « IG Bus Alpin » zu bilden. Unterstützt wird sie dabei von den bisherigen Pilotregionen, Trägerorganisa-tionen sowie den neuen Mitträgern Pro Natura, PostAuto Schweiz AG und der Outdoorfirma Transa. Ziel der IG ist die Erschliessung der « letzten Meile im Freizeitverkehr » mit dem öV. Vorgesehen ist eine Plattform für Regionen, die bisher nicht von Abgeltungen des Bundes für den Regionalverkehr profitieren können. Auf der Basis des bislang erarbeiteten Know-hows sollen weitere Alpentäler-Bus-Angebote realisiert werden.

Der Zentralvorstand des SAC hat beschlossen, auch diese zweite, dreijährige Projektphase mit einem Beitrag von Fr. 12 00O.– aus dem Naturschutzfonds zu unterstützen. Erfolg haben die Busse aber nur, wenn sie auch rege benützt werden. a Jürg Meyer, Bereichsleiter Umwelt 1 SAB = Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für das Berggebiet 2 siehe auch ALPEN 7/06, S. 27 3 Fahrpläne der Alpentäler-Busse in den vier Pilotregionen: Gantrisch BE: www.gantrisch.c.h / wanderbus / Binntal VS: www.landschaftspark- binntal.ch / Greina GR/TI: www.vallumnezia.ch / Moosalp VS: www.toerbel.ch Schöne Aussichten auf der Moosalp oberhalb von Visp VS: Dank Neat-Anschluss und Alpentäler-Bus wird ab 2008 die Reise von Bern auf die Moosalp ziemlich genau zwei Stunden dauern statt der bisherigen drei.

Foto: Peter Salzmann

Charta als Richtschnur für neue Klettersteige

Klettersteige ja, aber mit Zurückhaltung!

Zwei Jahre nach dem Forum von Engelberg liegt die Klettersteig-Charta in ihrer Endfassung vor. Sie setzt in erster Linie Leitplanken für eine vernünftige Entwicklung der Klettersteige.

Die Begehung von Felswänden mit Stahlseil und Eisenstufen ist beliebter denn je. Wurde 1993 an der Gadmenflue im Berner Oberland der erste moderne Klettersteig eingerichtet, durchziehen heute über 40 dieser Anlagen die Schweizer Bergflanken. Die Erschliessungswelle freut nicht alle gleichermassen, deshalb setzten sich vor zwei Jahren auf Initiative des SAC mehrere Verbände mit dem Ziel zusammen, Leitplanken für den Bau weiterer Klettersteige zu verfassen. 1 Zentrale Feststellung der von zahlreichen Organisationen 2 unterstützten und vom SAC-Zentralvorstand verabschiedeten Charta ist, dass es « ein Nebeneinander von technisch erschlossenen und nicht erschlossenen Gebieten und Geländekammern in den Alpen braucht. Klettersteige stellen einerseits eine wertvolle Ergänzung im touristischen Angebot des Berggebiets und unter den bergsportlichen Aktivitäten dar, andererseits sind sie Eingriffe in die Natur und Landschaft. Die Errichtung von neuen Klettersteigen soll sich deshalb innerhalb gewisser Grenzen bewegen ».

Klarere Grenzen

Diese Grenzen werden in der Folge genauer formuliert. Neben dem Hinweis, dass Klettersteige bewilligungspflichtige Anlagen sind, empfiehlt die Charta, dass die Anlagen nur in Gebieten mit bereits vorhandenen touristischen Infrastrukturen und nicht im unerschlossenen Hochgebirge errichtet werden sollen. Es müssen alle interessierten Kreise in der Region einbezogen und auf Schutzanliegen muss Rücksicht genommen werden. 1 Siehe auch ALPEN 8/05, S. 24–27 2 Formell unterstützt haben das Dokument etwa der Schweizer Bergführer- und der Tourismusverband, das BAFU, die kantonalen Naturschutzbe-auftragten und die Naturfreunde. Einige Schutzorganisationen stehen ebenfalls dahinter. Sie hatten jedoch einen Vorbehalt gegenüber einer zahlenmässigen Beschränkung der Klettersteige auf maximal 100.

Zudem gehören auch die Zugangs- und Abstiegswege in die Planung. Ferner soll ein Aufschaukeln zu immer aufwendigeren Anlagen vermieden werden.

Nationale Richtschnur

Dringendes Anliegen des SAC ist es, dass Initianten von neuen Klettersteigen sowie die kantonalen Bewilligungsbehör-den der Charta folgen. Denn die Charta hat zwar keine Rechtskraft, ist aber als breit abgestütztes Dokument eine ernst zu nehmende Richtschnur. Diese soll eine schweizweit vergleichbare Praxis ermöglichen und einen Wildwuchs vermeiden. Die vollständige Charta ist auf der SAC-Website als Download verfügbar.

Als Initiant hofft der SAC, damit einen Beitrag zu einer zurückhaltenden und gegenüber der Natur und Landschaft rücksichtsvollen Planung von neuen Klettersteigen geleistet zu haben. Denn unerschlossene Naturlandschaft hat einen hohen Wert. a Jürg Meyer, Bereichsleiter Umwelt Markus Ruff, Bereichsassistent Umwelt Weniger ist mehr: Grössere Bauwerke wie Tyroliennes, Hängebrücken und Kletternetze sollen die Ausnahme bleiben. Es darf kein Hochschaukeln zu immer aufwendigeren Installationen stattfinden. Ausbau regional eingrenzen: Punkt zwei der Klettersteig-charta besagt, dass « das eigentliche Hochgebirge von Klettersteigen frei bleiben soll »; etwa das Saleinaz-Gebiet im Unterwallis.

Anreise berücksichtigen: Zu- und Abstieg sind Bestandteil des Klettersteiges und müssen in die Planung einbezogen werden, verlangt die Charta. Ein gutes Beispiel dafür ist der beliebte Klettersteig Allmenalp bei Kandersteg.

Fotos: Michael Sieber/zvg Foto: Jürg Meyer/Archiv T E X T / F o T o sAndré Girard, Boveresse/ü

ie Osteria Petra Moneta auf der Strasse zwischen Île Rousse und St. Florent hat Charakter. Als « letztes Restaurant vor der Wüste » angekündigt, ist das düstere, alte Gebäude von Kakteen flankiert. Eine Wand voller Moufflonschädel und Steinbockhörner unterstreicht den Ernst der Lage, dem abenteuerlustigen Wanderer wird der Kaffee in einer Maurenkopftasse serviert. Sollte man es sich hier nochmals in Ruhe überlegen wollen: Die Osteria ist eine « Ferme-Auberge », ein Bauernhof mit Gasthaus.

D 81 – eine Departementstrasse mit Aussicht

Kurz danach gabelt sich die Strasse. Rechts kann man auf dem Asphalt Richtung Bastia preschen; links auf der D81

D

in die Felswüste namens « Désert des Agriate » eindringen. Die von Riesenfencheln gesäumte Strasse umkurvt den Monte Genova zwischen dem kleinen Pass Bocca di Vezzu und der Bucht von St. Florent; sie bildet eine Art Balkon von der Agriate aus mit Blick aufs Meer.

Der Bocca di Vezzu lädt zum Verweilen ein. Denn von hier aus gesehen ähnelt Korsika, die « Ile de Beauté », einer Faust, deren nach oben gerichteter Zeigefinger aus dem zum Kontinent zeigenden Cap Corse besteht. Das Agriate-Gebiet befindet sich am äussersten Ende des hervorstehenden Fingerglieds des Mittelfingers. Das Gebiet umfasst 15 000 Hektar, die sich um ein eindrückliches, zerfurchtes Massiv gruppieren: Darin überragt der Monte Genova, einem Ritterhelm gleich, verschiedene Täler und eine zerstückelte Küstenlinie.

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