Alpine Rettung 2002 in Zahlen. Höhere Effizienz der Retter

Höhere Effizienz der Retter

Die Alpine Rettung SAC verzeichnete im letzten Jahr weniger Einsatzstunden, zählte aber gleich viele Einsätze, und die Zahl der geretteten Personen nahm um 6% ab. Die Effizienz konnte also gesteigert werden. Im Übrigen liegt der Anteil der geretteten SAC-Mitglieder im Berichtsjahr wiederum über dem Durchschnitt der Vorjahre.

Die Rettungstätigkeit hat im Jahr 2002 nur unwesentlich zugenommen. Die Zahl der Beteiligten ( Patienten, Verunfallte ) hat sich mit 575 Personen um 6% verringert und sich damit den Werten der Vorjahre angenähert.

Saisonale Unterschiede Die Einsatzstatistik aufgeschlüsselt nach Monaten widerspiegelt die extremen Klimabedingungen im Jahr 2002. Der Februar war durch die unbeständigen und viel zu hohen Temperaturen nicht geeignet für Skitouren. Dafür wurden im März mehr Unfälle registriert, was auf eine erhöhte Tourentätigkeit schliessen lässt. Die Monate Juli und August waren sehr wechselhaft, was sich in einer eher reduzierten Einsatztätigkeit offenbart. Ein massiver Wintereinbruch Ende September gebot der Wandersaison ein jähes Ende. Durch den vermehrten Einsatz von Rettungsspezialisten und die Anwendung der neuen Einsatzrichtlinien bei Lawineneinsätzen, welche die Einsatzmittel gezielter auf das Lawinenfeld bringen, hat sich die Gesamteinsatzdauer um 24,. " " .5% auf 9615 Stunden verringert. Die durchschnittliche Einsatzzeit liegt jetzt bei 22 Stunden.

Einsatzarten und Gerettete Im Jahr 2002 rettete die Alpine Rettung SAC 124 Personen ( 22% ), die eine bergsportfremde Tätigkeit ausübten, wozu auch Präventiveinsätze und Fehlalarme gezählt werden. Der grösste Teil der Einsätze ( 78% ) wurde für Bergsportunfälle ( Bergwandern, Hochtouren, Skitouren, Varianten-, Ski- und Snowboardfahren, Klettern, Gleitschirm- und Deltafliegen, Canyoning ) aufgewendet.

Im Jahr 2002 ist eine starke Zunahme der Kletterunfälle sowie der Varianten-skiunfälle zu verzeichnen. Im Alpsteingebirge stieg der Anteil an Kletterunfällen um beinahe 100%. Bei den Alpin-Wan-derunfällen und auf Hochtouren ist erfreulicherweise ein Rückgang zu verzeichnen. Da beim Alpinwandern am meisten Unfälle registriert werden, ist diese Tendenz sehr erfreulich. Der Anteil der geretteten SAC-Mitglieder liegt dieses Jahr mit 12,. " " .5% erneut über dem langjährigen Durchschnitt von ca. 10%. Im Berichtsjahr wurden 381 Schweizer Bürger in Bergunfälle verwickelt ( –11,. " " .6% ). Die Zahl der Bergunfälle, die deutsche Staatsbürger betrafen, liegt mit 99 Personen über dem Fünfjahreswert.

Rettungstätigkeit in den Zonen Die Rettungseinsätze stiegen in den Rettungszonen der Südschweiz und im Alpstein leicht an. Im Engadin und im Tessin dürften die grossen Neuschneemengen bis in den Frühling für die zahlreichen Unfälle verantwortlich gewesen sein.

Die Auswertung der Patientendaten nach Kantonszugehörigkeit zeigt deutlich, dass der Anteil der so genannten « Flachland-Kantonsbewohner » in der Rettungstätigkeit des SAC nicht unbedeutend ist.

Fallbeispiel 1: Alarm aus der Gletscherspalte per Natel Ein einzelner Skitourist fuhr im Juli von der Bellavista über den Morteratschgletscher in Richtung Bovalhütte. Der Gletscher war im unteren Teil aper, und der Mann fuhr im Zickzack über Hunderte von Gletscherspalten auf der Suche nach Firn. Auf der Höhe von ca. 2800 m fiel er in eine Gletscherspalte und blieb in rund 6 m Tiefe eingeklemmt und an der Schulter verletzt liegen. Mit viel Glück

0 100 200 300 400 500 700 Rettungseinsätze Beteiligte 600 1998 1999 2000 2001 2002 0 Jan. Feb. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez.

10 20 30 40 50 60 70 90 2002 1998 1999 2000 2001 80 0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000 16000 18000 20000 Anteil Std. für Suchaktionen Einsatz-Std.

2001 2000 1999 1998 2002 Ø 32 Std/ Einsatz Ø 43 Std/ Einsatz Ø 26 Std/ Einsatz Ø 30 Std/ Einsatz Ø 22 Std/ Einsatz Grafik 1 Anzahl Beteiligte und Rettungseinsätze 1998–2002 Grafik 2 Anzahl Einsätze nach Monaten Grafik 3 Aufteilung der Einsatzstunden DIE ALPEN 5/2003

konnte er das Natel in die Hand nehmen und aus der Spalte um Hilfe rufen. Nach Eingang der Alarmierung konnte mit dem Verletzten eine Telefonverbindung aufgenommen werden. Die Unfallstelle war nicht klar, doch nach längerem Suchflug und stetiger Natelverbindung konnte die Einsturzstelle gefunden werden. Der Skifahrer wurde mit leichten Verletzungen und einer starken Unterkühlung geborgen. Fallsbeispiel 2: Suche von Lawinenverschütteten mit LVS aus Helikopter Ein ortskundiger Skifahrer fuhr mit einer Begleiterin in einen steilen Nordhang im Variantenbereich einer bekannten Bergbahn. Kurz unterhalb des Grates löste er ein Schneebrett aus und wurde ca. 400 m mitgerissen und verschüttet. Seine Begleiterin blieb knapp oberhalb der Anrisszone stehen und alarmierte mit dem Natel die Einsatzzentrale der Rega. Bereits nach 5 Minuten war der erste Rega-Heli-kopter an Ort und Stelle. Dank der Angaben der Begleiterin wusste man, dass ihr Freund ein LVS auf sich trug. Sofort wurde aus dem Helikopter mit LVS und externer Antenne gesucht, und schon nach 3 Minuten konnte er geortet und 17 Minuten nach dem Unfall mit leichten Verletzungen geborgen werden. Der

Der Helikoptereinsatz gewährleistet die effiziente Rettung des Patienten.

SAC-Retter leisten einen wichtigen Beitrag für die Erstversorgung der Patienten ( Foto nachgestellt ).

Fotos: SAC-Archiv Bergnotfälle Andere Notfälle 0 50 100 150 200 250 300 350 400 450 500 2002 2001 2000 1999 1998 Andere ( Canyoning ) Eisf allkl ett ern De lta Varian ten Sno wb oard Glei tsch irm Varian ten Sk i Kle ttern Sk ito ur Ho ch tou r Wandern ( A lpin ) 0 50 100 150 200 1998 1999 2000 2001 2002 2002 Zone 10 Jura Zone 9 T ici no Zone 7 R om an die Zone 6 B erner Ob erl an d Zone 5 Zen tra lsc hw eiz Zone 4 G laru s Zone 3 E ng ad in Zone 2 G rau bü nd en Zone 1 Alp ste in 0 20 40 60 80 100 120 140 1998 1999 2000 2001 2002 Grafik 4 Anzahl Bergnotfälle und andere Notfälle Grafik 5 Nach Tätigkeit unterteilte Notfälle Grafik 6 Einsatz nach Zonen DIE ALPEN 5/2003

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Einsatz von geeigneten Suchmitteln wird immer wichtiger. Die Zeit ist bei Lawinenunfällen ein entscheidender Faktor. Bei einer herkömmlichen Suche mit Hund und Sondiermannschaft hätte der Verschüttete mit grosser Sicherheit nicht mehr rechtzeitig geborgen werden können.

Fallbeispiel 3: Hilferufe aus der Felswand Kurz nach 19.00 Uhr hörten Passanten in Interlaken Hilferufe aus der Felswand am Harder. Die alarmierte Kantonspolizei und die SAC-Retter konnten die Hilferufe ebenfalls hören. Darauf wurden zwei Suchgruppen gebildet,die im unwegsamen Gelände nach dem vermeintlich Hilfebedürftigen suchten. Die Suchmannschaften erreichten um ca. 22.30 Uhr ohne Ergebnis den Harder. Die Suche musste abgebrochen werden. Es wurden in der Folge keine Vermissten gemeldet, und dieser Vorfall muss als Schulbuben-streich verbucht werden. Offenbar macht es einigen Leuten Spass, Retter in Gefahr zu bringen. Durch dieses unvernünftige Handeln können leicht Unfälle passieren. Leider nehmen derartige Vorkommnisse zu und Präventiveinsätze häufen sich. Kommentar Die Bemühungen, die Unfallzahlen zu reduzieren und die Ausbildung voranzutreiben, haben sich nur unwesentlich in der Statistik ausgewirkt. Immerhin weist die Kurve der involvierten Personen nach unten, was als Erfolg gewertet werden kann. Die gute Ausbildung der SAC-Retter schlägt sich zunehmend in der Statistik nieder: Es wurden im Jahr 2002 markant weniger Einsatzstunden geleistet. Dies ist auf die vermehrte Tätigkeit der Rettungsspezialisten RSH zurückzuführen, die zusammen mit Flugrettungsunternehmen kurze, aber sehr effiziente Rettungseinsätze durchführen. Zudem konnte dank einer guten Ausbildung der Einsatzleiter die Effizienz bei Suchaktionen gesteigert werden. Als Novum zeichnet sich die neue Einsatztaktik bei Lawinenunfällen aus. Dabei werden zusammen mit der EZ Rega die vorhandenen Kommunikationsmittel wie Natel und Funk gezielter eingesetzt. Der Einsatzleiter kann so die richtigen Einsatzmittel auf den Unfallplatz entsenden. Dadurch verringert sich der personelle Aufwand, was sich wiederum in sinkenden Einsatzstunden zeigt. Leider wirkt sich diese grundsätzlich positive Tendenz nicht sehr günstig auf die Finanzen der Rettung aus, da die Haupt-einnahmen für die Ausbildung und das Material immer noch von der Verrechnung der Einsätze abhängt. a

Hans Jaggi, für die Rettungskommission SAC, Arbeitsgruppe Statistik Dank der guten Zusammenarbeit zwischen der Rega und dem SAC können schwierigste Rettungen durchgeführt werden.

Fo to :SA C-Ar chi v

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