Am Berg

« Der Berg gibt die Antwort, der Berg gibt immer die Antwort. » Dieser Satz ist typisch für die Erzählung Am Berg. Der Arzt und Autor Peter Weibel führt darin vier Personen – einen alten lebensmüden Mann, einen Hüttenwart und ein junges Liebespaar – zuerst in einer Hütte und später nochmals an einem Berg zusammen. Dabei spielt der Berg auf ganz verschiedene Weise Schicksal. Der spannende Ansatz birgt die Gefahr, ins Pathetische abzurutschen, und dagegen ist auch Weibel nicht gefeit. So folgen neben der zu Beginn erwähnten Formulierung noch weitere apodiktische wie « Der Berg gibt immer zurück, was er sich genommen hat » oder seltsame wie « Das Dröhnen des Motors... klirrte wie wütender Donner durch die erschrockenen Wände. » Dazwischen bedient sich der Autor aber auch leiserer, fragender Töne. Wenn er darüber sinniert, ob man einen Helikopter anfordern soll und gleichzeitig wünschen kann, dass er zu spät kommt, oder eine Frau ihren Mann fragt, an was er glaube, wenn er sich dem Reich der Steine übergibt, dann zeugt das von breiter Auseinandersetzung mit möglichen existenziellen Erfahrungen in den Bergen. Dass der Autor die Antworten auf grosse Lebensfragen den Bergen überlässt, überzeugt aber bis zum Schluss nicht ganz.

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