Bergkameraden Soziale Nahbeziehungen im alpinistischen Diskurs (1860-2010)

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war die Verknüpfung von Bergsteigen mit dem Ideal von männlicher Härte und Kameradschaft ganz selbstverständlich. Gipfel erobern war klar Männersache. Frauen hatten keinen Platz. Ihnen wurde die Vereinsmitgliedschaft verweigert, Expeditionseinladungen wurden ihnen versagt, ihre Fähigkeiten am Berg wurden infrage gestellt. Hier setzt die Autorin den Hebel ihrer Analyse an. In ihrer Dissertation seziert sie auf hohem akademischem Niveau die Bergliteratur der zurückliegenden 150 Jahre und geht der spannenden Frage nach, wie Männerfreundschaften und soziale Nahbeziehungen in Bergbüchern und Tourenberichten dargestellt wurden. Dabei fördert sie bemerkenswerte Zusammenhänge zutage. Gerade in den 1930er-Jahren galten Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen als höchste kriegerische Ideale, wie etwa der Dolomitenkrieg zeigt. Den Berg galt es als imaginierten Gegner zu bezwingen, und unbekanntes Territorium galt es zu erobern.

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