Bislang erfolgreichste Sportklettersaison. Rückblick auf das 2. Halbjahr der Wettkampfsaison 2004

Bislang erfolgreichste Sportklettersaison

Alexandra Eyer als Gesamtweltcup-Dritte und gleichzeitig die bislang erfolgreichste Saison des Schweizer Sportkletterteams: Die Wettkampfsaison 2004 setzt hohe Massstäbe für die nächsten Jahre.

Mit dem letzten nationalen Wettkampf der Erwachsenen im Bouldern Mitte Dezember in Schaffhausen sowie dem Weltcup der Elite und dem Europacup der Jugend und Junioren in Kranj ( Slowenien ) ging die Sportklettersaison 2004 zu Ende – und damit ein äusserst erfolgreiches Jahr für die Schweizer Sportkletterer.

Weltcupsiegerin und Nummer 3: Alexandra Eyer

Mit dem Wettkampf in Chamonix, wo der erstmalige Sprung auf ein Weltcup-podest Realität wurde, und den Masters in Serre-Chevalier und Arco begann die eindrückliche Erfolgsserie von Alexandra Eyer. Gekrönt wurde die Saison dann von einem souveränen Weltcupsieg in Brno ( Tschechien ) und einem ebenso wertvollen dritten Schlussrang im Gesamtweltcup 2004, unmittelbar hinter ihrem langjährigen Vorbild Muriel Sarkany aus Belgien. Sieben Finalqualifikationen an neun Weltcups in der Disziplin Schwierigkeitsklettern mit insgesamt drei Podestplätzen sind Zeichen einer hervorragenden Konstanz an den unterschiedlichsten Wandsystemen mit immer wieder neuem Routencharakter. Die Gründe für diese Leistungsentwick-lung liegen in den über Jahre erworbenen technischen Fähigkeiten der Athletin und in der enorm verbesserten mentalen Stärke für die Bewältigung der komplexen Wettkampfsituation. Dazu kommen konsequente Arbeit an den physischen Voraussetzungen sowie eine professionelle Einstellung in der Gestaltung des persönlichen Umfeldes. Alexandra Eyer hat schon immer mit ihrer Art des Kletterns beeindruckt und ist dadurch ein grosses Vorbild für viele junge Kletterinnen. Zu ihren sportlichen Erfolgen ist nun aber noch das Charisma einer überaus sympathischen Siegerin dazugekommen. Nicht zuletzt dank ihrer Persönlichkeit hat das Sportklettern in der breiten Öffentlichkeit weiter an Interesse gewonnen.

Weltcupsiege nur sehr knapp verpasst: Matthias Müller und Cédric Lachat

Was Alexandra Eyer schaffte, blieb Matthias Müller in der vergangenen Saison knapp verwehrt. Seinen Aufstieg in die absolute Weltelite der Boulderer krönte er im August in Bardonnecchia ( Italien ) mit einem zweiten Rang. Nur ganz wenig fehlte, und erstmals wäre ein Schweizer ganz oben auf dem Podest eines grossen internationalen Boulderwett-kampfes gestanden. Unbeeindruckt von dieser Tatsache gelang Matthias Müller Alexandra Eyer beendete die Saison 2004 als Welt-cup-Gesamtdritte. Hier am Weltcupwettkampf in Shanghai Im tschechischen Brünn errang Alexandra Eyer ( Mitte ) ihren bisher grössten Erfolg: Erstmals stand sie als Siegerin in einem Weltcupwettkampf auf dem Podest. Links die zweit-platzierte Olha Shala-hina ( UKR ) und rechts die drittplatzierte Maja Vidmar ( SLO ) Foto: Lukas Iseli Foto: Urs Schönenber ger aber bereits zwei Wochen später der grosse Coup des Jahres. Bei seiner ersten Teilnahme am traditionellen Masters von Arco gewann er gleich diesen prestigeträchtigen Anlass. Nach Susi Good und Elie Chevieux fand damit ein dritter Schweizer Aufnahme in einer der prominentesten Siegerlisten des Sportkletterns. Die Saison beendete Matthias Müller nach einem 12. Rang in Houzou ( China ) auf dem hervorragenden sechsten Ge-samtschlussrang.

Cédric Lachat startete glänzend in die Saison und übertraf mit zwei Podestplätzen an den ersten beiden Weltcups all seine bisherigen Bestmarken. Im belgischen Puurs verpasste er mit einem 2. Rang seinen ersten Weltcupsieg ebenfalls nur ganz knapp. Danach gestaltete sich die Saison mit dem Lehrabschluss und dem Aufbau einer professionellen Karriere schwierig. Nach fehlenden weiteren Topklassierungen und eher unrealistisch scheinenden Spitzenresultaten wurde eine Erholungsphase eingeplant. Ausgerechnet in dieser Zeit musste er nach einem nicht selbstverschuldeten Autounfall die Saison frühzeitig beenden. Die Wiederaufnahme des Klettertrainings wird frühestens im Februar 2005 möglich sein.

Spitze beim Nachwuchs: Christina Schmid und Daniel Winkler

Bereits in ihrer zweiten internationalen Saison konnte die 15-jährige Christina Schmid an der WM im schottischen Edinburgh in einem überaus grossen und leistungsstarken Teilnehmerfeld eine Medaille gewinnen und sich als Vize-Weltmeisterin feiern lassen. Auch den Europacup bestritt sie mit grossem Erfolg, wie der Sieg am Wettkampf in Genf und der 2. Schlussrang in der Gesamtwertung belegen.

Der 18-jährige Freiburger Daniel Winkler zählt zur nächsten Generation von Kletterern, die nicht nur bei den Junioren – 5. an den Weltmeisterschaften, 3. Schlussrang im Europacup – ihre Leistungen erbringen, sondern auch bei der Elite an die Spitze vordrängen und mit Topresultaten aufwarten. Auf nationaler Ebene sicherte er sich in Abwesenheit von Cédric Lachat souverän den Titel des Schweizer Meisters im Schwierigkeitsklettern, und im Weltcup erreichte er bei all seinen sechs Starts die Halbfinals, was ihm in der Gesamtwertung den 29. Schlussrang einbrachte. Höhepunkt war aber zweifellos der Finalplatz an den Elite-Europameisterschaften in Italien. 1

Steigendes Interesse am Sportklettern

Diese Erfolge sind Teil eines richtigen Sportkletter-Booms, der gut strukturiert aus einem starken Verband heraus grosse Wirkung in alle Richtungen erzielt: In der Schule ist Klettern populärer denn je, Leiterkurse sind ausgebucht und müssen doppelt geführt werden, regionale Wettkämpfe stossen mit gegen 200 Teilneh-mer/innen an ihre logistischen Grenzen, und im Wettkampfkalender 2005 findet sich kaum noch ein freies Datum. In den Berichterstattungen der Medien hat das Sportklettern den Schritt von der trendigen Betätigung zur anerkannten Sportart geschafft, was sich wiederum auf die Zusammenarbeit mit Partnern für die nationale Wettkampfreihe ( Ford ) und die Nationalmannschaft ( The North Face ) positiv auswirkt. Beide sind an einer Fortsetzung der eingeschlagenen Strategie interessiert und werden somit auch im kommenden Jahr das Erscheinungsbild der nationalen Wettkampfreihe und der Nationalmannschaft positiv mitgestalten. a Hanspeter Sigrist, Chef Leistungssport Sportklettern 1 Alle Ranglisten finden Sie im Internet unter www.digitalROCK.de/sac_calendar.php und die Pressetexte zu den Resultaten der Schweizer unter www.sac-cas.ch in der Rubrik Sport/Sportklettern/ Info/Pressetexte.

Daniel Winkler wurde Zweiter im Gesamteuropacup bei den Junioren und Schweizer Meister der Elite.

Matthias Müller auf dem Weg nach ganz oben: Sieger am Rockmaster in Arco ( ITA ) Matthias Müller schaffte in diesem Jahr den internationalen Durchbruch. An der EM in Lecco ( ITA ) wurde er Vierter.

Foto: Karsten Borowka Foto: Felix Frey Foto: Urs Schönenber ger

Berge und Umwelt

Montagne e ambiente

Montagnes et environnement

Auf dem Weg zu einer neuen Regionalpolitik

Das Berggebiet am Scheideweg?

Wir Bergsportler profitieren bei unseren Touren von Infrastruktur und Dienstleistungen im Berggebiet und freuen uns über eine attraktive Kulturlandschaft. Wie lange noch? Sind wir als Bürger bereit, uns für Entwicklungen und Herausforderungen für das Berggebiet, also für die Regionalpolitik, einzusetzen?

Postautos, die bis in die letzten Ortschaften unseres Landes verkehren, geteerte Strassen in die hintersten Seitentäler, eine gut ausgebaute kommunale Infrastruktur mit Schulhäusern, Turnhallen usw. So könnte ein oberflächlicher Beobachter die Schweizer Berggebiete heute wahrnehmen. Tatsächlich konnten gerade in den erwähnten Infrastrukturbereichen in den letzten 30 Jahren beträchtliche Erfolge erzielt und der massive Entwick-lungsrückstand der Berggebiete teilweise korrigiert werden. Der äussere Schein trügt jedoch. Das Bild der geteerten Strassen ist symbolisch. Diese Strassen wurden vielfach im Rahmen des Kraft-werkbaus erstellt. Sie müssen teilweise dringend erneuert werden, was die eher finanzschwachen Berggebietskantone vor erhebliche Probleme stellt.

Attraktive Arbeitsplätze gesucht

Doch dies ist nur eine Facette des Problems. Infrastruktureinrichtungen sind wichtige Elemente der Standortattrakti-vität unserer Bergregionen. Sie alleine genügen aber nicht, um der Bevölkerung wirtschaftliche Entwicklungsperspekti-ven zu ermöglichen. Dazu braucht es attraktive und moderne Arbeitsplätze. Die Berggebiete haben seit dem Zweiten Weltkrieg den Wandel von der Agrar- zur Dienstleistungsgesellschaft vollzogen. Einige Regionen haben zudem den Weg über eine industrielle Ausrichtung wie z.B. im Jurabogen beschritten. Damit ist auch gesagt, dass es das typische Berggebiet nicht gibt. Gemeinsam ist den 54 Bergregionen der Schweiz, dass sie oft von wenigen Leitbranchen wie Tourismus, Landwirtschaft oder Baugewerbe abhängig sind. Diese Leitbran-chen reagieren sehr anfällig auf Krisen. Innovation und Vermarktung neuer Angebote innerhalb der bestehenden Bran-chenstrukturen sind ein Muss, ebenso wie die möglichst intensive Zusammenarbeit unter den Branchen. Die Bergregionen müssen aber auch dringend eine Di-versifikation der wirtschaftlichen Struktur anstreben. Dabei sind auch sie dem globalen Standortwettbewerb ausgesetzt. Ihren Trümpfen wie gut ausgebildete und motivierte Arbeitskräfte stehen strukturelle Hindernisse wie kleine Märkte und längere Transportdistanzen gegenüber. Um diese Herausforderungen zu meistern, braucht es eine staatliche Unterstützung in Form der Regionalpolitik. Sie soll es den benachteiligten Regionen ermöglichen, ihr Potenzial zu nutzen und langfristige Perspektiven als Lebens- und Wirtschaftsraum zu eröffnen.

Von der bisherigen zur neuen Regionalpolitik

Die bisherige Regionalpolitik konzentrierte sich richtigerweise vor allem auf Bisher wurde mit der Berggebietspolitik vor allem in Infrastrukturen investiert. Bergstation Riederhorn Die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen im Berggebiet sind dem SAC nicht gleichgültig, haben sie doch Auswirkungen sowohl auf den Bergsport als auch auf Natur und Landschaft. Riederalp/VS Fotos: Ar chiv Jür g Mey er den Rückstand in der Infrastrukturaus-stattung. Diese Infrastruktur muss auch in Zukunft erneuert und an die Bedürfnisse der Einheimischen und Gäste angepasst werden. Vermehrt muss aber auch die wirtschaftliche Wettbewerbsfä-higkeit gefördert werden. Um beide Ziele zu vereinen, braucht es ein neues regio-nalpolitisches Rahmengesetz. Der Bundesrat hat im Jahr 2004 ein derartiges Gesetz vorgeschlagen, das aber zu einseitig auf die wirtschaftlichen Aspekte ausgerichtet war. In der Überarbeitung sollten auch die soziale und ökologische Komponente berücksichtigt werden. Ziel wäre eine integrierte Politik für den ländlichen Raum in der Schweiz, denn die Regionalpolitik ist in der Schweiz im Unterschied etwa zur EU derart schwach dotiert, dass sie möglichst optimal mit den verschiedenen anderen raumwirksa-men Politikbereichen sowie unter den staatspolitischen Ebenen koordiniert werden muss.

Neue Regionalpolitik

Die Schweiz kennt seit der Schaffung des Investitionshilfegesetzes 1974 eine Regionalpolitik. Dazu kommen das Bundesgesetz über die Bürgschaftsgewährung im Berggebiet, der Bonny-Beschluss und der Bundesbeschluss Regio Plus. Insgesamt stehen pro Jahr rund 70 Mio. Fr. zur Verfügung. Mit der neuen Regionalpolitik sollen die bestehenden Instrumente zu einem einzigen Bundesgesetz zusammengefasst werden. Gleichzeitig soll der Geltungsbereich gemäss dem Vorschlag des Bundes auf die gesamte Schweiz ausgedehnt und so auch die Ag-glomerationspolitik einbezogen werden. Mit der neuen Regionalpolitik soll eine radikale Abkehr von der Infrastruktur-förderung hin zur Förderung der Wettbe-werbsfähigkeit vollzogen werden. Diese Vorschläge stiessen in der im Sommer 2004 durchgeführten Vernehmlassung auf harsche Kritik und werden derzeit überarbeitet. a Thomas Egger, Direktor Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete SAB Einige Zahlen zur Berggebietsförderung Die schweizerischen Berggebiete umfassen zwei Drittel der Landesfläche und ein Viertel der Bevölkerung. Über das Investitionshilfegesetz wurden seit 1974 rückzahlbare Darlehen von 2,9 Mrd. Fr. gewährt. Mit diesem Bundesbeitrag konnten 8363 Projekte mit Gesamtkosten von 19,. " " .1 Mrd. Fr. realisiert werden. Durch das Bundesgesetz über die Bürg-schaftsgewährung im Berggebiet werden jährlich rund 12 Mio. Fr. an Bürg-schaften gewährt. Die Aufwendungen des Bundesbeschlusses über wirtschaftliche Erneuerungsgebiete ( Bon-ny-Beschluss ) variieren stark von Jahr zu Jahr. Im Durchschnitt werden Zinskos-tenbeiträge von ca. 2 Mio. Fr. und Bürg-schaften von ca. 25 Mio. Fr. gewährt. Der Bundesbeschluss Regio Plus bezweckt die Förderung der branchenübergreifen-den Kooperation. Dafür stehen im Zeitraum 1997–2007 70 Mio. Fr. zur Verfügung.

Was wird die Zukunft Bergtälern wie dem Lötschental bringen? Infrastrukturen allein genügen nicht.

Ein ganzes Büschel von politischen Förderinstrumenten stand für die Berggebietspolitik bisher zur Verfügung. Mit der neuen Regionalpolitik sollen die Schwerpunkte verschoben werden. Liebliche Kultur- und wilde Hochgebirgslandschaft nebeneinander – das Markenzeichen der Alpen. Wie lange noch? Stadel ob Grindelwald

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