Der Berg

Insofern ist « Höhenflug » eben mehr als nur ein visueller Expeditionsbericht: Er ist ein Bergfilm, der Gänsehaut erzeugt wie der ewige Sturmwind in Patagonien. Er lässt die Tiefe in uns und um uns erahnen, wenn wir höher steigen, und warum wir dies tun. Daniel Anker, Bern

Der Berg

Kunst + Architektur in der Schweiz, 2, 59. Jahrgang, 2008, Fr 25.– Der Wirtshaussaal ist mit der Schweizer Alpenlandschaft tapeziert. Da der Raum, in dem sich die demokratische Bewegung trifft, zu wenig hoch ist, stossen die Gipfel auf der russigen Tapete an der Decke zusammen. Auf diese satirische Weise deutet Gottfried Keller den Alpen-mythos in ein Gefängnis um. Diese Novelle aus Die Leute aus Seldwyla ist nur ein Beispiel, wie sich die Kunst kritisch mit den Bergen auseinandersetzt. In der zweiten Ausgabe der Zeitschrift « Kunst + Architektur in der Schweiz » von diesem Jahr finden sich weitere Beispiele davon. Anhand von sechs, nicht immer einfach geschriebenen Aufsätzen erfährt der Leser, wie Künstler und Architekten die Berge in ihrem Werk aufgreifen. Dass der Alpen-mythos eine mentale Konstruktionsleis-tung ist, verdeutlicht beispielsweise das laufende Projekt Vue des Alpes von Stu-der/van den Berg, bei dem man sich übers Web in ein digitales Alpenhotel mit virtuellen Ausflügen auf fiktive Gipfel wie das Gleissenhorn begeben kann. Das Heft geht aber auch auf frühere künstlerische Auseinandersetzungen mit den Alpen ein. Beispielsweise half die Fotografie mit, die Ästhetik der Berge ins Bewusstsein zu rücken, markiert heute aber durch Überhöhung Distanz. Spannend auch, dass Placi a Spescha bereits 1805 eine frühe Plansiedlung für den Weiler Tujetsch im Bündner Oberland entwarf. Wer kritische, aber nicht destruktive Begegnungen mit den Alpen mag, liest das « Bergheft » mit Gewinn. Christoph Meier

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