Der «Concierge» der Sommêtres. Arthur Visoni 1902–1986

Arthur Visoni 1902–1986

Der « Concierge » der Sommêtres

Der Kletterer Arthur Visoni hat sich mit viel Energie für das Felsmassiv Les Sommêtres im Jura eingesetzt. Er hat Wege angelegt, neue Routen eröffnet und das Bouldern entwickelt. Mit « Miroir Visoni » hat er ausserdem die erste 6a-Route im Jura eröffnet.

In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts war das Klettern in den Sommêtres eine klassische Angelegenheit inmitten einer intakten Natur. Zu Fuss oder per Velo begab man sich an die Ausgangspunkte. Unter den Kletterern, die mehrheitlich aus der Stadt kamen, gab es einige, die unermüdlich Neues erforschten und ihre Namen im Gelände hinterliessen. Der aktivste unter ihnen war Arthur Visoni, klein, mager, sehr ruhig und diskret, Sohn einer aus Italien stammenden, musikalischen Familie, die sich in Freiburg niedergelassen hatte und Nach einigen Sonnenstunden mit milden Temperaturen kanns hier auf 1000 m besonders im Winter rasch empfindlich kalt werden. Régis Dubois in « Les animaux klaxonneurs », 7b+, einem Stück Sommêtres-Geschichte Floriane Boss bei der Überquerung eines Gendarmen, der Erinnerungen an hochalpine Grate weckt Fotos: patriceschr ey er .com als Familienorchester in der ganzen Schweiz unterwegs war. Aber das Künstlerleben passte Arthur nicht. In der Freizeit fuhr er mit dem Velo über die grossen Alpenpässe, und aus lauter Spass kletterte er an Fassaden hoch. Im Alter von 25 Jahren liess er sich als Kla-vierlehrer in La Chaux-de-Fonds nieder. Aloïs Mettraux, ein Zugführer, zeigte ihm die Alpen und die nahe gelegenen Sommêtres. Visoni widmete sich mit Haut und Haar dieser jurassischen Bergkette. Die Leidenschaft trug ihm den Übernamen « Concierge der Sommêtres » ein.

Der Visoni-Stil

Der mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen ausgestattete Visoni betrachtete Material als überflüssig. Ein 20 m langes und 7 oder 8 mm dickes Hanfseil war für lange Zeit seine einzige Ausrüstung. Visoni liebte von Anfang an ein schnörkelloses Klettern, das man später Freiklettern nennen wird. Er entwickelte einen effizienten und präzisen Kletterstil, dessen einzige Regel – für ihn wie für alle andern Kletterer – das absolute Sturzverbot war. So ging er die Stellen immer erst an, wenn er sie genau analysiert, und in den ganz schwierigen Fällen, wenn er die Züge geübt und wiederholt hatte. Da er auch in Fontainebleau 1 kletterte, hatte er von dort gewisse Prinzipien übernommen, insbesondere das Trainieren und Einüben von Griffabfolgen an Felsblöcken ( Bouldern ). Er führte zwar zahlreiche andere Leute ins Klettern in den Sommêtres ein, aber die meisten Routen kletterte er allein und ohne Seil – bis zur Schwierigkeit 5b+ ( « Paroi Graber » ). Als dies immer schwieriger wurde, tauschte er die groben Schuhe gegen leichte Espad-rillen ein. Ende der Vierzigerjahre bezwang er nach kurzer Begutachtung « Miroir Visoni » 2, eine kurze steile Platte. So wurde die erste 6a im Jura nach « Aus-boldern » geklettert. Seine Treue zu den Sommêtres verhinderte allerdings nicht, dass er auch in den Alpen unterwegs war. Als virtuoser Kletterer und ausdauernder Alpinist bestieg er die meisten Viertausender, im Sommer wie im Winter. 3 a Claude Remy, Vers-l'Eglise ( ü ) 1 Bekanntes Blockklettergebiet bei Paris mit festen Kletterregeln. 2 « Miroir Visoni » ist ein kurzes Felswändchen auf der Südostseite des Grats. Die Schlüsselpassage dieser 6a-Route erfordert drei Züge an sehr kleinen Griffen. 3 Dieser Artikel basiert auf dem Buch Falaises du Jura, histoire de l' escalade von Claude und Yves Remy, das Ende 2006 in den Editions de l' ACAJ erscheinen wird.

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