Dicke Luft in Kletterhallen Studie zur Feinstaubbelastung

Die Feinstaubbelastung in Kletterhallen ist hoch und liegt im Bereich von industriellen Arbeitsplätzen in staubbelasteten Branchen. Der Feinstaub besteht dabei fast ausschliesslich aus Magnesia. Dies ergab eine Studie der Technischen Universität Darmstadt. Die Autoren weisen auf einfache Reduktionsmassnahmen hin.

Kletterer produzieren ganze Magnesia-wolken. Das ist nicht unbedenklich, da die Feinstaubwerte im Durchschnitt in Kletterhallen bereits hoch sind.m ) ist, was einem Hundertstel Millimeter entspricht. Solche Partikel ( PM 10 ) dringen aufgrund ihrer geringen Grösse tief in die Atemwege ein.

 

Was die deutschen Forscher herausfanden und kürzlich in einer Fachzeitschrift sowie im Bergsteigermagazin « bergundsteigen » publizierten, verdient mehr als ein Räuspern. So liegt der Mittelwert der Feinstaubbelastung ( PM 10 ) in Boulderräumen bei 3500–4200 Mikrogramm pro Kubikmeter ( g/m 3 ), in grossen Kletterhallen bei 400–1200 g/m 3 und in kleinen Hallen bei 200–800 g/m 3.

Die Spitzenwerte in den grossen Hallen, die kaum überraschend mit der höchsten Besucherdichte zusammenfallen, erreichen einen Wert von 1000–2000 g/m 3.

Ein PM 10-Wert von 1000 g/m 3 ist typisch für einen industriellen Arbeitsplatz in staubbelasteten Bereichen. Da Partikel umso tiefer in die Atemorgane vordringen, je kleiner sie sind, bestimmten die Forscher auch noch die PM 2,5 -Konzentrationen. Die Menge an diesen Partikeln, die höchstens 2,5 m gross sind, erreichen Maximalwerte von 500 g/m 3. Damit ist der Anteil der feinen Partikeln relativ gering. Zudem besteht der Staub fast ausschliesslich aus Magnesia, Seil- und Schuhabrieb spielen praktisch keine Rolle.

 

Doch was bedeuten nun diese Resultate? Wenn man die Feinstaubgrenzwerte für die Aussenluft betrachtet, sind sie erschreckend hoch. Der Tagesmittelgrenz-wert für diese liegt nämlich bei 50 g/m 3. Dieser darf nur einmal pro Jahr überschritten werden. In Bezug auf die Grenzwerte für die Feinstaubbelastung am Arbeitsplatz relativieren sich die Werte wieder etwas, da hier die Zusammensetzung des Staubes anders ist. So gilt hier ein Höchstwert für einatembaren Staub von 10 mg/m 310 000 g/m 3 ) und für ultrafeinen Staub, der in die Lungenbläschen vordringt, von 3 mg/m 3. Dieser Grenzwert für inerte, also reaktionsträge, Stäube gilt auch für Magnesia. « Der grosse Unterschied bei den Grenzwerten ist dadurch begründet, dass der Feinstaub in der Aussenluft hauptsächlich aus toxischen Abgaspartikeln besteht », erläutert Roger Waeber vom Bundesamt für Gesundheit ( BAG ). Darüber hinaus seien die Grenzwerte am Arbeitsplatz für gesunde Erwachsene und kleinere Zeiträume festgelegt worden, während die Grenzwerte in der Aussenluft auch die empfindlichen Personen ausreichend schützen müssten.

 

Der BAG-Experte rät aber zur Reduktion des Feinstaubes auch an Arbeitsplätzen. Denn das Arbeitsgesetz verpflichte dazu, Gesundheitsbelastungen auf einen technisch machbaren Wert zu reduzieren. Das bestätigt Christian Monn vom Leistungsbereich Arbeitsbedingungen des Seco. Aus seiner Sicht sind die Kletter-hallenwerte zu hoch. Es bestehe dringend Handlungsbedarf, da es zu Situationen kam, in denen die Magnesiakonzen-tration 4,8 mg/m 3 betrug; ein Wert, der über dem Grenzwert für die maximale Arbeitskonzentration von 3 mg/m 3 liegt. « Zu beachten gilt es auch, dass die Personen in Kletterhallten stärker atmen und dadurch mehr Feinstaub aufnehmen », sagt der Spezialist. Die Betreiber sollten daher intensiver und gründlicher lüften. Dass dies zu weniger dicker Luft führt, zeigte eine Messung in der Klet- Messresultate für einen typischen Wochentag in der DAV-Kletteranlage Thalkirchen. Die PM 10 -Konzentrationen betragen mindestens einige Hundert Mikrogramm pro Kubikmeter ( µg/m 3 ) und steigen auf bis zu 2000 µg/m 3 an, wenn viele Kletterer anwesend sind. Die Ergebnisse für einen Sonntag in der Kletterhalle Bad Tölz. Hier werden die höchsten Werte ( ebenfalls 2000 µg/m 3 für PM 10 ) am Vormittag erreicht, da zu diesem Zeitpunkt die Zahl der Kletterer am grössten ist.

Nur durch Öffnen einer Türe konnte die PM 10 -Konzentration innert weniger Minuten halbiert werden. Ist die Wirkung aber zu gering, müsste man gemäss Monn technische Alternativen, die eine Ausbreitung des Staubes verhindern, ergreifen, allenfalls den Einbau einer effizienten Lüftung. Welches die effizienteste Methode für die Feinstaubreduktion ist, kann aber aufgrund mangelnder Untersuchungen noch nicht gesagt werden. Auch die Autoren der Studie sehen trotz methodischen Einschränkungen – beispielsweise nur Messungen an einem Ort in der Halle, keine toxikologischen Daten zu Magnesia – Handlungsbedarf. Personen mit Atemproblemen, Säuglinge und Kinder, die nicht selber klettern, sollten Kletterhallen meiden. Zudem empfiehlt sich für die Kletterer, den Mag nesiagebrauch einzuschränken und wenn möglich ausserhalb der Spitzenzeiten zu klettern. Die Hallenbetreiber wiederum müssten ihre Mitarbeiter über ihren speziell belasteten Arbeitsplatz informieren. Auch wenn diese weniger aktiv als die Besucher sind, dürfte die Belastung für sie am höchsten sein. a Christoph Meier, Redaktor Um weniger abzurutschen, verwenden fast alle Kletternden Magnesia.

Magnesia im Ball produziert deutlich weniger Staub. Die bessere Lösung fürs Indoor-Klettern.

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