Die Alpen Raum – Kultur – Geschichte

Wie ist der Alpenraum zwischen Monviso, Mont Blanc, Matterhorn, Grossglockner und Triglav besiedelt worden? Wie hat die schroffe Bergwelt die Menschen im Laufe der Jahrtausende geformt? Jon Mathieu ist Geschichtsprofessor an der Universität Luzern und hat bereits mehrfach über die Alpen und die Berge allgemein publiziert. Nun schlägt er in der umfassenden Kulturgeschichte Die Alpen den ganz grossen Bogen, von der Altsteinzeit vor 50 000 Jahren bis zur aktuellen Zeitgeschichte. Das Werk bietet eine Gesamtdarstellung des euro­päi­schen Alpenraums aus einer Hand: Entwicklungen in den Bereichen Umwelt und Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik werden oft im gleichen Kapitel parallel behandelt. Was überraschende Einsichten ermöglicht. Mathieu hat eine gewaltige Menge an Erkenntnissen und Forschungen zu einer spannenden Lektüre verarbeitet, die man sich an langen Winterabenden vor dem Kaminfeuer zu Gemüte führen kann. Die Entdeckung und die Eroberung der Alpen durch Forscher und Dichter, später durch Touristen und Alpinisten bilden darin äusserst vergnügliche Kapitel.

Mathieu zeigt auf, wie sich der Alpenraum ab 1950 dramatisch verändert hat. Die Mechanisierung der Landwirtschaft, der oft zerstörerische Tourismus, die rasant wachsende Mobilität sind nur einige Stichworte. Die Umweltkrise des Alpenraums mündete 1991 in grenzübergreifende Schutzbestrebungen, in die Alpenkonvention. Ein bedeutender Schritt mit Tragweite, verglichen mit dem, was der zerstörerische Nationalismus acht Jahrzehnte früher in den Ostalpen angerichtet hat. Der «Grosse Krieg» (1915–1918) zwischen dem Königreich Italien und der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, der vom Stilfserjoch bis zum Isonzo hinunter wütete, ist für Mathieu der schwärzeste Moment in der Geschichte der Alpen. Ein sinnloser Krieg mit einer unvorstellbaren Zahl an Opfern. Heute sind die Alpen glücklicherweise nicht mehr Trennlinie zwischen den Völkern, sondern verbindendes Element.

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