Die Ziege - seit langer Zeit ein Begleiter des Menschen

ÎAusstellung im Naturhistorischen 5 Museum von La Chaux-de-Fonds Q Das Naturhistorische Museum ^m von La Chaux-de-Fonds präsen-20 tiert nach Cevio, Zürich, Chur und Sion bis zum 19. April 1998 eine Ausstellung über die Ziege. Nachdem die Verbreitung dieses Haustiers, das den Menschen seit nahezu 10000 Jahren begleitet, im Verlauf der ersten Hälfte des 2O. Jahrhunderts zurückgegangen ist, lässt sich - zumindest weltweit - nun wieder ein gewisser Aufschwung feststellen. Die dreisprachig - italienisch, deutsch, französisch - gehaltene Ausstellung wurde durch die Verantwortlichen des Museo di Valmaggia ( Cevio, TI ) geschaffen. Sie behandelt mit gut verständlichen didaktischen Tafeln, ausgestopften Tieren und verschiedenen Illustrationen die wichtigsten Aspekte des Themas: Dazu gehören die Geschichte des Tiers, seine Verbreitung und Domestikation, sein Nutzen für den Menschen, die Krankheiten der Ziege sowie ihr Eingang in Kunst und Mythologie usw.

10000jährige Geschichte eines Haustiers Die Ziege ist seit 10000 Jahren ein Begleiter des Menschen. Sie liefert einen Beitrag an seine Nahrung und seine Kleidung und ernährt sich selbst von der kargen Vegetation, die ihr ihr Lebensraum - Gebirge oder Trockengebiete - bietet. Weil sie selbst anspruchslos, aber für den Menschen von grossem Nutzen ist, war sie oftmals entscheidend für das Überleben eines Volkes.

Die Ziege hat einen ausgeprägten Charakter: Sie ist unabhängig, neugierig und eigenwillig. Seit dem Altertum hat sie die Fantasie der Völker, die sie züchteten und züchten, belebt und je nach Ort und Kultur positive oder negative Werte verkörpert. Die Ausstellung will ihre Geschichte und Bedeutung darstellen.

Die Wildziege Der Körper und die Hörner der Wildziege sind grösser als bei der Hausziege. Die Wildziege ist noch in den Bergen Asiens, Afrikas und Europas ( Alpensteinbock ) verbreitet. Zahl- reiche, in Fels geritzte Zeichnungen belegen, dass sie in Bergtälern seit der Vorgeschichte vorkommt. In Amerika und Australien fehlen dagegen einheimische Arten. Obwohl die Wildziegen in unwegsamen und schwer zugänglichen Gebieten leben, müssen einige Arten vor der Ausrottung geschützt werden.

Die Wildziegenart Bezoar ( Ega-gro ) ist das Stammtier der Hausziege. Sie ist in Asien, von Anatolien bis Be-lutschistan, verbreitet. Ihre Hörner sind stark gekrümmt und weisen an der Vorderseite Knoten auf wie beim Alpensteinbock. Die Bezoarziege ist von der Ausrottung bedroht, weil eine Verwachsung ihres Magens, die Bezoar genannt wird, als Heilmittel gilt und deshalb gesucht ist.

Die Domestikation Die Archäologie und die Osteoar-chäologie ( die Wissenschaft der archäologischen Erforschung der Knochen ) haben den in verschiedenen Etappen erfolgten Domestikations-Prozess aufgezeigt. Durch die Zähmung wurde der ursprünglich man-delförmige Querschnitt der Hörner auf der Innenseite abgeplattet und konkav. Die Ursache dieser allmählichen Veränderung ist unbekannt.

Die ältesten Spuren der Domestikation wurden in den Zagros-Bergen im südwestlichen Iran ( Persien ) gefunden und gehen auf 7500 v. Chr. zurück. Jüngere Spuren Messen sich im südöstlichen Anatolien, im irakischen Kurdistan und in Palästina fin- Anfang des Jahrhunderts ging der Ziegenbestand in der Schweiz stark zurück; in den letzten dreissig Jahren hat sich der Bestand auf rund 70000 Tiere eingependelt.

den. Gegen Ende des 7. Jahrtausends « eroberte » die Hausziege allmählich Afrika und Europa.

In der Schweiz wurden die ältesten Hinweise auf Hausziegen im Wallis gefunden; sie gehen auf ungefähr 5000 Jahre v. Chr. zurück.

Die Verbreitung der Ziege Die meisten Hausziegen werden heute in Afrika und Asien gehalten, wo man sie wegen ihres Fleisches züchtet. In Trockenregionen stellen grosse Ziegenherden eine Gefahr für das Gleichgewicht der Natur dar: Sie fördern hier das Vorrücken der Wüste. Am Fuss des Himalaya hält man die Kaschmirziege. Sie liefert, wenn man sie kämmt, feinste Wolle. In vielen Ländern, seit kurzem auch in Europa, züchtet man die Angoraziege. Ihre Haare liefern das « Mohair » genannte Garn. In den Industrieländern dient die Ziegenzucht vor allem der Milch- und Käseproduktion. In Europa hat die Zahl der Hausziegen nach dem Zweiten Weltkrieg innerhalb von drei Jahrzehnten um die Hälfte abgenommen. Seit zehn Jahren kann man eine umgekehrte Tendenz feststellen: Ihre Zahl hat wieder um 5 Millionen zugenommen. Die Ziegenzucht spielt vor allem in den Mittelmeerländern eine grosse Rolle: Mehr als die Hälfte aller Ziegen Europas lebt in Griechenland.

Die Ziegenzucht in der Schweiz...

Vor rund hundert Jahren gab es in der Schweiz etwa 400000 Ziegen, die zu 32 verschiedenen Rassen gehörten. Heute zählt man nur noch rund 70000 Tiere, von denen fast die Hälfte in den Kantonen Tessin, Bern und Graubünden lebt.

EVOLUZIONE L' EVOLUTION DES EFFECTIFS DEL PATRIMONIO CAPRINO SVIZZERO dalisóó SCHWEIZER ZIEGENBESTAND seit ibóó Der Bund und die Kantone haben zahlreiche Massnahmen ergriffen, um die Züchtung der Ziegen zu fördern und zu verbessern. Gegenwärtig subventioniert der Bund die Aufzucht von sieben Rassen: Die bekanntesten sind die Saaner und die Toggenburger Ziege sowie die gemsfarbige Gebirgsziege. Diese drei Rassen werden auch ins Ausland exportiert. Die schwarze Verzasca Ziege, die Appenzeller Ziege, die gestreifte Bündner Ziege sowie die Walliser Ziege mit ihrem schwarzen Hals sind vor allem von lokaler Bedeutung.

Auf Initiative der Stiftung « Pro specie rara » wurden kürzlich zwei weitere Rassen, die Pfauenziege und die Stiefelgeiss, wieder eingeführt, um sie vor der Ausrottung zu schützen. In der Schweiz wird die Ziege meist in kleineren Herden auf Bergbauernhöfen gehalten.

...und im Kanton Tessin Mit 15000 Exemplaren leben im Kanton Tessin am meisten Ziegen. Seit dem letzten Jahrhundert ist allerdings ihre Zahl auch hier zurückgegangen. 1833 wurde die Zahl der im Tessin lebenden Ziegen auf 75000 geschätzt. 1859 zählte aber Luigi Lavizzari, der auf zuverlässige Statistiken zurückgreifen konnte, nur noch 46 255 Tiere. Als Grund für diese markante Abnahme bezeichnete er die Einführung strenger Massnahmen zum Schutz des Waldes vor den Ziegen. Das Maggiatal eignet sich - wie auch die anderen Täler rund um Locarno - gut für die Ziegenzucht. Zur Zeit von Lavizzari zählte man im Maggiatal nicht weniger als 9508 Ziegen! Die Abwanderung und der Rückgang der Landwirtschaft zogen dann eine starke Reduktion des Ziegenbestandes nach sich. Noch heute werden aber im Maggiatal - auch in den höchstgelegenen Gemeinden -Ziegen gehalten, die dem Käse des Tals eine besondere Note verleihen.

Schäden und Krankheiten Die Ziege findet auf jeder Vegetationsstufe die nötige Nahrung: Sie Die jahrtausendealte Beziehung zwischen Mensch und Ziege hat im Lauf der Geschichte viele Künstler angeregt; hier eine Ziege in Bronze ( 45 x 43 x 22 cm, 1980 ) des Bildhauers Renzo Fontana aus Balerna ( TI ).

frisst viele verschiedene Kräuter, verschmäht aber auch junges Laub nicht; sie entrindet junge Bäumchen und klettert gern auf Stall- und Hüttendächer. Um die Schäden, die sie mit ihrem Verhalten anrichten kann, zu vermindern, war im Tessin früher die Zeit des freien Weidegangs während der Wintermonate und dessen Verbot nach dem Wiedererwachen der Vegetation genau festgelegt.

Trotz ihrer Robustheit ist die Ziege durch verschiedene Krankheiten gefährdet. Um eine Ziegenherde davor zu schützen, müssen unbedingt vorbeugende Massnahmen getroffen werden: Die Ställe müssen sauber sein und die Tiere gut gepflegt werden. Die Behandlung kranker Ziegen ist schwierig, weshalb oft nichts anderes übrigbleibt, als betroffene Tiere abzutun.

Ein nützliches Haustier Die Ziege ist für den Menschen sehr nützlich und bietet ihm eine überraschend grosse Vielfalt von Produkten. So liefert sie - obwohl sie selbst punkto Nahrung sehr anspruchslos ist- bei guter Haltung jährlich das Zwölffache ihres Gewichtes an Milch ( die Kuh liefert das Achtfache ). In den Industrieländern dient die Milch der Herstellung einer Vielfalt von exquisiten Käsesorten. Das Lab wurde früher aus dem Labmagen der Zicklein gewonnen. Der grösste Teil des weltweiten Ziegenbestandes wird jedoch nach wie vor - besonders in Entwicklungsländern -wegen des Fleisches der Tiere gehalten. In unseren Breiten schätzt man allerdings nur das Fleisch der Zicklein. Eine Ausnahme sind die « cicitt », lange, dünne Würste aus Ziegenfleisch, die über der Glut geröstet werden und eine Spezialität des Maggitais sind.

Richtig gegerbt eignet sich Ziegenleder sehr gut für Schuhe, Jacken, Handschuhe, Brieftaschen, Musikinstrumente, Bucheinbände und Taschen. Bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts schützten sich die Hirten der Tessiner Bergtäler mit einer Ziegenhaut gegen den Regen -gleich wie einst Eumaios, der unsterbliche Schweinehirt aus der Odyssee. Aus Ziegenhaar werden auch Teppiche, Decken und Zelte hergestellt. Feinstes Garn von sehr hohem Wert liefern die Haare der Angora-(Mohair)und der Kaschmirziege.

Gem. Mtlg. Museo di Valmaggia, Cevio ( TI ) e a

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