Edouard Killisch wird 103 Jahre alt: 85 Jahre im SAC

85 Jahre im SAC

1925 wurde Edouard Killisch in die Sektion Genevoise des Schweizer -Alpen Clubs aufgenommen; sein Götti war der berühmte Félix Genecand alias Tricouni. Mit seinen 85 Jahren Mitgliedschaft dürfte Killisch das langjährigste SAC-Mitglied sein.

Emotional feierte die Sektion Genevoise im vergangenen März einen Super-veteranen. Der 1907 in Genf geborene Edouard Killisch ist mit seinen 85 Mitgliedsjahren das « Rekord-SAC-Mitglied ». Noch nie war jemand dem Club so lange treu.1 Als Edouard Killisch am 9. Oktober 1925 in den SAC aufgenommen wurde, war der 1863 gegründete Club 60 Jahre alt. Er wies 14000 Mitglieder aus, heute sind es 12700O. Der Mitgliederbeitrag betrug 8 Franken. « Damals hatte man nach 16 Jahren die Möglichkeit, Mitglied auf Lebenszeit zu werden. Edouard hat darauf verzichtet, obschon er es wohl besser getan hätte… », schmunzelte Paul Everett, der Präsident der Sektion, anlässlich der Ehrung des Veteranen. Edouard Killisch war in einer Zeit aktiv, als der Alpinismus noch stark von Kameradschaftsgeist geprägt war. Den brauchte es auch, denn die Berge waren um einiges unzugänglicher als heute. « Die Hütten waren keine Restaurants !», sagt der Jubilar heute. Er, der 1926 an der Eröffnung der Topalihütte teilgenommen hatte, erinnert sich, dass sich die Seilschaften nicht zu schade waren, ein wenig Holz in den Rucksack zu packen und es dem Hüttenwart mitzubringen.

« Le Petit » und der Götti « Tricouni » Edouard Killisch war vor allem vor dem Zweiten Weltkrieg im Club aktiv. « Man nannte mich ‹Le Petit›. Meine Kameraden waren alle so alt, dass sie meine Väter hätten sein können », erinnert er sich. Aber vor allem hatte er einen berühmten Götti, der ihn in den Club einführte, nämlich Félix-Valentin Genecand ( 1879–1957 ), bekannt als Erfinder der « Tricouni », diesen gezackten Beschlägen für die Schuhsohlen, mit denen die Alpinisten der Gründergeneration ausgerüstet waren. Genecand, den alle nur noch « Tricouni » nannten, gehörte zu diesen Gipfelpionieren. Sein Name ist sogar in einer Bergkette in Kanada, den Mounts Tricouni, und einem Berg in der Antarktis, dem Mount Genecand, verewigt. Tricouni war seinem « SAC-Patenkind » Edouard zugetan und hätte ihn gern als Schwiegersohn gesehen. Aber das Herz des jungen Mannes schlug für Hélène. Er hatte sie 1937 auf dem Salève anlässlich eines kleinen Festes getroffen, das nach dem Erwerb des Chalet Pré-Berger durch den Schweizer Frauen Alpen Club organisiert worden war. « Zum Glück haben sich die Verhältnisse in dieser Hinsicht verbessert », freut sich Edouard mit Blick auf die Fusion der beiden Clubs, hatte er doch nie viel von der Geschlechtertrennung gehalten. Seine zwei Schwestern, Nelly und Daisy, waren seine ersten Seilkameradinnen. Auch Hélène, die er 1939 heiratete und mit der er zwei Kinder hat, begleitete ihn zu seinen Ausflügen in die Berge. In den Krieg statt in die Berge Mit seinen Clubkameraden trieb er sich damals viel in den Bergen herum. « Man machte grosse Touren im Hochgebirge, die eine ganze Woche dauern konnten, rund um Saas-Fee und Zinal. Das waren schöne Jahre. Aber der Zweite Weltkrieg hat alles zunichtegemacht. Alles wurde kompliziert. » Edouard Killisch musste als Luftabwehrsoldat einrücken; er hat den Krieg als beschwerlich in Erinnerung. Von diesem Moment an wurden die Gipfelfahrten seltener. Denn der Beruf nahm ihn in Beschlag. Bis zu seiner Pensionierung 1972 war er Vertreter des Modehauses Grieder in Zürich, auch heute noch bekannt für edle Stoffe. Die Verhandlungen mit den Näherinnen haben ihm den Ruf eingetragen, ein umgänglicher Mensch zu sein. Das Reisen im Blut Sein Leben lang war Edouard getrieben von Abenteuergeist, der aus den Reiseberichten von Frison-Roche, Ella Maillart oder dem Segler Bernard Moitessier genährt wurde. Er selber ging mit seiner Frau auch auf Reisen. Mit einem Renault Estafette gondelte das Paar durch Europa und Nordafrika. Ihre Tochter Claire Lise rechnete einmal die Kilometerzahl zusammen und kam auf 150000 Kilometer. Zur Reisebegeisterung kam die Freude am Fotografieren. « Ich hatte immer meine Leica im Rucksack. » Die Bilder, die er während seiner Wanderjahre geschossen hat, sind heute eine eindrückliche Dokumentation der Entwicklung des Bergsteigens. Aber für Edouard sind diese Fotos noch wertvoller: Sie bereiten ihm täglich Freude. Seit 2003 lebt er in einem Altersheim in Genf, und er ist seit 2007 verwitwet, aber noch heute blättert er täglich in den Alben mit den Bildern seiner Abenteuerfahrten. Er versetzt sich so in die Zeit zurück und geht in Gedanken auf Reisen. Ist dies etwa das Geheimnis seines hohen Alters? Die Frage amüsiert Edouard Killisch, der am kommenden 31. Juli 103 Jahre alt wird, und er sagt: « Es reicht, einfach zu warten. Das geht ganz von selber. »

1 Es handelt sich nach unseren Quellen um das langjährigste SAC-Mitglied. Aber wenn jemand Kenntnis von einer noch längeren Mitgliedschaft hat, soll er oder sie sich auf der Redaktion melden

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