«Es braucht jede, um das Ziel zu ­erreichen» Mit Konflikten umgehen

Sechs junge Frauen lernen im SAC das Einmaleins des Expeditionsbergsteigens. Wir begleiten sie mit einer losen Serie.

Annette Marti: Ihr seid nun mehr als ein Jahr zusammen für die Ausbildung unterwegs, unternehmt aber auch private Touren. Wie gut funktioniert ihr als Team?

Rahel Schönauer: Wir ergänzen uns super, und die Stimmung ist sehr gut. Jede von uns hat in einem Gebiet besondere Stärken. Das zeigt sich immer wieder und ist echt cool. Noch nicht so effizient sind wir bei Ent­scheidungen. Da können wir uns verbessern.

 

Du meinst, das Klischee stimmt bei euch: Frauen reden viel und kommen zu keinem Schluss?

Vielleicht. Im Moment gibt jede von uns in ­einer bestimmten Situation ihre Einschätzung ab, und das führt dazu, dass wir viel reden. Als grossen Vorteil sehe ich aber, dass wir gut sind im Reflektieren und dass auch ange­sprochen wird, wo die Probleme sind. Wenn wir jetzt noch etwas effizienter werden, kommt das prima!

 

Wie übt ihr, um besser zu werden?

Ein Punkt, auf den wir uns geeinigt haben, ist, dass wir bei den privaten Touren immer zwei Personen bestimmen, die die Leitung übernehmen.

 

Welche schwierigen Situationen müsst ihr meistern?

Bisher hatten wir noch nicht grosse Schwierigkeiten, ab und zu Unsicherheiten, das schon. Aber es ist allen klar, dass wir auf der Expedition in verschiedener Hinsicht an ­unsere Grenzen kommen werden. Deshalb befassen wir uns mit Mentaltraining. Ich finde das sehr interessant. Denn man findet einfach Gründe, weshalb man irgendwo nicht raufkommt. Dagegen ist es viel schwieriger, positiv zu denken. So übe ich Tricks: Beim ­Gehen sage ich mir «Zählen!», beim Klettern «­Atmen!» oder beim Bouldern «Ich denke nichts!».

 

An einem eurer letzten Kurse habt ihr euch mit Konfliktmanagement befasst. Was sind deine wichtigsten Einsichten?

Am interessantesten fand ich unsere Analyse der Rollenverteilung im Team. Jede von uns hat andere Eigenschaften, und sie werden früher oder später zum Einsatz kommen. Alle Positionen sind wichtig, und es braucht jede, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Konflikte kann es immer geben, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Entscheidend ist, dass wir uns auf dieselben Vorstellungen einigen können und klar kommunizieren.

Expeditionsteams des SAC

Der SAC fördert mit einem speziellen dreijährigen Programm junge Bergsteigerinnen und Bergsteiger, um sie für eine Expedition fit zu machen. Es gibt ein Männer- und ein Frauenteam. Die 24-jährige Rahel Schönauer aus dem Kanton Appenzell gibt stellvertretend für ihre Kolleginnen Einblick in die Erfahrungen des Frauenteams. In mehreren Kursen werden sie in Eis- und Mixed-Klettern, Big-Wall-Techniken, Bergrettung oder im Biwakieren geschult. Das Gelernte üben die zwölf Teilnehmenden regelmässig auf privaten Touren in ihrem Team. Ihr Ziel ist es, selbstständig eine Expedition zu organisieren und zu finanzieren.