Exploits in langen Routen

Schon länger haben wir nicht über jene Schweizerinnen und Schweizer berichtet, die neben den Wettkämpfen Spitzenleistungen vollbringen. Hier nun ein Kürzestrückblick auf die zweite Jahreshälfte 2010, ohne Gewähr auf Vollständigkeit und redaktionsschlussbedingt mit Verspätung

Der Tessiner Giovanni Quirici1 hatte sich in die Gastlosen verguckt, genauer gesagt in die Route Yeah Man ( 8b+/9 SL ). Nach drei Jahren und mindestens sechs Versuchen durchstieg er an der Nordwestwand die Route erstmals frei. Und das am 1. August 2010.

Ein Quäntchen leichter ist die Eigenkreation von Matthias Trottmann2 an der Titlis- Nordwand: Die Piz dal Nas ( 8b/12 SL ) durchstieg er Ende August, meist im Nebel.

Ebenfalls schon länger her, doch unbedingt eine Notiz wert: Ihre Topform bewies Nina Caprez3 in Ali Baba ( 8a+/8 SL ), die sie ebenfalls im August 2010 nach wenigen Versuchen durchstieg.

Der wohl bemerkenswerteste Schweizer Alpin-Exploit im Jahr 2010 gelang dann im September Roger Schaeli4 und Robert Jasper4 in der Eiger-Nordwand: Die erste freie Begehung der John-Harlin-Direttissima, bis zur Spinne und mit Ausstieg über die Heckmair-Route. Die Harlin-Direttissima ( Mixed M8–, 7a, E5 ) führt durch den zentralsten Teil der 1800 Meter hohen Nordwand.

Lange reifte ein Projekt in Nicola Vonarburg5: An die eigene, rund 10-jährige Utopie – wie er selber schreibt – wagte sich der Tessiner im November 2010. Er erkämpfte sich Deus Irae ( 8 c+ ) in « Claro » in der Nähe von Bellinzona, nachdem ein zentraler Griff ausgebrochen war.

Lange brauchte auch Matthias Trottmann2 für eines seiner kurzen Projekte: Drei Jahre und endlos viele Versuche widerstand ihm Lit Marveille ( 8 c ) an der « Galerie » am Walensee, bevor er sie Ende Oktober endlich knacken konnte.

Laufend gesteigert hat sich 2010 auch Martin Keller6. Der 33-jährige Schwyzer konnte laut eigenen Angaben auf www.8a.nu am Sustenpass am 17. Oktober gleich zwei 8b+-Boulder knacken: Deadalus und Ikarus. Damit ist er der Weltspitze, die zurzeit 8 c-Boulder im Tessin abhakt, dicht auf den Fersen.

Im eigentlichen Sinn ist es keine eine alpinistische Spitzenleistung, was die Brüder Claude ( r. ) und Yves Remy7 geleistet haben. Doch eine Meldung ist es allemal wert. Denn sie haben 2010 nach eigenen Angaben über 1800 Bohrhaken in Schweizer und ausländische Felsen versenkt. Über den Daumen gepeilt sind das rund 200 neue oder sanierte Seillängen zum Nachklettern.

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