FIFAD 2000 Neue Ideen, alte Filme

Das rührige FIFAD-Team um André Givel, Präsident, und Pierre Simoni, Direktor, lud Ende September zum 31. Mal zum Internationalen Bergfilmfestival nach Les Diablerets. Akzente setzten sowohl neue, positive Ideen als auch das filmische « Recycling » alter Streifen. Neben dem Wettbewerb lohnten vor allem die zahlreichen Begegnungen mit Koryphäen aus der Welt des Alpinismus den Besuch im sympathischen Bergdorf im Waadtland.

Im Vorfeld des FIFAD wurde zum ersten Mal eine Medienkonferenz veranstaltet, die insbesondere in der welschen Presse positive Reaktionen auslöste. Dieser von Dominique Traversini professionell durchgeführte Anlass schlug sich sogar in den Hauptausgaben der Tagesschau von Fernsehen DRS nieder - eine Novität. Zudem erhielten die interessierten Kreise das Festivalprogramm schon vordem Abspulen des ersten Films, was sich u.a. im beachtlichen Publi-kumsaufmarsch niederschlug. Positiv zu werten ist auch die Gründung der « Alliance Internationale pour le Film de Montagne ( AIFM ) », ein Kräfte-bündeln von Les Diablerets mit Trento, Banff, Autrans, Torillo, Graz und Lugano. Der SAC tritt beim FIFAD seit Jahren als Sponsor und Verleiher des begehrten SAC-Preises auf, was auch im kommenden Jahr weitergeführt werden soll.

Das FIFAD zeigte die ausgewählten Filme lediglich in Videoqualität. Der Saal war sehr gross, die Stühle etwas zu hart, die Leinwand klein und das Bild entsprechend schwach gezeichnet. Bei einigen Streifen hatte man sogar den Eindruck, sie seien unscharf - oder die Farben tendierten zu extremen Tönen. Alles in allem hielt sich der « Kinogenuss » deshalb in Grenzen. Es gab aber unter den Realisatoren auch löbliche Ausnahmen, die mit diesen technischen Imponderabilien ganz gut fertig wurden.

Neu war das Podiumsgespräch, das die Probleme des Bergfilms beleuchten und richtungsweisende Schlüsse zu Tage fördern sollte. Der Diskurs, mehrheitlich zwischen Ci-neasten und Festivaldirektoren ausgefochten, brachte den Zwiespalt der Filmschaffenden auf die Leinwand: hier der fromme Wunsch und die kreative Idee, dort das straffe Korsett des Massenmediums Fernsehen, das so vieles wieder erstickt. Lange und teure Produktionen haben kaum eine Chance, über die Bildschirme zu flimmern, kurze Schnellschüsse jedoch schon.

Die Veranstalter wählten aus 63 Filmen 31 für den Wettbewerb aus. Die Jury mit Bernard Germain als Präsidenten, Denis Poffet, Sylvain Saudan, Patrice Kohli sowie Olivier Walther als Vertreter des SAC bewältigte die Sichtung speditiv und kam praktisch einstimmig zu den einzelnen Verdikten. Auch dieses Jahr waren gewisse Schwerpunkte zu erkennen: einerseits die Zuwendung zu ethnologischen Themen, andererseits das partielle Recycling alter Filme. Generell lag das Niveau etwas tiefer als in den letzten zwei Jahren.

Michel Pelle, unheilbar in den Himalaya vernarrt, erzählt die rührige Geschichte von Ghalzen, einem Sherpa, der seit 18 Jahren zwei Mal im Jahr den berüchtigten Khumbu-Eisfall für die Expeditionen aus aller Welt herrichtet. Zwischen den turmhohen Eiszacken und abgrundtiefen, kalten Spalten legen Ghalzen und seine Freunde eine Spur, gesichert mit Fixseilen, Leitern und Stufen. Diese gefährliche und zermürbende Arbeit, diese Öffnung der Schlüsselstelle zum Everest, wird zwar von den westlichen Bergsteigern geschätzt, aber praktisch nie gewürdigt. Und da setzt dieser Film auf eine sehr eindrückliche und sympathische Weise ein.

Im Vergleich zu den letzten Ausgaben des FIFAD hat der Träger des Publikumspreises keine weiteren Auszeichnungen erhalten, was dem gediegenen Film keinen Abbruch tut - im Gegenteil. Daniel Tragarz hat für seinen Film « Les Peuples qui Chantent » mit den Dong und Miao gelebt. Diese zwei Völker aus dem feuchten, grünen Süden Chinas verpacken selbst alltägliche Kommunikation in Lieder und Verse. Das wahrlich epische Werk mit starken, tragenden und in sich ruhenden Bildern ist auf Grund der eigenartigen Gesänge und Riten auch ein ethnologi-sches Dokument. Das Publikum hat diese äusserst gelungene und berührende Realisation mit der Vergabe seines Preises mit der berechtigten Aufmerksamkeit bedacht.

Erzählt wird in diesem Film die Geschichte der Erstbesteigung der Annapurna. Dazu verknüpft Bernard George Teile des alten vom unvergesslichen Marcel Ichac 1950 gedrehten Expeditionsfilms, Amateurauf-nahmen anderer Teilnehmer, Fotografien aus dem Expeditionsbuch sowie aktuelle, rückblickende Kommentare von Phu Tharkey Sherpa und Maurice Herzog.

Bei der erfolgreichen Erstbesteigung eines Achttausenders werden vorerst Mut, Wille, Sportlichkeit und Enthusiasmus der Teilnehmer belohnt, die Geschichte verwandelt sich aber unaufhaltsam in ein Drama. Die Naivität der Expedition und eine äusserst ungünstige Entwicklung der Wetterverhältnisse fordern den Teilnehmern plötzlich alles ab, und schliesslich kämpfen sie ums nackte Überleben. Der Triumph wird durch ihre existenziellen Sorgen, Nöte und Leiden völlig erstickt. Ein spannender, zügiger und keineswegs heroischer Film!

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