Fotografieren mit Panoramakamera. Weiter Horizont

Weiter Horizont

Für Alpinisten und Bergwanderer gehört der Fotoapparat quasi zur Grundausrüstung, um die vielfältigen visuellen Eindrücke auf den Touren festzuhalten. Der Einsatz der Panoramakamera vermittelt einen neuen Zugang zur Bergfotografie.

Schon oft befand ich mich auf Bergtouren an Standorten, wo mich das Panorama richtig überwältigte. Kamen dann die entwickelten Dias aus dem Labor zurück, war ich öfters enttäuscht. Das Panorama, das ich auf dem Gipfel in mich aufgenommen hatte, und die Abbildung waren so verschieden. Vom unendlichen Weitblick war auf der Foto nicht mehr viel wiederzufinden.

Panoramakamera Beim Durchblättern von Fotomagazinen stiess ich in der Folge auf einen sonderbar anmutenden Kameratyp, kaum grösser als eine Kompaktsucherkamera. Die musste ich ausprobieren, wünschte ich doch seit Jahren im Panoramaformat zu arbeiten, ohne eine riesige zusätzliche Ausrüstung mitschleppen zu müssen. Die drei im Moment erhältlichen Panoramakameras im Kleinbildformat ( Hasselblad Xpan, Nobles, Horizon ) 1

decken einen Aufnahmewinkel von 130° ab, was der natürlichen raumerfassenden menschlichen Sehweise entspricht. Dies ist auch der Grund, weshalb das normale Filmformat mit einem Seitenverhältnis von 2:3 das mit unseren Augen erfasste Panorama nie wirklichkeitsgetreu wiedergeben kann. Schon die ersten belichteten Filme mit einer Panoramakamera überzeugten mich, trotz der Umstellung der Bildgestaltung gegenüber dem Normalformat.

Bildgestaltung im Panoramaformat Ein Panoramabild wirkt durch den breiten Aufnahmewinkel. Daher muss vermehrt auf die horizontal und diagonal gerichteten Motivlinien geachtet werden. Letztere sind für ein Panoramabild gar entscheidend. Aus diesem Grund eignen sich Landschaften besonders gut für die Panoramafotografie, verlaufen doch dort die Motivlinien meist parallel oder leicht diagonal zu den dominierenden waagrechten Begrenzungen des Bildes. Wichtig ist, das Motiv zu erfassen, bevor man durch den Sucher schaut. Statt kleine Details zu erfassen, muss man beim Panoramabild die gesamte Darstellung einer Kulisse erkennen und auf den Film zu bannen versuchen. Schiefe Horizonte wirken störend

1 Für diese Kameras können ganz normale Kleinbildfilme ( 24ϫ36 mm ) verwendet werden. Für die Diaprojektion sind die normalen Dia-projektoren nicht geeignet. Die Kamera Horizon belichtet ca. 58 mm Filmlänge, sodass diese Dias relativ einfach mit Hilfe der speziellen Panorama-rahmen ( 6ϫ6 ) auf Mittelformatprojektoren gezeigt werden können. Die Kamera Hasselblad XPan belichtet auf 64 mm Filmlänge, was heisst, dass die Diaprojektion nur auf Grossformat-geräten ( Götschmann ) möglich ist.

Panoramaaufnahme von den Jurahöhen gegen die Alpenkette: Sonnenaufgang über dem Nebelmeer Fo to s: Sa m uel Somme r

und können das schönste Motiv vernichten. Deshalb benutze ich oft ein kleines handliches Stativ, auf dem sich die Kamera mit der aufsteckbaren Wasserwaage leicht ausrichten lässt. Das gibt zusätzlich die Möglichkeit einer Belichtung mit geschlossener Blende, was wiederum die Schärfentiefe begünstigt.

Bei der Entwicklung der Bilder ist peinlich darauf zu achten, dass der Film nicht zerschnitten wird, sonst bleiben die schönsten Aufnahmen wertlos. Jedes gute Fachlabor besitzt heute die Möglichkeit, diese aussergewöhnlichen Filme fachgerecht zu verarbeiten.

Panoramaplätze Für die Panoramafotografie eignen sich vor allem höher gelegene Standorte mit weitem Horizont. Da der vertikale Aufnahmewinkel nur 45° beträgt, kann der Ausschnitt so gewählt werden, dass störenden oder langweilig wirkenden Elementen wie schlechter Vordergrund, Strommasten usw. ausgewichen werden kann. Auch Gewässer mit Spiegelungen bieten eine reizvolle Kulisse für die Panoramafotografie. Dabei ist wichtig, dass sich die Spiegelungsachse in der Bildmitte befindet. a

Samuel Sommer, Oberbipp Panoramaaufnahme vom Augstmatthorn ( BE ) gegen Berner Alpen, unten der Brienzersee

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