Gletscherspaltensuche - neue Einsatzmöglichkeit von Rettungshunden

Die Suche nach Vermissten in Gletscherspalten muss häufig in der Dunkelheit vorgenommen werden und gestaltet sich entsprechend schwierig. Bei der SAC-Rettung werden dazu neuerdings Rettungshunde eingesetzt. Erste zentrale Grundausbil-dungskurse'haben stattgefunden, weitere Teams sollen in den Regionen Saas-Fee/Zermatt, Berner Oberland und Engadin ausgebildet werden.

Ausgebildete Hunde werden auf verschiedenste Weise für die Suche nach Menschen eingesetzt. Neben dem Auffinden, Stellen und Dingfest-machen im Rahmen des Polizeidien-stes ist der Einsatz von Hunden für die Personensuche im Rettungswesen nach wie vor aktuell. Hunde werden ausgebildet, um eine menschliche Fährte aufzunehmen und sie über mehrere Kilometer verfolgen zu können. Andere Hunde suchen weite Flächen in unwegsamem Gelände nach Witterungsanzeichen von Menschen ab, oder sie können den menschlichen Geruch noch unter einer mehrere Meter dicken Schneeschicht wahrnehmen. Hunde werden aber auch zum Auffinden von Ertrun-kenen in stehenden Gewässern eingesetzt, indem sie am Bug eines Schiffs warten und auf aufsteigende Gase reagieren. Neu setzt die SAC-Rettung Hunde für die Suche nach in Gletscherspalten gestürzten Personen ein.

1 Die zeit- und kostenaufwendige Ausbildung auf dem Gletscher wurde durch die Matter-hornbahnen AG Zermatt - Gratistransport der Kursteilnehmer und Zurverfügungstellung der nötigen Maschinen zur Vorbereitung des Geländes - und durch die Rettungsstation Zermatt - Mithilfe von 3 Bergführern - unterstützt.

2 Mit « Stechen » bezeichnet man das aufgeregte Verhalten ( wie z.B. scharren, bellen ) des Hundes, nachdem er eine Witterung oder sogar das Opfer gefunden hat.

Der Hund wird auf einem Schneefeld an das Gehen am Seil gewöhnt.

Heli usw., ermöglicht. An diesen Brustgurt, der den Hund in seiner Bewegungsfreiheit möglichst wenig einschränken sollte, muss er spielerisch gewöhnt werden. Der nächste Schritt ist das Angewöhnen an das Seil und das Erlernen einer neuen Situation, dass er nämlich ganz gegen die normale Situation an dieser neuen « Leine » ziehen soll.

Zwei unterschiedliche Einsatzarten Bei der Suche nach Vermissten in Gletscherspalten kommen grundsätzlich zwei Varianten zum Einsatz.. " " .B.ei der ersten Variante ist der Hund mit einer etwa 30 bis 50 m langen, genügend dicken Reepschnur mit dem Hundeführer als Vordermann einer Gletscherseilschaft verbunden. Innerhalb dieser Distanz kann der Hund vor dem Hundeführer das Gebiet absuchen. Der Hundeführer dirigiert sowohl die Seilschaft als auch seinen Hund.

Die breite Brustgurte verhindert bei grösstmöglicher Bewegungsfreiheit ein Einstürzen des Hundes.

Bei der zweiten Variante ist der Hund über eine 2 bis 3 m lange Reepschnur mit dem Mannschaftsseil verbunden. Ähnlich einem Hofhund, der an einer gespannten Leine hin- und herlaufen kann, soll sich der Hund vom Hundeführer zum benachbarten Seilschaftsmitglied bewegen. Ist der Hundeführer in der Mitte einer Dreierseilschaft, kann er seinen Hund durch Umhängen zu beiden Endpersonen schicken, womit eine grössere Such-breite erreicht wird. In diesem Fall geht die Seilschaft nicht wie gewohnt hintereinander her, sondern bewegt sich - dem Suchgelände und den Windverhältnissen anpassend -parallel weiter.

Vor- und Nachteile Der Vorteil der ersten Einsatz-variante liegt in der recht grossen Bewegungsfreiheit des Hundes; zudem arbeitet er vor der Seilschaft, ohne allzu stark von ihr abgelenkt zu werden. Nachteilig wirkt sich die mögliche Sturzhöhe bei einem Einbrechen aus. Bei der zweiten Variante kann die Sturzhöhe beträchtlich gesenkt werden; der Nachteil liegt hier in der verminderten Bewegungsfreiheit, vor allem bei einem Stechen2 zur aufge-spürten Person und in stark zerklüfteten Gletschern. Zudem ist die pro Zeiteinheit abgesuchte Fläche geringer. Die praktischen Übungen haben zudem gezeigt, dass die Hunde wegen des Reibungswiderstands des Seils und des dauernden Hin und Her zwischen den Seilschaftsmitgliedern schneller ermüden. Die « Hofhund-Variante » eignet sich aber aufgrund der Erfahrungen besonders für Ange-wöhnungsübungen.

Hohe Anforderungen an Hund und Hundeführer Rettungshunde, die grundsätzlich den direkten Kontakt zur gefundenen Person suchen, orientieren sich nach der grössten Witterungskon- zentration. Kann der Hund aufgrund der grossen Distanzen in den vorhandenen Spaltensystemen die gesuchte Person nicht direkt orten, so gibt er immerhin durch sein Verhalten - dem Hin- und Herlaufen entlang des Spal-tenrands, gefolgt von Bellen, Jaulen oder Scharren - die wichtigen Hinweise für die intensive Suche.

Da die Gletscherspaltensuche sehr hohe Anforderungen stellt, können nur bereits ausgebildete Lawinen-und/oder Gebirgsflächen-Suchhunde zu den Ausbildungskursen zugelassen werden. Ein bereits erfolgreicher Einsatz eines in diesen Kursen ausgebildeten Hundes bestätigt, dass der eingeschlagene Weg richtig ist und der SAC in Zukunft wieder über ein neues Hilfsmittel bei seiner Rettungstätigkeit verfügt.

Ruedi Gantenbein, Altstätten Bei der grössten Witterungs-konzentration beginnt der Hund, sich auffällig zu benehmen ( « Stechen » ).

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