Goedeke, Richard: AVF Sella - Langkofel extrem

Bergverlag Rother, München 1996.

Fr. 44.80 ISBN 3-7633-1315-X Es erstaunt nicht, dass der erste AV-Führer « extrem » der neuen Serie schwergewichtig die Sellagruppe behandelt. Wer in die Dolomiten geht - sei es erstmals oder bereits als « Kenner » -, schätzt die Routen der Sellagruppe und kehrt auch immer wieder gerne dorthin zurück. Angenehm kurze Zustiege, im allgemeinen guter Fels, schöne Umgebung und zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten sind nur ein paar der wichtigsten Trümpfe. Der neue AV-Führer beschreibt dazu aber auch noch das in der deutschen Führerliteratur seit langem nicht mehr berücksichtigte Langkofelmassiv. Das Routenangebot ( inkl. Topos ) ist gross: Von den alpinen 1000-Meter-Wänden am Langkofel bis zu den kurzen Sportkletterrouten im Seilabereich ist alles enthalten. Darunter finden sich auch neue Aufstiegslinien, über die es bisher -zumindest im deutschsprachigen Raum - nur wenig Informationen gab. Schade, dass die Talklettergärten nur ziemlich summarisch behandelt werden.

Im Kapitel « Klassiker und hitver-dächtige Routen » wird in verschiedenen Schwierigkeiten und Routenlängen eine Auswahl interessanter Klettermöglichkeiten vorgestellt. Trotzdem ist es oft recht schwierig, sich einen Überblick über die den eigenen Fähigkeiten und Bedürfnissen entgegenkommenden Routen zu verschaffen. Dies liegt allerdings nur zum Teil am Führer selbst, zum andern an den in den Dolomiten noch vorherrschenden anderen Absicherungssitten. Der Begriff des « Plaisir-Kletterns » hat hier überhaupt noch nicht Fuss gefasst, was bedeutet, dass die Routen nicht saniert sind, viele alte « Rosthaken » stecken und die Absicherung vielfach mit Klemmkeilen ( gegebenenfalls auch mit selber mitgeführten Haken ) gemacht werden muss. Oder aber es gilt, über lange Strecken ungesichert zu klettern. Bohrhaken gibt es praktisch nur in den neuen Sportklettergebieten, und auch hier kann die Absicherung - vor allem auf Grund meist grösserer Hakenabstände -kaum als « super » bezeichnet werden.

Viele der vorgestellten und vermutlich auch interessanten Routen werden infolge der Unklarheit über den Absicherungsstand, die ( Klemm-keil- ) Sicherungsmöglichkeiten und den gesamten Routencharakter von einer Grosszahl der Kletterer erst gar nicht angegangen. Gerne hätte man deshalb bei manchen Aufstiegslinien ( die nicht zu den ohnehin schon bekannten Klassikern gehören ) etwas mehr Informationen, insbesondere über die steckenden Sicherungshaken pro Seillänge und am Stand. Haken werden in den Topos nämlich praktisch nirgends mehr angegeben, nur noch die Sanduhren. Das trägt leider nicht zu einer verbesserten Benutzerfreundlichkeit des neuen AV-Führers bei, liegt aber ganz auf der « alpin-klassischen » Linie des Autors. Aus der heutigen, sicher auch von der französischen und schweizerischen « Plaisir»-Klettermentalität geprägten, Sicht wirkt der neue Führer bereits etwas « altmodisch ». Der Schritt in die neue Serie hätte durchaus etwas grösser und entschiedener ausfallen können -und sollen. Nichtsdestotrotz ist der neue AV-Führer für alle, die in der Sella- und Langkofelgruppe klettern möchten, ein absolutes « Muss », denn er gibt wie kein anderer einen umfassenden Über- und Einblick in eines der schönsten Klettergebiete der Dolomiten.

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