Goldener Abschluss für Nathalie Etzensperger Die Leaderin des SAC-Swiss-Teams tritt zurück

Sieben Goldmedaillen holte sich das Team an der Weltmeister- schaft im Skitourenrennen, eine stolze Bilanz. Nun hört die Leaderin zwar auf, aber der Nachwuchs steht bereit.

An den Weltmeisterschaften im Skitourenrennen in Claut ( I ) demonstrierte Nathalie Etzensperger nochmals ihre Stärke. Eine Bronze-, eine Silber- und drei Goldmedaillen; nie kehrte die Walliserin erfolgreicher von einer Skitouren-WM zurück. Dabei begann der achttägige Anlass in den Dolomiten alles andere als optimal. Noch während der Fahrt im Mannschaftsbus in Richtung Italien erhielt der Trainer die Meldung, dass das erste Rennen, der Sprint, verschoben werden müsse. « Das war schon ein bisschen enttäuschend », sagte Nathalie Etzensperger.

Im ersten Rennen, dem Teamlauf, startete sie mit Marie Troillet als eines der drei Schweizer Frauenteams. Über 4200 Leistungsmeter ( Aufstieg und Abfahrt ) legten Etzensperger und Troillet in drei Stunden und fünf Minuten zurück. Niemand konnte diese Zeit unterbieten. Auch nicht die beiden Italienerinnen Roberta Pedranzini und Francesca Martinelli, die Etzensperger bisher immer im Weg gestanden waren: Sie liefen sechs Minuten später ins Ziel. Mit diesem Sieg legten Etzensperger und Troillet die Messlatte hoch, zu hoch für die meisten der rund 220 Teilnehmerinnen. Nicht aber für die Spanierin Mireia Miró Varela. « Sie ist in dieser Saison eine Klasse für sich », sagte Etzensperger. Im Vertical, in der Disziplin, bei der es nur einen Aufstieg gibt, lief die 23-Jährige aus Barcelona allen davon. Obwohl die kurzen Rennen ( 540 Meter Aufstieg ) nicht Etzenspergers Stärke sind, wäre eine Medaille möglich gewesen, hätte sie die Ski in einer der Portagen – wie die Tragestellen genannt werden – nicht verloren. Etzensberger landete auf dem undankbaren vierten Platz.

«Meine wertvollste Medaille», wie sie sagt, eroberte sich Etzensperger in der Königsdisziplin, dem Einzelrennen. Noch nie hatte die zweifache Siegerin der Patrouille des Glaciers an einer WM eine Medaille in dieser Disziplin geholt. Nach einer Stunde und 31 Minuten, knapp sieben Minuten hinter der Siegerin Miró Varela und vier Minuten nach der Französin Laetitia Roux, lief die Walliserin strahlend als Dritte über die Ziellinie. « Es war technisch anspruchsvoll, einfach ein wunderbares Rennen », sagte sie im Ziel. Marie Troillet, Gabrielle Magnenat, Emilie Gex-Fabry und Mireille Richard folgten im Sekundentakt auf Etzensperger. Zu bewältigen waren vier Aufstiege über 2800 Leistungsmeter ( 1250 Meter Aufstieg, 1550 Meter Abfahrt ) mit teils langen und flachen Passagen; hinzu kam eine felsige Kuppe mit Leiter, an der man sich einhaken musste.

Beeindruckend war Etzenspergers Leistung nicht zuletzt deshalb, weil am Tag davor der kräftezehrende Sprint stattgefunden hatte. Die Disziplin, in dieser Saison zum ersten Mal durchgeführt, gleicht dem Sprint im Langlauf. In mehreren Vorläufen qualifiziert sich der Erste für den Final der sechs Schnellsten. Schneller als Etzensperger war dieses Mal nur die Französin Laetitia Roux. Nach drei Minuten und 30 Sekunden hatte diese den je 85 Höhenmeter ( Aufstieg/Abfahrt ) und eine Portage umfassenden Sprint zurückgelegt. Acht Sekunden schneller als Etzensperger.

Mit Roux verbindet Etzensperger eine besondere Freundschaft. 2008 gewannen die beiden die prestigeträchtige Pierra Menta, « die Tour de France des Alpinismus », so Etzensperger. Wie eng die Rennen zwischen den beiden jeweils sind, zeigt ein Vergleich der diesjährigen WM-Rangierungen. Zweimal war die 17 Jahre jüngere Roux schneller, zweimal wurde sie von Etzensperger, der drittältesten WM-Teilnehmerin, geschlagen.

Nun beendet sie nach fünf Jahren Spitzensport ihre Karriere beim SAC-Swiss-Team. Einen besseren Zeitpunkt zum Aufhören habe es nicht geben können, so Nathalie Etzensberger: « Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. » Rolf Zurbrügg, Disziplinenchef der Nationalmannschaft im Skitourenrennen, bedauert Etzensbergers Rücktritt: « Wir verlieren nicht nur unsere Teamleaderin, sondern ein Ausnahmetalent. » Doch der Nachwuchs steht bereit. Neben der starken Westschweizer Equipe ( 15 Medaillenallen voran Jennifer Fiechter und Alan Tissières – zeigten auch die Walliser Victoria Kreuzer ( Silber ) und die Gebrüder Iwan und Flavio Arnold ihr Potenzial. Bei den Herren war Weltcupleader Martin Anthamatten für Gold im Sprint und zusammen mit Marcel Marti, Yannick Ecoeur und Marcel Theux für Silber in der Staffel verantwortlich.

 

Mehr Infos

Alle Medaillengewinner und Bilder zur WM 2011 unter www.claut2011.org

WM-Disziplinen

Vertical

Rennen mit nur einem Aufstieg über durchschnittlich 700 Höhenmeter ohne Abfahrt. Finden meist auf präparierten Pisten statt.

Sprint

Nach einem Prolog werden Viertel-, Halbfinals und Final im Cupsystem ausgetragen: Die sechs Schnellsten treten gegeneinander an. Die Strecke mit maximal 100 Höhenmetern umfasst einen Aufstieg, eine Tragstrecke und eine Abfahrt.

Einzelrennen

Mehrere Aufstiege und Abfahrten, mit bis zu 1700 Höhenmetern, können auch Tragstrecken und Kletterpartien in kombiniertem Gelände enthalten.

Teamrennen

Ähnlich wie Einzelrennen, wird aber zu zweit zurückgelegt und dauert länger als das Einzel. Staffelrennen Vier Läufer ( bei den Damen nur drei ) laufen einen Kurzparcours von 100 bis 150 Höhenmeter mit Auf- und Abstieg und Fellwechseln.

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