Gute Flüge, schlechte Flüge

Wenn Natascha Knecht im Outdoorblog der Tagesanzeiger-Medien über Heliskiing schreibt, fliegen die Fetzen: Es geht nicht um das Für und Wider von Helikoptern und Flugzeugen an sich. Es geht vordergründig um die Frage, welche Flüge gut sind und welche schlecht. Gut sind die, die einen gewissen Nutzen für die Allgemeinheit erbringen, also Rettungs-, Transport- und Versorgungsflüge. Schlecht sind die, die dem Spass einiger weniger dienen. Hintergründig geht es aber darum, wie der Alpenraum genützt werden soll, und noch mehr darum, wer darüber zu entscheiden hat: die Bergbevölkerung, die dort lebt, oder die Unterländer, die in den Bergen Ruhe und Erholung suchen.

Blicken wir zurück: Schon kurz nach den ersten Gletscherlandungen in den 1960er-Jahren wurde im SAC heftig über die Fliegerei im Gebirge debattiert. Auf der einen Seite anerkannte man den Nutzen der Helikopter und Flugzeuge. Der SAC war unter den Ersten, die den Walliser Gletscherflieger Hermann Geiger beauftragten, Material zu den Hütten zu fliegen. Die Hilfe aus der Luft war unbestritten, auch wenn sich die Rettungseinsätze damals noch an einer Hand abzählen liessen. Ganz anders tönte es, wenn es um den Aufstieg « by fair means » – mit fairen Mitteln – ging. Reiche, die sich auf die Gipfel fliegen liessen, hatten den Gipfel « gekauft ». Das war ein Verstoss gegen den bergsteigerischen Ehrenkodex. Entsprechend kritisch, ja polemisch wurde der Boom der Gletscherfliegerei in unserer Clubzeitschrift kommentiert ( s. S. 45 ). Es ging aber um mehr. Zum Beispiel um die Frage, wie wir mit unseren Landschaften umgehen. Wie der Helikopter war das Auto ein Symbol des Fortschritts. Und mein Vorgänger Max Oechslin polemisierte auch dagegen. Der Vormarsch des Autos, der Bau der Nationalstrassen lasse biederen Fussgängern kaum mehr Platz. Was im Unterland mit dem Bau der Nationalstrassen beginne, habe eine Fortsetzung im Gebirge. Es sei deshalb wichtig, dass der SAC versuche, die « Alpenfliegerei zu kanalisieren ». Dass Oechslin diese Konfliktlinien schon vor einem halben Jahrhundert benannt hat, darf als visionär bezeichnet werden. Dass der Konflikt ums Heliskiing innerhalb des SAC immer noch nicht gelöst ist, liegt an seiner gesellschaftlichen Rolle. Der Verband spiegelt die Gegensätze zwischen Berglern und Unterländern. Deshalb prallen die Meinungen aufeinander, vor allem aber auch, weil das Dilemma zwischen den Polen Schützen und Nützen nicht zu lösen ist ohne gegenseitige Kompromissbereitschaft.

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