Hauptversammlung des DAV in Eichstätt

Hauptversammlung des DAV in Eichstätt

Jahr u.a. von Bundesgesundheitsmini-ster Seehofer und dem bayrischen Umweltminister Thomas Goppel ), dazu von abendlichen Anlässen. Diesmal bot das im Zentrum eines traditionellen Klettergebietes gelegene Eichstätt, unter dem Motto « Lebensgefühl und südliches Flair », mit seiner barocken Altstadt, seiner Vergangenheit als fürstbischöfliche Residenz und seiner romantischen Lage im Altmühltal eine besonders stimmungsvolle Kulisse.

Umweltgütesiegel für Alpenvereinshütten Erstmals wurden 4 der 305 Alpenvereinshütten des DAV mit einem Umweltgütesiegel ausgezeichnet. Voraussetzung für das Gütesiegel sind der vorbildliche Stand der Technik aller Ver- und Entsorgungsanlagen und die besondere Identifikation des Hüttenwirts ( wie der Hüttenwart in Deutschland bezeichnet wird ) mit der Hüttenordnung und der Ideologie des Alpenvereins.

Mensch und Natur Die Kletterverbote und Felssperrungen bleiben für den DAV ein permanenter Stein des Anstosses, wobei man sich im DAV vor allem gegen die Tendenz wehrt, mit flächendeckenden Verboten den Menschen aus der Natur « hinauszuschützen ». In diesem Zusammenhang wächst die Befürchtung, dass die im Umweltbereich geradezu inflationäre Vermehrung von Regelungen, Geboten, Verboten und Verhaltensregeln mehr und mehr zu einer Entmündigung des Einzelnen führt und damit auch die Akzeptanz-probleme zunehmen. Naturschutz auf der Basis einer reinen Verbotspolitik kann nie so wirkungsvoll sein wie ein Verhalten, das sich aus der Überzeugung ergibt. Entsprechend setzt sich der DAV bei allen seinen Aktivitäten dafür ein, das Bewusstsein für das eigene naturschonende Verhalten und das Verantwortungsgefühl und die Rücksichtnahme gegenüber unserer Umwelt zu fördern. Dies erfordert aber, dass der Mensch und seine Bedürfnisse ebenfalls als Teil der Natur begriffen werden. Man spricht hier von der « Wandlung vom verhindernden zum gestaltenden Umweltschutz ».

Einen Lichtblick bildete im Zusammenhang mit der Frage des Naturschutzes die Rede des bayrischen Umweltministers Dr.. " " .Thomas Goppel: Goppel sprach explizit aus, dass in 6. bis 8. Juni 1997 « Die alljährlich stattfindendeHauptversammlung des Deut- .sehen Alpenvereins ( DAV ) bietet o immer wieder aufschlussreiche Einblicke in Problemkreise, die auch im SAC für Diskussionsstoff sorgen. Allerdings werden im DAV allein schon auf Grund seiner Grösse ( er zählt rund 590000 Mitglieder ) und der teilweise etwas anders gesetzten Schwerpunkte nicht immer dieselben Lösungen gesucht und die gleichen Wege beschriften. Deshalb ergeben sich im Verlauf einer Hauptversammlung sowohl Parallelen als auch Unterschiede zur AV des SAC, wobei beide Komponenten jeweils interessante Aufschlüsse geben.

An der diesjährigen Hauptversammlung ging es in erster Linie um die Themen Mensch und Natur ( « Dauerbrenner » Felssperrungen ), Grenzen der Ehrenamtlichkeit und Überforderung der Zentralverwaltung, Mitgliederwerbung und zentrale Mitgliedschaft ( womit die Frage nach der Einführung einer direkten, sektionsunab-hängigen Mitgliedschaft beim Zentralverband aufgeworfen wurde ). Weiter wurde erstmals ein Umweltgütesiegel für DAV-Alpenvereinshütten vergeben, ausserdem ein Familienbeitrag eingeführt, und der neue Sponsor des DAV wurde vorgestellt.

Auch ein gesellschaftlicher Anlass Die Hauptversammlung bildet für die auf eine ungleich grössere Fläche verteilten 344 DAV-Sektionen immer auch eine willkommene Gelegenheit zum Meinungsaustausch, zum Kontakt und zu gemeinsamen Feiern. Entsprechend sind die Hauptversammlungen auf eine Dauer von drei Tagen angesetzt, wobei die Grussworte, die Grundsatzrede des 1. Vorsitzenden und die Ergänzungen zum schriftlich vorliegenden Jahresbericht einen halben Tag und die eigentlichen Verhandlungen einen weiteren Arbeitstag beanspruchen. Umrahmt wird die Veranstaltung von Grussworten und Reden hochrangiger Politiker ( dieses Der Residenzplatz mit der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz, einem barocken Dreiflügelbau von Jakob Engel und Gabriel de Gabrieli ( erbaut 1700-1727 ) Bayern der Natursport, und damit Klettern, Bergsteigen und Skilaufen, auch in Zukunft möglich sein wird. Bayern setzt auf die Kooperation mit dem DAV und anderen Natursportver-bänden und versucht es mit freiwilligen Vereinbarungen. Das beste Beispiel und ein Vorbild für den Konflikt-ausgleich ist das gemeinsam mit dem bayrischen Umweltministerium erarbeitete Drei-Zonen-Kletterkonzept für fränkische Klettergebiete, die ja auch für das Altmühltal ( Eichstätt !) von Bedeutung sind.

An der Grenze des Machbaren Die Aufgaben nehmen zu, und die Erwartungen gegenüber dem Gesamtverein steigen ständig weiter an. Der an der Basis bisweilen zum Ausdruck kommende Vorwurf, die zentrale Verwaltung « schwimme im Personal », wird deshalb der tatsächlichen Lage in keiner Weise gerecht. Alles wird komplexer, und immer mehr Arbeit wird von den Sektionen auf die Zentrale abgeschoben. Dies führt dazu, dass für die im Zentralverband ehrenamtlich Tätigen, aber auch für die « Professionellen » die Grenze des noch Machbaren erreicht bzw. verschiedenenorts bereits überschritten ist. Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle werden deshalb heute immer mehr in einem Ausmass belastet, das vom Arbeitgeber kaum mehr zu verantworten ist. Da die Erwartungshaltung wohl noch weiter zunehmen wird, müssen alle das ihre dazu tun, um dieser Entwicklung zu begegnen.

Mitgliederwerbung und zentrale Mitgliedschaft Mitgliederwerbung Die Mitgliederentwicklung im DAV hat sich abgeflacht und ist 1996 auf 1,3 % zurückgegangen. Zudem wird aus der Altersstruktur ersichtlich, dass die 55- bis 60jährigen die mitgliederstärksten Jahrgänge stellen. Trotz einer starken Steigerung bei den Kindern ( 11,. " " .5und - wenn auch weniger - bei den Jugendlichen ( 4,. " " .5ergibt eine Hochrechnung unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung für das Jahr 2010 einen empfindlichen Mitgliederrückgang. Damit der DAV seine Aufgaben weiterhin wahrnehmen und nach Möglichkeit ausbauen kann, gilt es, diesen Trend umzukehren und vermehrt neue DAV-Mitglieder zu gewinnen. Wichtig ist dabei vor allem, den Beitritt zum DAV zu erleichtern. Zum einen sind deshalb die Sektionen aufgerufen, sich auf möglichst breiter Basis mit Werbemassnahmen an alle aktiven Bergsteiger und Bergwanderer zu wenden ( als Leitfaden wurde den Sektionen in Eichstätt ein 15seiti- ges Arbeitspapier « Wie wir neue Mitglieder gewinnen » abgegeben ). Zweitens wurde die Frage einer zentralen Mitgliedschaft zur Diskussion gestellt.

Die zentrale Mitgliedschaft Erfolgt der erste Kontakt mit dem DAV über die Geschäftsstelle ( was oft vorkommt ), werden die an einem Beitritt Interessierten heute ( gleich wie beim SAC ) an eine Sektion weitergeleitet. Das aber erfordert vom potentiellen Neumitglied die Überwindung einer zusätzlichen Hürde. Gleichzeitig hat dieses Vorgehen zur Folge, dass man den Kontakt zum potentiellen Neumitglied gleich wieder verliert. ( Niemand weiss, ob ein Beitrittsge-such gemacht wurde und was daraus geworden ist. Ebensowenig kann unterstützend oder beratend eingegriffen werden. ) Mit der Einführung einer - von der Vereinsleitung angeregten -zentralen Mitgliedschaft, die die Möglichkeit bietet, ohne Umweg über eine Sektion direkt Aufnahme in den Zentralverband zu finden, könnte dieses Problem gelöst werden.

Seitens der Sektionsvertreter ergaben sich zahlreiche Vorbehalte, die vor allem in der Befürchtung gründeten, durch die Entstehung einer « zentralen Sektion » könnten die bestehenden Machtverhältnisse aus dem Gleichgewicht geraten und das Akti- In der einen fast südlichen Charme ausstrahlenden Eichstätter Altstadt ( auf dem Weg zum Marktplatz ) vitätsangebot der Sektionen genutzt werden, ohne dass diese eine entsprechende Gegenleistung erhalten.. " " .S; Trotzdem sprach man sich mit grosser ^ Mehrheit dafür aus, dass der Zentral- c verband an der nächsten HV eineno-Entwurf für eine zentrale Mitgliedschaft vorlegt. Allerdings war diese 5 Zustimmung mit Auflagen verbunden, die die Attraktivität einer zen- -j tralen Mitgliedschaft entscheidend einschränken. So wurde verlangt, dass der Beitrag der zentralen Mitglieder wesentlich höher ist als der höchste Sektionsbeitrag, dass die zentrale Mitgliedschaft möglichst nur ein « Zwischenstadium » auf dem Weg zur Sektionsmitgliedschaft sein soll und dass zentrale Mitglieder in den Sektionen und im Zentralverband weder Antrags- noch Stimmrecht haben.

Einführung eines Familienbeitrages Mit dem Familienbeitrag soll die finanzielle Belastung für Familien gesenkt werden; gleichzeitig sollen so die Jungen als Mitglieder gewonnen, die Altersstruktur verbessert und die Familienfreundlichkeit dokumentiert werden. Voraussetzung, um in den Genuss des Familienbeitrages zu kommen, ist, dass beide Elternteile Mitglied derselben DAV-Sektion sind.

Sponsoring im DAV Im Zug der Marketing-Anstrengun-gen hat der DAV einen Sponsor gesucht und ihn im Unternehmen Bad Heilbrunner Reform-Diät-Arznei GmbH & Co. ( Jahresumsatz 90 Mio. DM ) gefunden. Mit diesem sich vor allem auf ein umfangreiches Produk-teprogramm in den Bereichen Arznei-und Kräutertees, Vitamin- und Mine-ralstoffpräparate und sonstige Naturheilmittel stützenden Sponsor wurde für 1997 und 1998 ( mit Option auf Verlängerung ) ein Kooperationsver-trag geschlossen. Unterstützt werden damit ausschliesslich Naturschutz-Pro-jekte des DAV, zurzeit das Projekt « Skibergsteigen umweltfreundlich ». Die Partnerschaft steht unter dem Motto « Partnerschaft für die Natur » und soll den DAV finanziell, vor allem aber in der dringend notwendigen Öffentlichkeitswirkung unterstützen. Dass eine solche Zusammenarbeit nicht ganz unproblematisch ist, ergab sich anlässlich der Vorstellung durch einen hochrangigen Firmenvertreter: Seine Präsentation der Produktepalette entwickelte sich zu einem langatmigen und eher mühsamen Werbe-monolog, der den anfänglichen ALPEN-Nachrichten S.

Goodwill, den man allgemein dem naturorientierten und damit an sich sympathischen Unternehmen entgegenbrachte, bald einmal dahin-schmelzen liess. Erst die Zukunft wird zeigen, ob die auch für einen alpinen Verein so verlockend scheinende Beschaffung zusätzlicher Mittel durch einen Sponsor nicht mehr zusätzliche und unerwartete Probleme und Belastungen als Vorteile mit sich bringt. Auf alle Fälle wird das Verhältnis zwischen zwei letztlich doch sehr unterschiedlich ausgerichteten Partnern nie problemlos sein.

Bergkameradschaftliches Ambiente Die freundlich-fröhliche und von einem fast südlichen Charme erfüllte Atmosphäre der Eichstätter Altstadt mit ihren grosszügig angelegten Plätzen, den gemütlichen, von Barockfas-saden geprägten Gassen und den kleinen Restaurants, die zum Verweilen und Diskutieren einladen, rückte den Geschäfts-Aspekt, der natürlich zu jeder Hauptversammlung gehört, auf eine angenehme Art in den Hintergrund. Viel hat dazu die mit ca.900 Mitgliedern relativ kleine, aber sehr aktive Sektion Eichstätt beigetragen. Ohne gegen aussen lautstark in Erscheinung zu treten, hat sie nicht nur für einen reibungslosen, sondern auch für einen allen in bester Erinnerung bleibenden Anlass gesorgt. Dazu gehörte auch das Sommerfest im Hof-garten der ehemaligen fürstbischöflichen Sommerresidenz, das Gelegenheit zu vielen Kontakten bot. Dem DAV und der Sektion Eichstätt sei dafür ganz herzlich gedankt!

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