Helikopterpilot als Berufung Arnaud Rossier lernt fliegen

Helikopter erleichtern in den Bergen vieles. Während sie aber für die einen nur lärmige Störenfriede sind, erleben sie andere als sehnlichst erwartete Rettung. Eine solche war es, die in Arnaud Rossier den Wunsch weckte, Helikopterpilot zu werden. Er erklärt, was ihn an diesem aussergewöhnlichen Beruf reizt.

Das Geräusch wird lauter. Plötzlich taucht der Lama-Rettungshelikopter hinter einem Felssporn auf. Bevor er die Retter aussteigen lässt, dreht der Heli eine Erkundungsrunde. Am Boden, unter den Wartenden, ist Arnaud, damals acht Jahre alt. Die Gruppe hat den Helikopter gerufen, da einer von ihnen auf 3300 Metern einen Unfall erlitten hatte. Die schlechten Wetterbedingungen erfordern Notmassnahmen: Die Verletzten und Schwächsten steigen an Bord. Weil er der Jüngste ist, darf auch Arnaud – obwohl unverletzt – im Heli Platz nehmen.

Dieser Heliflug lebt in seinen Kinder-träumen weiter, die schliesslich dazu führen, dass sich der Junge aus Bagnes acht Jahre später für die Prüfungen der IAP ( Instruction aéronautique préparatoire ) einschreibt. Diese sind obligatorisch für alle, die eine Militär- und spätere Zivilpilotenlaufbahn einschlagen wollen. Die Ausbildungsplätze sind heiss begehrt, die Prüfungen dementsprechend streng. Arnaud erreicht das Niveau zwei der Ausbildung, doch kann er anschliessend nicht weitermachen. « Ich bedaure nichts. Auf theoretischer Ebene hat mir die Ausbildung viel gebracht, und ich konnte 30 Flugstunden in einem Flugzeug absolvieren », sagt Arnaud.

Mehr als nur fliegen lernen

Der junge Mann gibt aber seinen Traum nicht auf und beginnt sechs Monate später eine private Helikopterausbildung. Auf dem Programm stehen mindestens 45 Flugstunden, davon zehn im Allein-flug und eine ziemlich ausführliche ärztliche Untersuchung: Sehschärfe, Blut, Elektrokardiogramm usw. Auf theoretischer Ebene muss der Walliser eine Reihe von Prüfungen bestehen über so unterschiedliche Themen wie gesetzliche Grundlagen, Meteorologie oder die Leistungsfähigkeit des Menschen. Letzteres beinhaltet zum Beispiel Kenntnisse über die Reaktion des Körpers in schwierigen Flugsituationen. Weil es gut läuft, hängt Arnaud die Ausbildung zum Berufspilo-ten beziehungsweise gewerbsmässigen Piloten an. Das bedeutet: weitere medizinische Tests im Aeromedical Center der Armee in Dübendorf, neue theoretische Prüfungen mit den gleichen Themen, aber noch höheren Anforderungen. Da seit dem 1. Januar 2007 neue europäische Normen gelten, sind im Minimum 185 Stunden modularer Ausbildung für die Zulassung zur Abschluss-prüfung nötig.

Pilot in den Bergen

Doch damit nicht genug: Arnaud will auch in die Berge. Er beginnt darum die Ausbildung zum Bergpiloten. Diese erlaubt das Landen auf einer Höhe von mehr als 1100 Metern. Dazu sind weitere 25 Flugstunden nötig und 200 Landungen auf der Mehrheit der 42 offiziellen Landeplätze in der Schweiz. Heute, am Ende des hürdenreichen Wegs, kann der junge Pilot fast nur mit Stillschweigen den Betrag übergehen, den er in seinen Kindheitstraum investiert hat: Es sind rund 100 000 Franken. Dank seiner Tätigkeit als Skilehrer und Lehrerausbild-ner konnte Arnaud den grössten Teil Abflug in der Region von Trient bei den Aiguilles Dorées. An jedem Ort unternimmt der Pilot mehrere Flüge, um sich stetig zu verbessern. Arnaud Rossier nähert sich der Rosablanche. Gewisse Gebirgslandeplätze sind klein und erfordern eine grosse Präzision beim Landeanflug.

Fotos: Stéphane Mair e dieser Summe selber aufbringen. « Ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre aber die Ausbildung nicht möglich gewesen », betont der Walliser.

Unvergessliche Momente

Kramt der Pilot in seinen Erinnerungen, so bleibt der erste Alleinflug von rund 30 Minuten als Lehrling unvergesslich. Der Schritt in den Bereich Berge stellt ebenfalls eine der wichtigsten Etappen in seiner Ausbildung dar. Auch unangenehme Ereignisse bleiben nicht weniger tief in seinem Gedächtnis haften, beispielsweise jene Windböe bei einem Flug in Grenchen, in welcher der Rotor plötzlich die Grenzwerte der Rotation erreichte. Die Maschine zu stabilisieren, erforderte ziemlich viel Kaltblütigkeit. Wenn man Arnaud zuhört, merkt man gut, dass der grösste Trumpf dieses wirklich Angefressenen der Leistungswille ist. Pilot wollte er werden, weil er Freude am Fliegen hat. So hat Arnaud als 16-Jähriger nebenbei noch die Gleitschirmprüfung bestanden. Doch es ist der Helikopter, der seine Leidenschaft weckte: « Mich fasziniert die Vielseitigkeit des Helikopters, der überallhin gelangt und nahe über dem Gelände und in den Bergen fliegen kann. Dazu kommt die Vielfalt der Einsätze: Rettungen, Sprühflüge in den Rebbergen, Versorgungstransporte für die Berghütten, Panorama- und Foto flüge oder Heliskiing », so Arnaud. Letzteres ist ein heiss umstrittenes Thema. Aus Arnauds Sicht gilt es, Vor- und Nachteile abzuwägen. Ohne die negativen Auswirkungen auf die Umwelt auszublenden, erachtet er persönlich die Heliskiflüge als unverzichtbares Training, das den Piloten vor allem bei Rettungen zugutekomme. Dabei macht er auch auf den Missbrauch aufmerksam, den einige Unternehmen betreiben, indem sie die Zahl der Flüge pro Tag für die gleiche Gruppe Skifahrer erhöhen. « Die Firmen sägen am Ast, auf dem sie sitzen », so Arnaud. Nach Meinung des jungen Piloten müssten die wichtigsten interessierten Kreise, nämlich Bergführer, Heliunternehmen, BAZL und SAC, zusammensitzen und einen klaren Rahmen fürs Heliskiing abstecken. « Alle müssten wohl Konzessionen machen, damit die Piloten ihr hohes Können halten und gleichzeitig die mit dieser Aktivität verbundenen Nachteile minimiert werden können », meint der Pilot.

Ein Reisender im Geist

Arnaud hofft, bald einmal seinen Beruf als Pilot bei der Air-Glaciers ausüben zu können, auch wenn er weiss, dass die Plätze in der Schweiz insgesamt rar sind. So gibt es schweizweit nur gerade rund 500 Berufspiloten, wovon 200 bis 250 regelmässig fliegen. Doch der Walliser will auf seine Chance warten. Erhält das Team von 15 bis 20 Piloten bei der Air-Glaciers bald ein neues Mitglied? Indem er gelegentlich Touristenflüge für dieses Unternehmen macht, hat er bereits einen Schuh in der Tür. Zurzeit besucht er aber auch noch die Universität von Lausanne, wo er Geografie studiert. Ein Reisender im Geist? Sicherlich ein Freund des Raumesa Stéphane Maire, Orsières Ausbildungswege zum Helipiloten: Alle Infos zur Ausbildung finden sich unter www.sphair.ch/ pilot/de.

Verdiente Pause für Arnaud Rossier nach zwei Stunden Flug an einem Ausbildungstag.

T E X T / F o T o sDidier Cassany, Abondance ( ü )

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