Hemmleb Jochen u.a.: Die Geister des Mount Everest/Die Suche nach Mallory und Irvine. Hoffmann und Campe Verlag 1999. Fr. 41.50

In jedem Menschen steckt (auch) ein Voyeur. Allein deshalb wird das Buch Die Geister des Mt. Everest mitsamt den spektakulären Bildern des britischen Bergsteigers George Mallory, der 1924 am Nordostgrat spurlos verschwand und dessen Leiche 1999 gefunden wurde, seine Leser fesseln. Der Autor, ein Geologe und Hobbyhistoriker, machte mit seinem Spürsinn den Fund erst möglich. Im Gegensatz zu Reinhold Messners Aussagen in seiner jüngsten Publikation Mallorys zweiter Tod, vertreten Hemmleb und die amerikanischen Co-Autoren Larry Johnson und Eric Simonson die These, dass Mallory auf dem Everest-gipfel gewesen und samt seinem Partner Andrew Irvine erst auf dem Abstieg ums Leben gekommen sei.

Beim toten Mallory fanden sich Notizen, die belegen, dass genügend Sauerstoff vorhanden gewesen wäre, um auf den Gipfel gelangen zu können. Doch den heute wie damals in freier Manier fast unbezwingbaren «second step», eine kurze Steilstufe, haben die beiden Engländer wohl kaum bewältigt. Im Buch darf der amerikanische Extremkletterer Conrad Anker als Mitglied des Such-teams versteckt darauf hinweisen. Unter den vielen berührenden Bildern ist meiner Meinung nach jenes am aussagekräftigsten, das Mallorys Armbanduhr ohne Zeiger zeigt: Symbol der Unendlichkeit.

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