Höhenluft schnuppern

Ein Sommer in der Capanna Motterascio « Michela » Im vergangenen Sommer öffnete die Capanna Motterascio ihre Türen jungen Tessinern, die das Hüttenwartleben und die Kniffe des Hüttengehilfen-«Berufs » kennenlernen wollten. Auch in diesem Sommer erleben Jugendliche aus der ganzen Schweiz in der gleichen - aber auch in andern -Hütte bereichernde Erfahrungen, wie sie Cristina im folgenden Beitrag beschreibt.

Als wir uns nach langem Hin und Her entschieden hatten, während der Sommerferien Erfahrungen in der Ar-beitswelt zu machen, kam die Einladung von Omelia und Mimo ( Emilio ) Schneidt, als Hüttengehilfen bei ihnen tätig zu sein. Erleichtert lehnten wir alle andern Vorschläge ab und packten eilends unsere Rucksäcke!

Die Capanna Motterascio liegt auf 2172 m am südlichen Ende der Greinaebene, an einem zauberhaften Ort am Fuss des Piz Terri. Sie befindet sich eineinhalb Marschstunden vom Work & Climb- und Hütten wochen: eine Idee für die Herbstferien!

Neues Work & Climb-Angebot Die fünf Work & Climb-Wochen in den Sommerferien ( vgl. auch ALPEN 3/99 ) waren rasch ausgebucht, vielen Interessierten mussten wir leider absagen.

Für die im Oktober in der Kröntenhütte ob Erstfeld stattfindenden zwei Wochen gibt es aber noch freie Plätze. Gemeinsam mit Bergführer und Hüttenwart Markus Wyrsch wirst du den Hüttenweg sanieren und teilweise neu anlegen, um Umweltschä-den möglichst klein zu halten. Daneben hast du Gelegenheit, in einem der nahegelegenen Klettergärten zu klettern. Detaillierte Informationen und Anmeldeunterlagen kannst du bei David Henzen in der Geschäftsstelle SAC, Tel. 031/370 18 16, E-Mail david.h.@sac-cas.ch, anfordern.

Work & Climb-Wochen Kröntenhütte:

So 3.1O. bis Sa 9.1O.1999 und So 1O.1O. bis Sa 16.1O.1999 Hüttenwochen Arbeitest du lieber drinnen als draussen, möchtest eine oder mehrere Wochen in einer SAC-Hütte verbringen und dem Hüttenwarte-Team bei den täglichen Arbeiten helfen? In einigen Hütten hat es noch freie Plätze. Informationen erhältst du direkt bei Bettina Kummer in der Geschäftsstelle, Tel. 031/370 18 31, E-Mail bettina.k(at)sac-cas.ch Markus Rufi, Jugendbeauftragter SAC Die Hütte und die Alp Motterascio, im Hintergrund der Piz Gaglianera Luzzone-Stausee entfernt und ist gross und bequem eingerichtet. Seitdem sie von Omelia bewartet wird, gilt sie als offizieller Sitz der Hexen: Seit Urzeiten hatten die Hexen der Greina einen Ort gesucht, an dem sie zusammenkommen können. Nachdem sie letztes Jahr nun die Capanna « Michela » entdeckten, beschlossen sie, sich dort niederzulassen. Nun hängen sie an der Decke des Aufenthaltsraums, eine schöner als die andere!

Die Hüttenwarte Omelia und Mimo - mit ihrem Hund Pluto - be-warfen die Hütte von Juni bis Oktober durchgehend. Auch im Frühling, wenn sich Skitourenfahrer anmelden, sind sie oben.

Auf Entdeckung in der Greinaebene Die Zeit auf der Hütte hat mir sehr viel gebracht: Daheim lebe ich ein bisschen wie eine Prinzessin, die sich ihren Studien und der Musik widmet. Es ist deshalb eine Herausforderung gewesen, kochen und haushalten zu lernen. Zudem habe ich meine althergebrachte Angst vor Kühen und Kälbern überwinden müssen, da sich die Alp Motterascio, die vom Käser Gio- vanni betreut wird, unmittelbar hinter der Hütte befindet. Jeden Tag habe ich dort Milch, Joghurt und frische Butter für die ganze Gesellschaft holen müssen!

Natürlich bin ich auch auf Entdeckung in der wunderbaren Greinaebene mit ihren Blumen, Gemsen und Steinböcken gegangen. Diese zauberhafte Landschaft ist aber vor allem ein Reich der Murmeltiere: Ein Blick auf den Boden genügt, um ein Haarbüschel zu entdecken, das uns neugierig werden lässt. An ruhigen Nachmittagen habe ich auch genügend Zeit gehabt, um mich in der Sonne zu entspannen und - von einer ganzen Kolonie von Murmeltieren beobachtet - mit Pluto in den kleinen See nahe bei der Hütte einzutauchen.

Zusammen mit Fabiano habe ich die nahegelegenen Hütten Terri und Scaletta besucht. Für uns Tessiner Studenten ist es interessant, ein paar Worte auf Englisch, Französisch oder Romanisch auszutauschen und den ganzen Tag lang fast nur Deutsch -bzw. meist Schweizerdeutsch -spre-chen zu müssen.

Die Greinaebene ist von ein paar wunderschönen Gipfeln umgeben: Piz Medel, Piz Valdraus, Piz Gaglianera, Piz Vial, Piz da Stiarls, Piz Zamuor, Piz Canal und schliesslich Piz Terri, 3149 m hoch. Dies ist der einzige Gipfel gewesen, den ich in diesem Sommer - zusammen mit Angela - bestiegen habe.

Pluto, unser Maskottchen Pluto ist der eigentliche Hüttengehilfe der Capanna Motterascio. Er gibt den Besuchern klar zu verstehen, dass Hunde hier willkommen sind. Im Vorraum gibt es tatsächlich eine Nische, die nur für sie reserviert ist. Und wenn ab und zu ein Mensch mit einem Artgenossen von Pluto auftaucht, werden sie von letzterem mit Freu-densprüngen begrüsst.

Legendäre Kuchen und guter Merlot del Ticino Atena und Paolo arbeiteten zusammen, und da sie die Gegend schon kannten ( im Juni durchquerten sie die Greina und bestiegen die umliegenden Gipfel mit der Gruppe « MINI » der SAC-Sektionen Ticino und Bellinzona; diese Tour war von Omelia organisiert worden ), nutzten sie nun die Zeit, um sich in der Backkunst der legendären Kuchen von Omelia zu üben. Diese Rezepte gehen halb auf Tessiner, halb auf « nordalpine » Quellen zurück. Den einzigen Moment der Entmutigung erlebten wir an jenem Abend, als uns ein Berg schmutzigen Geschirrs, das geduldig auf uns wartete, vor dem Spülbecken festna-gelte! Ruhige Stunden nutzten wir mit dem Besuch auf der fünf Minuten entfernt liegenden Alp, wo wir die Herstellung von Käse erlernen konnten. Aber auch das Lesen kam nicht zu kurz, verfügt doch die Hütte über eine gut dotierte Bibliothek, die von allen benützt werden kann. Gianluca, o. < Die Hüttengehilfen-«Lehr-zeit » war eine echte Herausforderung - ob beim Haushalten, Kochen oder Holzhacken.

Die freie Zeit wurde genutzt, um die Sonne zu geniessen oder die Nachbarhütten zu besuchen.

Den einzigen entmutigenden Moment erlebten wir an jenem Abend, als uns ein Berg schmutzigen Geschirrs am Spülbecken festnagelte.

Jugend-Infos,Berichte,Aktivitäten a.

4 91 Ö Jacopo, Paolo und Massimo erledigten mit Mimo all jene Aufgaben, die in einer Hütte - neben den Haushalt-arbeiten - gemacht werden müssen. So bereiteten sie das Holz vor, eine harte, aber gesunde Arbeit, bei der man sicher nicht an Gewicht zulegt! Am Freitagabend kam Mimo jeweils für das Wochenende in die Hütte. Seine Ankunft glich jener des Weihnachtsmanns: Er setzte die Seilbahn in Betrieb ( welch ein Vergnügen !) und füllte die Vorratskammer mit verschiedenen Köstlichkeiten, die er mitbrachte. Die Abende verbrachten wir immer in guter Gesellschaft vor einem Glas Merlot DOC!

Fenster nach aussen und nach innen öffnen Die Menschen, die in die Hütte kommen, stammen aus den verschiedensten Orten. Jeder hinterlässt eine Spur seines Besuchs mit einem Ge- dicht oder seiner Unterschrift im Gästebuch ( nicht zu verwechseln mit dem Hüttenbuch !), mit Geschichten, Liedern oder stillen Momenten. Für uns Vertreter der jungen Generation sind die Begegnungen sehr stimulierend, da wir mit Leuten unterschiedlichster Herkunft in Berührung kommen; das Erlernen verschiedener Sprachen ist dabei garantiert. Wir lernen dabei aber auch, in einsamen und erholsamen Augenblicken uns der inneren, weiten Welt zu öffnen, Energie und Kraft zu tanken, um gestärkt in die Betriebsamkeit der Städte zurückzugehen.

Cristi na Ce resa im Namen von: Atena Ceresa, Gianluca Bianchi, Jacopo Spinelli, Paolo Taiana, Angela Tombolato, Fabiana Mai-netti, Paolo und Massimo Buri, Eva Gervasoni ( SAC-Sektionen Ticino und Bellinzona ) ( ü ) Aussicht von der Hütte nach Süden ( mit dem Luzzone-Stausee ) Herbstspiegelungen im kleinen See bei der Hütte rer

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