Hotel des Alpes. Historische Gastlichkeit von Savoyen bis Tirol

Mächtige Familienclans, mutige Pioniertaten, kühne Pläne, kometenhafte Aufstiege und ebensolche Abstürze: Die Frühzeit des Fremdenverkehrs in den Alpen war geprägt von einer ungeheuren Dynamik, die der heutigen Tourismusindustrie etwas abhandengekommen zu sein scheint. Von diesen Anfängen, und vor allem von der grossen Aufbruchzeit im 19. Jahrhundert, erzählt Francesco Dal Negro in einem reich illustrierten und schön gestalteten, durchgehend zweisprachigen Band. Der italienische Titel, Storie di alberghi ed albergatori dalla Savoia al Tirolo, trifft den Kern des Werks besser, geht es doch darin nicht um die Geschichte, sondern um Geschichten. In süffigem Ton und mit vielen amüsanten Details durchleuchtet Dal Negro die Entwicklung der Hotellerie, der Alpenpost, der Bergbahnen und Thermalbäder von Chamonix bis zu den Dolomiten. Er tut dies anhand schön ausgewählter Beispiele und setzt einen klaren Schwerpunkt beim Schweizer Fremdenverkehr, der oft wegweisend war für die Entwicklung in den übrigen Alpenländern. Der Verzicht auf Vollständigkeit – Namen wie Davos, Arolla oder Engelberg sucht man vergeblich – wird aufgewogen durch einen länderüber-greifenden Ansatz, der aufschlussreiche Vergleiche ermöglicht. Es werden Ähnlichkeiten und Unterschiede über Staatsgrenzen hinweg aufgezeigt, was das Werk von anderen ähnlichen Titeln unterscheidet. Schade bloss, dass die Übersetzung ins Deutsche ungenau geriet.

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