Hütten – die Seele des SAC im Wandel. Hüttenerlebnis für alle

Hüttenerlebnis für alle

Hütten – die Seele des SAC im Wandel

Selten beschäftigt SAC-Mitglieder ein Thema stärker als die Hütten. Den einen sind sie bereits zu modern und zu touristisch, andere wünschen sich ein noch zeitgemässeres Erscheinungsbild mit mehr Komfort und zusätzlichen Dienstleistungen. Zwischen diesen beiden Standpunkten muss der SAC seinen Weg finden.

Die Hütten machen seit den Anfängen des Schweizer Alpen-Clubs SAC einen grossen Teil der « Seele » des Clubs aus. Sie sind nicht nur Ausgangspunkte für viele klassische Bergtouren, sichere Rückzugsorte bei Schlechtwetter und lebhafte Zentren des Sektionslebens, sondern sie stehen auch im Rampenlicht der Öffentlichkeit und prägen somit die Wahrnehmung des SAC von aussen. Da verwundert es nicht, dass das Äussere von SAC-Hütten und die Bedürfnisse, die sie abdecken sollen, immer wieder neu und kontrovers diskutiert werden ( vgl. ALPEN 4/2007, S. 26 ). Die Diskussion kreist zumeist um die Architektur, den Komfort und die Ausstattung, tangiert aber auch die Vielfalt der Gästegruppen und die gebotenen Dienstleistungen. Im Zentrum steht dabei vielfach die Frage, ob eine Hütte den Anforderungen und Bedürfnissen unserer Zeit gerecht werden oder sich an der « Hüttenromantik » vergangener Zeiten mit Massenlagern, Plumpsklo und einfacher Küche zum selbst Kochen orientieren soll.

Rückgang der Besuchszahlen in den 1990er-Jahren

Unbestritten ist, dass die Hüttenübernachtungen in den 1990er-Jahren stark zurückgingen. Während 1992 noch 330 000 Übernachtungen gezählt wurden, sanken diese bis ins Jahr 2000 fast kontinuierlich auf 260 000 ( vgl. Tabelle 1, S. 48 ). Parallel dazu nahmen die für den Erhalt der Hütten benötigten Erträge spürbar ab, wichtige Investitionen mussten aufgeschoben werden. Aufgrund dieser sinkenden Übernachtungszahlen hat der SAC Ende der 1990er-Jahre das Marketing für die Hütten verstärkt und begonnen, mit gezielten Massnahmen die Hütten neu in der Öffentlichkeit zu positionieren. Insbesondere hiess der SAC neue Gästegruppen wie Bergwandernde oder Familien willkommen. Deren Erwartungen an die Infrastruktur und den Betrieb der Hütten sind erwiesenermassen andere als diejenigen der Alpinisten.

Massvolle Investitionen

Mit sanften Änderungen der Infrastruktur wie kleineren Schlafräumen oder besseren Sanitäreinrichtungen ist der SAC dem Ziel nähergekommen, das Erlebnis Bergwelt möglichst vielen Menschen zu ermöglichen. Dabei hat sich gezeigt, dass nicht nur Wandernde und Touristen einen gewis- Foto: Ar chiv SA C sen Komfort schätzen, wenn sie eine Hütte als Übernachtungsort wählen. Auch viele Bergsteiger und Skitouren-fahrerinnen schlafen inzwischen doch lieber in einem Sechserzimmer statt im Massenlager oder ziehen den geheizten Waschraum dem Brunnen vor der Hütte vor. Auch sie schätzen den Luxus eines feinen Dreigangabendessens und eines kühlen Biers aus der Hüttenküche, statt sich nach mehrstündigem Aufstieg noch um die Zubereitung der Spaghetti kümmern zu müssen.

Sinnvolle Kooperationen

Darüber hinaus hat der SAC, basierend auf dem Marketingkonzept, verschiedene Kooperationen mit touristischen und anderen Partnern aufgebaut. Die Partnerschaft mit der CSS-Versicherung zum Beispiel, die 40 für Familien geeignete SAC-Hütten im Angebot « Höhenflüge » zusammenfasste, brachte den beteiligten Hütten überdurchschnittliche Übernachtungszahlen und eine äusserst positive Medienpräsenz. Die Aktion « Höhenflüge » soll deshalb bis ins Jahr 2010 fortgesetzt werden. Ein weiteres Beispiel erfolgreichen Marketings waren die Aktivitäten im Rahmen des Hüttenjahres 2006. Weit über 100 Medienberichte erschienen dazu im vergangenen Jahr, und mit der Verleihung des Tourismuspreises « Milestone 2006 » hat auch die Tourismusbranche die Bedeutung der SAC-Hütten für das Tourismusland Schweiz und den Bergtourismus anerkannt.

Spürbar mehr Hüttenbesucher

Ein Blick auf die Statistik der letzten zehn Jahre ( vgl. Tabellen, S. 48 ) bestätigt den SAC in seiner Hüttenstrategie. Die Auslastung der Hütten hat sich spürbar verbessert und die Erträge steigen. Die Gesamtübernachtungszahlen nehmen seit 2000 zu und liegen seit dem Rekordjahr 2003 wieder über 300 00O. Dabei hat der Anteil der Übernachtungen von Nichtmitgliedern im Vergleich zu den anderen Hüttenbenutzerkategorien konstant zugenommen. Während diese Übernachtungen lange Zeit weniger als einen Viertel ausmachten, liegt deren Anteil am Total nunmehr bei knapp 30%. Das deutet darauf hin, dass die Hütten Kleinere, nur über die Sommermonate bewartete Hütten wie die Gspaltenhornhütte gehören ebenso zum « Hüttenportfolio » des SAC...

... wie die ganzjährig bewarteten, modernen Grosshütten wie die Capanna Cristallina.

Ein klassisches Beispiel einer SAC-Hütte, in der sich sowohl Wandernde als auch Alpinisten wohl fühlen: die Cabane des Dix im Wallis Foto: Dres Balmer/zvg Foto: Christian Bleuer/zvg vermehrt von Gästen besucht werden, die eigentlich weniger Affinität zum Alpinismus haben als SAC-Mitglieder.

Neues Verständnis von Hüttenromantik

Der Erfolg der Massnahmen hat sich auch im Hüttenreglement niedergeschlagen: Seit 2006 bekennt sich der SAC zum Unterhalt und Betrieb aller 153 Hütten – also vom Biwak über die einfach ausgestattete Hütte bis zur modernen, ganzjährig bewarteten Grosshütte –, solange sie aus bautechnischen und finanziellen Gründen tragbar sind. Im Leitbild von 2005 ist auch festgehalten, warum und wie sich der SAC weiterhin für seine Hütten einsetzt: « Der SAC betreibt und unterhält seine Hütten als wichtige Infrastruktur für die Mitglieder und als... und die komfortable Version in der Cabane de Saleina Gegensätze, wie es sie nur bei den SAC-Hütten gibt: die rustikale Küche für Selbstkocher in der Rottalhütte...

Fotos: Ar chiv SA C Unveränderter Teil der Hütten-seele – die fast immer idylische Lage der Hütten aussergewöhnliches Angebot im Bergtourismus. (... ) Die Hütten sind Orte für Erlebnisse unterschiedlicher Zielgruppen und stehen allen offen. (... ) Der Charakter von einfachen Gebirgsunterkünften bleibt ihr herausragendes Merkmal. » Selbstverständlich lassen diese Grundsätze Interpretationsspielraum offen. Was ist der Charakter einer einfachen Gebirgsunterkunft? Was ist ein Erlebnis-ort? Welche Zielgruppen sollen angesprochen werden? Wann ist der Bedarf für eine Hütte gegeben? Der SAC wird diese und andere Fragen weiterhin sorgfältig beantworten und auch in Zukunft massvoll in die Erneuerung seiner Hütten investieren und sie den wandelnden Bedürfnissen der Gäste anpassen ( müssen ). Die Devise lautet aber stets: Mach- und Finanzierbares vor Wünschbarem. Darum werden auch zukünftig umgebaute Hütten den Charakter von einfachen Gebirgsunterkünften behalten. Die « Seele » des Clubs bleibt also bestehen, auch wenn sie von einem neuen Verständnis der Hüttenromantik geprägt ist. a Bruno Lüthi, Bereichsleiter Hütten

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