Hydrologischer Atlas der Schweiz. Bundesamt für Landestopographie, 3084 Wabern, 4. Lieferung, 1999.1

Eine der sieben neuen Tafeln im Rahmen der 4. Lieferung des Hydrologischen Atlas der Schweiz, das Kartenblatt 3.8 «Nacheiszeitliche Gletscherschwankungen», vermittelt den aktuellen Forschungsstand der Zungenlängenänderungen der Alpengletscher seit dem Ende der letzten Eiszeit. Gletscher sind Klimaindikatoren: Sie reagieren ihrer Grosse entsprechend mit mehr oder weniger starker Verzögerung auf veränderte Klimaverhältnisse.2 Ihre Geschichte widerspiegelt daher indirekt die natürlichen Klimaveränderungen innerhalb der Nacheiszeit. Seit dem Ende der «Kleinen Eiszeit» um die Mitte des letzten Jahrhunderts haben die schweizerischen Gletscher massiv an Volumen (-31%), Fläche (-27%) und Länge (-35%) verloren. Um diesen « Jahrhundertschwund » richtig werten zu können, muss er den natürlichen Gletscherschwankungen innerhalb der Nacheiszeit gegenübergestellt werden.

Vor 11 500 bis 11 000 Jahren, zu Beginn der Nacheiszeit (Postglazial oder Holozän), waren die Gletscher weit in die Alpentäler zurückgeschmolzen. In der Folgezeit schwankten die mittleren Sommertemperaturen nur geringfügig mit Abweichungen von ca. ± 1 °C gegenüber heute. Entsprechend bewegten sich die Gletscher innerhalb einer kleinen räumlichen Bandbreite, die vielerorts auch heute noch durch die wenig fortgeschrittene Vegetation deutlich erkennbar ist und als Gletschervorfeld bezeichnet wird. Dieses wird durch die Hochstandsmoränenwälle von 1850/60 und den aktuellen Eisrand begrenzt. Innerhalb der postglazialen Kaltphasen stiessen die Alpengletscher mehrmals zu einem Hochstand vor, der etwa demjenigen von 1850/60 entsprach. In Warmphasen schmolzen sie auf heutige, zeitweise sogar auf geringere Ausmasse zurück. Die letzte ausgeprägte Warmphase vom Ende des 8. Jahrhunderts bis um 1300 wird als «mittelalterliches Klimaoptimum», die letzte markante Kaltphase (ca. 1300 bis 1850/60) als «Kleine Eiszeit» bezeichnet.

Dieses Kartenblatt von Hanspeter Holzhauser und Heinz J. Zumbühl zeigt die Geschichte der vier bestuntersuchten und -dokumentierten Gletscher der Schweizer Alpen ( Grosser Aletsch-, Gorner-, Rhone- und Unterer Grindelwaldgletscher ). Ihre maximale Ausdehnung und Längenänderungen im Postglazial sind, soweit rekonstruierbar, in Karten und Diagrammen festgehalten. Dabei wird deutlich, dass grössere Gletscher im Gegensatz zu kleineren nur die

Die Gletscherveränderung ist auch Thema der Tafel 3.7 mit Messdaten aus der langjährigen schweizerischen Gletscherbeobachtung. Sie dokumentiert den erwähnten «Jahrhundertschwund» der Gletscher auf der Grundlage von 160 Gletschern und bildet die letzte Publikation des kürzlich verstorbenen Markus Aellen, der sein Schaffen den schweizerischen Gletschern widmete. Die anderen Kartenblätter gehen auf so unterschiedliche Themen wie Permafrost, Hoch- und Niedrigwasser, Niederschlag oder Verdunstung ein.

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