Jugend- und Junioren-Europacup 1996

Nach einer Stagnationsphase, in der sich die Durchführung eines Weltcups oder einer internationalen Meisterschaft immer aufwendiger gestaltete und entsprechende Wettkämpfe oft kurzfristig abgesagt wurden, hat 1996 das internationale Wettkampfklettern mit dem jetzt erstmals stattfindenden « European Youth Cup ( EYC ) » wieder eine breitere Basis gefunden. Diese Europacup-Serie hat damit bei allen Beteiligten für frischen Wind und einen neuen Motivationsschub gesorgt.

Rückblick Die sehr junge Entstehungsgeschichte des EYC ist geprägt von der Initiative und dem Engagement einiger Nationaltrainer/innen, aber auch von einer, nicht unbedingt selbstverständlichen, raschen und praktischen Umsetzung der Gesamtidee.

Die in den letzten zwei Weltcup-Jahren sich abzeichnenden Organisa-tionsprobleme1 und die nur isoliert stattfindenden jährlichen Jugend-und Junioren-Weltmeisterschaften gaben den Anstoss, die Idee einer eigenen Wettkampfreihe für Jugendliche zu diskutieren.

Während Trainermeetings anlässlich des Jugend-Wettkampfes in Ravenna ( I ) und der Jugend-und-Junioren-WM in Laval ( F ) 1995 wurde das Projekt sorgfältig vorbereitet und eine Aufgabenteilung entsprechend den Möglichkeiten der einzelnen Nationaltrainer/innen und Verbände vorgenommen. Die Strukturen der bereits bestehenden internationalen Jugendwettkämpfe von Marina di Ravenna ( I ), Kranj ( SLO ) und Prag ( TCH ) wurden dem neuen « Europa-cup-System » angepasst. Im weiteren erklärten sich der DAV und der SAC bereit, je einen solchen Jugendwettkampf auszurichten.

Die Besonderheiten des Jugend-und Junioren-Europacups Der EYC ist eine Art Weltcup im kleinen oder Swiss Cup im grossen mit 1 Im weiteren gilt es hier noch festzuhalten, dass Weltcup-Wettkämpfe nicht der geeignete ( Wettkampf-)Ort für eine stufengerechte Nachwuchsförderung sind.

Sport- und Wettkampfklettern a.

einer Gesamtwertung am Ende der Wettkampfsaison. Er unterscheidet sich dennoch in einigen wesentlichen Punkten von seinem Weltcup-Vorbild.

Finanzen Innert weniger Jahre ist die finanzielle Unterstützung durch Sponsoren und Verbände im Sport allgemein und auch im Wettkampfklettern zurückgegangen. Für den EYC ergab sich daraus die Konsequenz, dass sich die Wettkämpfe vorwiegend auf bestehende Infrastrukturen abstützen, also in Kletterhallen stattfinden sollen, um so die Kosten reduzieren zu können. Es werden auch keine Preisgelder ausbezahlt, denn für Jugendliche sollten nicht Preise die Basis der Wettkampfmotivation sein, sondern die Freude an der sportlichen Leistung und am gemeinsamen Erleben. Sachpreise können vom Verband oder möglichen Sponsoren natürlich zur Verfügung gestellt werden, doch beruht dies auf Freiwilligkeit.

Das Messsystem wird möglichst einfach gehalten, wobei die Resultate am Ende natürlich trotzdem stimmen müssen! Die Unterkünfte sollen preiswert sein, und auch das Startgeld ist auf maximal 10 Fr. pro Teilnehmer/in beschränkt. Dies, um den Verbänden zu ermöglichen, möglichst viele Teil-nehmer/innen an die EYC-Wett-kämpfe schicken zu können.

Reglement Die zentrale Idee des EYC ist, dass die Teilnehmer viele, qualitativ gute « Wettkampfmeter » klettern können, um Wettkampferfahrung zu sammeln und damit eine solide Grundlage für ihre weitere sportliche und persönliche Entwicklung legen zu können. Aus diesem Grund wurde das internationale Wettkampfreglement im Bereich des Wettkampfmodus etwas modifiziert, ansonsten haben aber die internationalen Wettkampfregeln weiterhin Gültigkeit.

Alle Teilnehmer/innen können zwei Qualifikationsrouten klettern. Beide werden von ihnen « flash » geklettert, was bedeutet, dass sie von den Routenbauern vorgeklettert werden und sich die Teilnehmer/innen anschliessend gegenseitig beim Klettern zuschauen können. Dieses Verfahren ergab sich zum einen aus der Überlegung, die stundenlange Warte- zeit in der Isolation zu vermeiden, und zum anderen aus dem Wunsch, dass die Jugendlichen so voneinander lernen und sich auch auf internationalem Niveau, trotz bestehender Sprachbarrieren, besser kennenlernen können.

Für den Final, der dann on sight geklettert wird, qualifizieren sich in jeder der drei üblichen internationalen Jugend-und-Junioren-Kategorien2 je zehn Finalistinnen und Finalisten. Für jeden Verband und pro Kategorie sind vier Teilnehmer/innen startbe-rechtigt.

Konzentration auf die Freizeit Um unnötig lange Wettkämpfe zu vermeiden, die die Jugendlichen überlasten, und um die Abwesenheit Anna Tina Schultz, die nach zwei EYC-Wettkämpfen bestplazierte Schweizer Kletterin in der zweiten Qualifikationsroute in Dortmund ( Viertelfinals ) von Schule oder Berufsausbildung so kurz wie möglich zu halten, sind die Europacup-Anlässe auf das Wochenende beschränkt. Samstags finden die zeitlich aufwendigen Qualifikationsrunden statt und am Sonntagvormittag die Finals, so dass noch gleichentags die Rückreise angetreten werden kann.

1. und 2. Europacup 1996 in Dortmund ( D ) und Ravenna ( I ) Cute Erfahrungen Beide Wettkämpfe haben gezeigt, dass sich die Ideen und vielleicht auch die Ideale der Verantwortlichen 2 Kategorien 1996:

- Jugend B: Jahrgang 1981/82 -Jugend A: Jahrgang 1979/80 - Junioren: Jahrgang 1977/78 Nationalmannschaft des SAC vertreten. Während der Dortmunder Wettkampf noch dazu diente, den Standort des Schweizer Teams im internationalen Rahmen zu bestimmen, hat Ravenna gezeigt, dass der internationale Vergleich nicht gescheut werden muss. Die noch ausstehenden Wettkämpfe von Kranj ( Slowenien, 147 15. September ), Bern-Niederwangen ( Schweiz, 28729.. " " .September ) und Prag ( Tschechien, 26727. Oktober ) versprechen Spannung und gute Leistungen. Gabriele Madiener, National-trainerin/Techn. Verantwortliche Resultate I. EYC Dortmund 8./9.Juni 1996 Jugend B weiblich ( Jg. 81/82 ) 1.Maria Belomestnova, RUS 2. Nastja Guzzi, SLO 3.Natalia Permiakova, RUS I1.. " " .Emanuelle Vaucher ( Sekt. Diablerets ) Jugend B männlich ( Jg. 81/82 ) c 1 Casper Ten Sijthoff, NED 1 2 Kiemen Becan, SLO'3 Kiril Shevchenko, UKR. Jugend A weiblich ( Jg. 79/80 )

I

* 1. Katarina Stremfelj, SLO 4. Ameli Haager, GER 3. Blaza Klemencic, SLO 8. Iva Hartmann ( Sekt. Rätia ) Manuel Hassler, der im Dortmunder EYC-Wett-kampf bei der Jugend A den 11. Rang belegte, in der zweiten Qualifikationsroute ( Viertelfinals ) haben realisieren lassen. Trotz der Einschränkungen wurden beide Wettkämpfe sowohl in organisatorischer als auch in sportlicher Hinsicht auf einem Niveau ausgetragen, das sich mit demjenigen des Weltcups messen kann - eine Tatsache, die Anlass zum Nachdenken geben sollte.

An beiden Wettkämpfen nahmen trotz der limitierten Kategorienquote ca. 120 Teilnehmer/innen aus 11 Nationen teil. Die Kletterleistung, aber auch die Motivation der Jugendlichen war hoch, und es hat sich einmal mehr gezeigt, dass die Zukunft unseres Sportes bei der Jugend liegt.

Jugend A männlich ( Jg. 79/80 ) 1.Matey Sova, SLO 2. Ales Strojan, SLO 3. Daniel Kadlec, TCH 8. Ivan Tresch ( Sekt. Gotthard ) 11. Manuel Hassler ( Sekt. Pierre-Pertuis ) 13. Matthias Müller ( Sekt. Alteis ) Juniorinnen ( Jg. 77/78 ) 1.Martina Cufar, SLO 2. Anna Tina Schultz ( Sekt. Bern ) 3. Tatjana Rouiga, RUS Junioren ( Jg. 77/80 ) 1. Wouter Jongeneelen, NED 2. Thomas Feuerstein, AUT 3. Timo Lautenschläger, GER 5. Michi Tresch ( Sekt. Gotthard ) 15. Andy Lauber ( Sekt. Alteis ) 19. Thomas Zeiter ( Sekt. Monte Rosa ) Schweizer Team mit internationalem Leistungsstandard An beiden Wettkämpfen waren Mitglieder der Jugend- und Junioren-

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